Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erste Klimaszenarien bis 2300 veröffentlicht

28.09.2011
Temperaturanstieg zwischen einem und acht Grad möglich

Prognosen des Zukunftsklimas müssen künftig über das Jahr 2100 hinausreichen. Ein Schritt dazu ist nun einer internationalen Forschergruppe gelungen. In der Fachzeitschrift "Climatic Change" präsentieren sie vier neue Klimaszenarien mit hoher Auflösung, die erstmals auch klimapolitische Maßnahmen berücksichtigen und Erweiterungen bis ins Jahr 2300 liefern.

"Das Ziel ist, eine Grundlage für Klimamodelle des fünften IPCC-Berichts 2014 zu liefern", erklärt Keywan Riahi vom International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), einer der fünf Studienleiter, im pressetext-Interview.

Trägheit erfordert Weitblick

Der größere Zeithorizont - bisher bildete das Jahr 2100 die Obergrenze - ist aus zwei Gründen entscheidend, betont Riahi. "Einerseits muss man der Trägheit des Systems gerecht werden. Der mögliche Anstieg des Meeresspiegels etwa erfolgt in vollem Umfang erst mit großer Zeitdifferenz zum Temperaturanstieg. Andererseits ist auch die Frage wichtig, wie irreversibel Trends sind. Es ist entscheidend zu wissen, wie etwa das langfristige Klima auf eine nachträgliche Senkung der CO2-Konzentration von 700 auf 550 parts per million (ppm) reagieren würde."

Enorme Bandbreite für 2300

Die ersten Langzeit-Szenarien zeigen, wie groß der Spielraum durch Klimamaßnahmen, jedoch auch die Unsicherheit der heutigen Forschung noch sind: Die günstigste Prognose sieht im Jahr 2300 eine CO2-Konzentration von 360 ppm, was sogar unter dem heutigen Wert von 390 ppm liegt. "Um das zu erreichen, würde die Temperatur zunächst um zwei Grad steigen, dann wieder um ein Grad sinken", so Riahi. Als bemerkenswert sieht der Forscher, dass trotz massiver CO2-Emissionsreduktion langfristig ein Ein-Grad-Anstieg im Vergleich zur vorindustriellen Phase unausweichlich scheint.

Große Abweichungen davon zeigt das ungünstigste der vier Szenarien für 2300, das mit einer Erhöhung des CO2-Gehalts auf 2.000 ppm rechnet. Gegenüber der heutigen Situation wäre das mehr als eine eine Verfünffachung der CO2-Konzentration und hätte einen mittleren Temperaturanstieg um etwa acht Grad zur Folge. Mit welcher Politik jedes der beiden Extremszenarien verbunden ist, geht aus der Forschung nicht hervor. Zudem ist jedes der 2300er-Szenarien stilisiert und liefert noch keine lokalen Auflösungen.

Bodennutzung hat massive Folgen

Diese Details liefert die Publikation, für die die gesamte bisherige Studienlage durchforstet wurde, hingegen für die 2100er-Szenarien: Etwa die hohe räumliche Auflösung, deren Detailliertheit bis auf Flächen von 50 mal 50 Kilometern reicht. Erstmals berücksichtigen die Forscher zudem neben Treibhausgasen und Luftverschmutzung auch die Landnutzung als wesentlichen Klimafaktor.

"Die Biosphäre ist einer der wichtigsten Kohlenstoffsenken des Planeten. Änderungen der Beschaffenheit der Erdoberfläche haben daher große Auswirkungen auf das Klima. Zusätzlich ins Gewicht fällt hier vor allem der Albido-Effekt, der bei Schnee- und Eisschmelze, jedoch auch bei großflächig für die intensive Landwirtschaft umgewidmeten Flächen oder bei Entwaldung auftritt", erklärt Riahi.

Originalartikel unter http://www.springerlink.com/content/f296645337804p75/

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.iiasa.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unter hohem Druck elastisch: Bayreuther Forscher erschließen Zusammensetzung des Erdmantels
30.03.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE