Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erforschung von Meeresströmungen mit Uran-236 aus den 1960er Jahren

17.12.2012
Infolge der Kernwaffentests der 1960er Jahre wurden große Mengen von Uran-236 weltweit freigesetzt.

Stephan Winkler, Isotopenforscher am VERA-Labor der Universität Wien, konnte nun erstmals dieses radioaktive Isotop – das bisweilen als nicht messbar galt – in Korallen aus der Karibischen See nachweisen.


Isotopenforscher Stephan Winkler mit einer Probe für die Analyse von Uran-236. Im Hintergrund der "Vienna Environmental Research Accelerator" (VERA).

(Copyright: Universität Wien)


Jessica Carilli, Mitautorin der Studie, bei der Entnahme von Proben in der Karibischen See.

(Copyright: Brad Erisman 2006)

Da sich Uran-236 in Salzwasser löst, wandert es mit den Meeresströmungen mit und wird dadurch zu einem interessanten "Werkzeug" für die Klima- und Meeresforschung. Winkler publiziert dazu aktuell in der Fachzeitschrift "Earth and Planetary Science Letters" (EPSL).

Durch die atmosphärischen Kernwaffentests der 1950er und 1960er Jahre wurden viele künstliche radioaktive Isotope produziert und weltweit verbreitet. Davon ist Uran-236 eines der häufigsten, sein Nachweis ist jedoch so schwierig, dass es bis vor kurzem nicht gemessen werden konnte. Mit Hilfe des für den Nachweis schwerer Ionen speziell optimierten Vienna Environmental Research Accelerators (VERA) der Universität Wien konnte jetzt der "Bomben-Puls" von Uran-236 erstmals in Korallen aus der Karibischen See nachgewiesen werden.

Korallen mit Jahresringen

Ähnlich wie Bäume Ringe bilden, zeigen manche Korallenarten Jahresringe in ihrem Kalkskelett. Darin wird mit jährlicher Auflösung die Zusammensetzung des Urans im Ozean "aufgezeichnet". Die Analyse der Korallen ermöglicht also nicht nur die Messung des heutigen Uran-236-Gehalts, sondern macht es auch möglich, die Chronologie der einzelnen Kernwaffentests rückblickend zu rekonstruieren.

Erforschung der Meeresströmungen mit Uran-236

"Im Vergleich mit anderer, vom Menschen verursachter Kontamination ist Uran-236 nur sehr schwach radioaktiv und spielt daher für die Strahlenbelastung keine Rolle. Uran ist im Salzwasser gut löslich und wandert mit den Meeresströmungen mit. Das macht Uran-236 zu einem idealen 'Werkzeug' für die Meeresforschung", erklärt Stephan Winkler, Erstautor der Studie und Isotopenforscher am VERA-Labor der Universität Wien. Die Kenntnis der Meeresströmungen ist für die Klimaforschung von großer Bedeutung, da die Ozeane Wärme speichern und über weite Strecken transportieren.
Die größten atmosphärischen Tests fanden 1962 statt. Das in der Atmosphäre erzeugte Uran-236 fiel innerhalb von zwei Jahren fast vollständig aus. Das generelle Muster der globalen Verteilung ist von anderen Radioisotopen bekannt. Der "Fall-out" – so wird der Niederschlag der Radioisotope aus den Kernwaffentests bezeichnet – ist recht ungleich auf beiden Hemisphären verteilt: Auf die nördliche Hemisphäre fiel etwa vier Mal so viel Uran-236 als auf die südliche – ein Effekt, der die Untersuchung des Wasseraustausches zwischen den Hemisphären stark begünstigt.

Der für die Studie gewählte Bohrkern stammt vom Turneffe Atoll der Karibischen See. Dieser Ort ist zwar auf der nördlichen Hemisphäre, Meeresströmungen tragen aber Wassermassen aus dem Südatlantik zu. Dieser Effekt ist in den Messergebnissen zu sehen. Tatsächlich nahm die Uran-236-Konzentration in der Karibischen See in den ersten zehn Jahren nach den Kernwaffentests schneller ab, als das durch Diffusion – also das Vermischen von Wasser und Uran-236 – in der Tiefe möglich wäre. Der Effekt lässt sich durch das Einströmen von Wassermassen aus der Südhalbkugel erklären.

Publikation in Earth and Planetary Science Letters" (EPSL):
Bomb fall-out 236U as a global oceanic tracer using an annually resolved coral core: Stephan R. Winkler, Peter Steier, Jessica Carilli. 15. Dezember 2012.

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Stephan R. Winkler
Isotopenforschung (VERA-Labor)
Universität Wien
1090 Wien, Währinger Straße 17
T +43-1-4277-517 58
stephan.winkler@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag.a Veronika Schallhart
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0012821X12005638

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen
22.08.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen