Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg in „Europäischer Exzellenzinitiative“

07.09.2010
Exzellenzinitiative der besonderen Art durchgesetzt: Die Geochemikerin der Universität Bonn hatte sich im vergangenen Jahr um einen so genannten Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) beworben.

Jetzt kam per Mail der positive Bescheid aus Brüssel: 1,3 Millionen Euro fließen in den kommenden fünf Jahren an die 35-Jährige und ihre Arbeitsgruppe. Ambre Luguet will das Geld verwenden, um mehr über die früheste Kindheit der Erde zu erfahren. Wissenschaftler sprechen auch vom „dunklen Zeitalter“ unseres Heimatplaneten.

Vor knapp 4,6 Milliarden Jahren verklumpten irgendwo im Orion-Arm der Milchstraße Gas und Staub zu einem Himmelskörper, der viel später den Namen Erde bekommen sollte. In den ersten 800 Millionen Jahren seiner Existenz war die Oberfläche des jungen Planeten noch so heiß, dass sie zumindest teilweise geschmolzen war. Nicht ganz zu Unrecht heißt diese Zeitspanne in der Fachsprache Hadaikum – abgeleitet vom Wort Hades, der griechischen Bezeichnung für die Unterwelt. Die Forscher sprechen auch vom dunklen Zeitalter unseres Heimatplaneten.

Irgendwann hatte sich die Erdkruste so weit abgekühlt, dass sich die ersten Kontinente bilden konnten. „Über das Wann und Wie wissen wir bislang aber nur wenig“, sagt Dr. Ambre Luguet. Die gebürtige Französin möchte daran etwas ändern. Als Untersuchungsobjekt dienen ihr uralte Steine aus dem Erdmantel – das ist die knapp 3.000 Kilometer dicke Schicht zwischen der Erdkruste, auf der wir stehen, und dem metallischen Erdkern.

Gesucht: die ältesten Minerale der Welt

Trotz seiner hohen Temperatur ist das Mantelmaterial so zäh wie Knetmasse, da es unter starkem Druck steht. Wo dieser Druck nachlässt, kann es jedoch teilweise aufschmelzen und an die Oberfläche treten. Das ist beispielsweise dort der Fall, wo Kontinentalplatten auseinander driften. Auch bei Vulkanausbrüchen kann Mantelmaterial an die Erdoberfläche gelangen.

Ambre Luguet fahndet in Mantelgestein aus verschiedensten Regionen rund um den Globus nach mikroskopisch kleinen Metallkörnchen. „Wir suchen nach bestimmten Osmiumlegierungen und Sulfiden“, sagt sie, „den ältesten Mineralen, die sich bis heute erhalten haben: Sie sind bis zu 4,2 Milliarden Jahre alt; ihre Entstehungszeit reicht also weit zurück in die dunkle Kindheit unserer Erde.“

Nicht nur das: Die kleinen Körnchen verraten auch, wann sie entstanden sind. So entsteht Osmium beim radioaktiven Zerfall bestimmter Platin- und Rhenium-Isotopen. Aus dem Verhältnis dieser drei Elemente lässt sich daher errechnen, wann das Mantelgestein zum letzten Mal geschmolzen war. Und daraus lassen sich seinerseits neue Erkenntnisse zur Entstehung der Kontinente ableiten.

3.000 Anträge aus ganz Europa

Die ERC-Ausschreibung richtet sich an europaweit herausragende Nachwuchsforscher – unabhängig von ihrem jeweiligen Arbeitsgebiet. Einziges Förderkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz des Antragsstellers und seines Projekts. Die Promotion der Bewerber darf zudem nicht länger als 10 Jahre zurück liegen. In diesem Jahr gingen knapp 3.000 Anträge aus ganz Europa ein. Gut 300 Millionen Euro lässt sich die EU das Programm Jahr für Jahr kosten.

Dr. Ambre Luguet ist seit zweieinhalb Jahren in Bonn, nach Stationen in Großbritannien, Kanada, den USA und Paris. Aus ihren Projektmitteln wird sie nun eine Arbeitsgruppe mit vier Mitarbeitern aufbauen – eine ganz neue Herausforderung für die Wissenschaftlerin, die der Erde ein weiteres Geheimnis entreißen möchte.

Kontakt:
Dr. Ambre Luguet
Steinmann-Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-6816
E-Mail: ambre.luguet@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Erdkruste Himmelskörper Mantelgestein Mantelmaterial

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik