Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erde könnte für Menschen zu heiß werden

06.05.2010
Ohne CO2-Reduktion droht im 22. Jahrhundert Hitzestress

Stößt der Mensch weiterhin so viele Treibhausgase aus wie derzeit, können künftig weite Teile des Planeten wegen Hitzestress nicht mehr bewohnt werden.

Diese düstere Vision liefern Forscher der Purdue University in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". "Obwohl solche Bedingungen kaum noch in diesem Jahrhundert eintreten werden, könnte das im nächsten der Fall sein", so Studienleiter Matthew Huber.

Tödliche feuchte Hitze

Die Wissenschaftler untersuchten den "worst case" der derzeitigen Klimamodelle. Dieser geht vom langfristigen CO2-Ausstoß auf dem Niveau von 2007 aus und rechnet im 22. Jahrhundert mit einer Klimaerwärmung von sieben bis zwölf Grad. In vielen Erdteilen - wie Nordwestafrika, zentrales Südamerika, Australien, Indien, Ostchina und auch die östliche USA - würde die Feuchttemperatur unerträglich werden, und zwar "erstmals in der Geschichte der Menschheit", so die Forscher.

Der Ausdruck "Feuchttemperatur" verbindet Temperatur und Luftfeuchte. "Es ist die Temperatur eines nassen Gegenstandes, auf den man einen Ventilator richtet", erklärt der Wiener Meteorologe Herbert Formayer http://www.wau.boku.ac.at/met.html gegenüber pressetext. Mehr als 35 Grad Feuchttemperatur, was einer Dampfkammer entspricht, ist für Menschen auf Dauer tödlich. "Der Körper hat dann keine Möglichkeit mehr, durch Schwitzen über Verdunstung Hitze abzugeben, und überhitzt sich massiv", so Formayer.

Keine Anpassung mehr möglich

Extreme Hitze gibt es schon heute in vielen Regionen, hohe Feuchttemperatur ist aber selten, da heiße Gebiete meist trocken sind. "Das kommt etwa tagsüber in den Subtropen bei Regenzeit vor, etwa in Indien und Pakistan", so der Wiener Meteorologe. Ein weiteres Beispiel sind die Küsten der arabischen Halbinsel. Heißer Wüstenwind trifft hier auf feuchte Meeresluft und erzeugt kaum erträgliche Stickigkeit.

Würde ein Temperaturanstieg um sieben Grad nur manche Gebiete in Sachen Feuchttemperatur gefährden, wäre laut den US-Forschern bei zwölf Grad die halbe Weltbevölkerung von Hitzestress betroffen, könnten kaum mehr ins Freie gehen und bräuchten hohe Klimatisierung mit entsprechendem Strombedarf. Die Wahrscheinlichkeit dieses schlimmsten Falles haben die Forscher nicht berechnet, möglich sei er jedoch aufgrund heutiger Modelle durchaus.

Umdenken erst bei Katastrophen

"Es gibt für die Zukunft in 50, 100 und 200 Jahren zahlreiche Modelle, die jedoch nur Storylines bilden und kaum Aussagen zur Wahrscheinlichkeit zulassen", so Formayer. Das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen lasse vermuten, dass der CO2-Ausstoß kurzfristig weitergehen werde wie bisher. Katastrophen könnten dennoch einen schnellen Meinungsschwenk bewirken. "Das zeigt etwa die Reaktion auf die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Die jüngsten Ölbohr-Pläne der USA sind mit einem Schlag zusammengebrochen", schätzt der Wissenschaftler.

Abstract zur Originalstudie unter http://www.pnas.org/content/early/2010/04/26/0913352107.abstract

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.purdue.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas
20.04.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Von GeoFlow zu AtmoFlow
20.04.2018 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics