Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiszeitliche Meerestemperatur als Hinweis für zukünftiges Klima

20.01.2009
Rekonstruktion erlaubt Überprüfung von Klimamodellen

Forscher der internationalen MARGO-Projektgruppe (Multiproxy Approach for the Reconstruction of the Glacial Ocean surface) haben in der aktuellen Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature Geoscience einen neuen Ansatz präsentiert, wie sich die Meeresoberflächentemperaturen während der letzten Eiszeit rekonstruieren lassen.

Mit solchen Rekonstruktionen lässt sich die Genauigkeit von Klimamodellen überprüfen, die auch zur Simulation des zukünftigen Klimas verwendet werden, berichten die Wissenschaftler.

Demnach zeigen die MARGO-Rekonstruktion und die Ergebnisse der Klimamodelle in der globalen Absenkung der eiszeitlichen Meeresoberflächentemperaturen eine gute Übereinstimmung. Für die Forscher bedeutet dies, dass Klimatologen die Empfindlichkeit des globalen Wärmehaushalts gegenüber Änderungen der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre mittlerweile gut beschreiben können.

Die wissenschaftliche Forschung baut auf Erkenntnissen aus den CLIMAP-Projekten der 1970er und 1980er Jahre auf. "Wenn man CLIMAP mit der Erfindung des Autos vergleichen kann, dann hat es MARGO nun mit einem zeitgemäßen und leistungsfähigen Motor ausgestattet", beschreibt Studienautor Michal Kucera vom Institut für Geowissenschaften der Universität Tübingen die Leistung des MARGO-Wissenschaftlerstabs. Die auf insgesamt 696 einzelne Temperaturrekonstruktionen gestützte Karte der Hocheiszeit - vor rund 21.000 Jahren - zeigt eine Reihe von interessanten Ergebnissen.

Die stärkste Abkühlung, die sich bis hinein ins westliche Mittelmeer fortsetzte, wurde im nördlichen Nordostatlantik festgestellt. Die beste Übereinstimmung zeigen die tropischen Rekonstruktionen, die im Unterschied zu früheren Daten auf ausgeprägte Unterschiede zwischen Atlantik, Indischen Ozean und Pazifik schließen lassen. Insgesamt beträgt die Bandbreite der Klimaempfindlichkeit auf Grundlage der neuen MARGO-Synthese zwischen einem und 3,6 Grad Celsius.

Die MARGO-Klimarekonstruktion wird bereits von so genannten Klimamodellierern genutzt, um sie mit ihren Modellsimulationen eingehend zu vergleichen. Der nächste Schritt müsse nun die Klärung der teilweise sehr auffälligen regionalen Unterschiede zwischen der Klimarekonstruktion und den Modellsimulationen sein, meinen die beteiligten Forscher. MARGO biete die große Chance, die komplexen Computermodelle zu testen und zu verbessern. Damit hat die Synthese auch Bedeutung bei der Vorhersage des Klimawandels des 21. Jahrhunderts. Fast sieben Jahre hat es bis zum Erfolg des Projektes gedauert. In akribischer Kleinarbeit ist der umfangreiche Datensatz einer rigorosen Qualitätskontrolle unterzogen worden.

An der Forschungsarbeit waren neben Michal Kucera auch Andre Paul vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften in Bremen, Mara Weinelt vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie zahlreiche internationale Forscher beteiligt.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de
http://www.marum.de
http://www.uni-kiel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie