Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eisbrücke bricht

03.04.2009
Antarktis: Wilkins-Schelfeis verliert stabilisierende Verbindung

Das Eis bricht: Ein ehemals 15 Kilometer breiter Steg des antarktischen Wilkins-Schelfeises, der die beiden Inseln Charcot und Latady verband und stabilisierend auf das Schelfeis wirkte, befindet sich seit Donnerstag (2. April 2009) im Aufbruch.

Die Eisbrücke war bereits nach dem letzten spektakulären Aufbruch-Ereignis im Sommer 2008 an ihrer schmalsten Stelle auf 900 Meter Breite geschrumpft. Forscher der Universitäten Münster und Bonn rechnen mit der vollständigen Zerstörung des Stegs und einem weiteren Eisverlust des Wilkins-Schelfeises in der aktuellen Aufbruchphase.

Dr. Angelika Humbert vom Institut für Geophysik der Universität Münster und ihr Kollege Dr. Matthias Braun von der Universität Bonn verfolgen die Entwicklung des Wilkins-Schelfeises anhand von Satellitenaufnahmen seit Jahren, darunter drei Aufbruchphasen im Jahr 2008. Das Forscherteam hat herausgefunden, dass sich durch vergangene Aufbruchereignisse Schädigungszonen entwickelt haben.

„In den letzten Monaten konnten wir durch hoch aufgelöste Aufnahmen des deutschen TerraSAR-X-Satelliten beobachten, dass der Steg sich verbog. Ein Beitrag dazu war das sogenannte Fließen des Eises, also die Verformung des Eises unter seinem eigenen Gewicht. Die Form der Eisbrücke und die angrenzende Eismelange bot zudem eine ideale Angriffsfläche für Sturm. Beides führt nun letztendlich zum Zerbrechen des Stegs", erklärt Humbert.

Wie sieht die Zukunft aus? „Wir erwarten in der derzeitigen Phase des Aufbruchs einen Eisverlust von etwa 800 Quadratkilometern. Da sich jedoch bereits Risse weiter südlich als zunächst angenommen gebildet haben, müssen wir damit rechnen, dass sich der Schwund im schlimmsten Fall auf 3700 Quadratkilometer erhöhen kann", sagt Humbert voraus. Das Zerbrechen des Stegs bedeutet für das Schelfeis den Verlust einer stabilisierenden Verbindung. Humbert erklärt: „Ein Schelfeis ähnelt einer eingespannten Membran. Wird eine Verbindung der Membran gelöst, muss sich eine neue Gleichgewichtslage bilden. Dies geschieht auch beim Schelfeis und ist mit Massenverlust verbunden."

Die nach dem derzeitigen Aufbruch verbleibende Eisfläche, mindestens 8000 Quadratkilometer, ist jedoch momentan frei von sichtbaren Schädigungszonen, so die Wissenschaftler. Humbert erklärt: „Wir haben derzeit keinen Hinweis darauf, dass es zu einem kompletten Zusammenbruch des Wilkins-Schelfeises kommen wird."

Christina Heimken | Universität Münster
Weitere Informationen:
http://earth.uni-muenster.de/polarhomepage/info.shtml
http://www.esa.int/esaEO/SEMD07EH1TF_index_0.html
http://www.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde
23.01.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie