Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine tiefe Schlucht durch nur drei Sturzfluten

11.02.2015

Die imposante, 28 Kilometer lange und bis zu 100 Meter tiefe Jökulsárgljúfur-Schlucht in Island wurde durch nur drei einzelne, katastrophale Flutereignisse in den letzten 10.000 Jahren geschaffen.

Zwischen den drei Ereignissen vor 9000, 5000 und 2000 Jahren hingegen wurde nur wenig Gestein in diesem Canyon abgetragen. Wissenschaftler der Universität Edinburgh und des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ stellten dies mithilfe von kosmogenen Nukliden fest.


Edelgaslabor des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ. Links die Gasreinigungsanlage, in der chemisch aktive Gase aus dem Probengas entfernt werden. Mitte: Adsorptionskryostat, in dem die verschiedenen Edelgase voneinander getrennt werden; rechts das Massenspektrometer VG5400, das zur Bestimmung der Konzentration und Isotopenzusammensetzung der verschiedenen Edelgase dient. (Foto: S. Niedermann, GFZ)

Die Geoforscher untersuchten dazu Basaltproben von drei verschiedenen Terrassenebenen über dem in den Canyon eingeschnittenen Fluss Jökulsá á Fjöllum auf ihren Gehalt am kosmogenen Heliumisotop 3He. Die Bestimmung der kosmogenen 3He-Konzentration, auf der die Datierung der Flutereignisse basiert, fand im Edelgaslabor des GeoForschungs¬Zentrums statt.

„Dieses Edelgasisotop 3He wird durch die Einwirkung der kosmischen Strahlung auf Gesteine der Erdoberfläche produziert,“ erläutert GFZ-Geochemiker Dr. Samuel Niedermann. „Die 3He-Konzentration in einem Gesteinsstück dient daher als Maß dafür, seit wann sich diese Gesteine direkt auf der Oberfläche befanden.“

Die Proben aus dem Jökulsárgljúfur-Canyon reihten sich alle in drei Altersgruppen von ca. 9000, 5000 und 2000 Jahren ein. Offenbar wurden die beprobten Oberflächen also während dieser drei zeitlich eng begrenzten Perioden freigelegt, während in den Zwischenzeiten und auch in den letzten 2000 Jahren keine wesentlichen Veränderungen geschahen.

Die Abtragung von vielen Metern bis mehreren Zehner Metern Basaltgestein in sehr kurzer Zeit ist nur durch katastrophale Flutereignisse möglich, die im vulkanisch aktiven Gebiet Islands vermutlich durch Vulkanausbrüche und das damit zusammenhängende plötzliche Auftauen von riesigen Mengen Gletschereis verursacht worden sind.

Edwin R. C. Baynes, Mikaël Attal, Samuel Niedermann, Linda A. Kirstein, Andrew J. Dugmore, and Mark Naylor: “Erosion during extreme flood events dominates Holocene canyon evolution in northeast Iceland”, PNAS Early Online Edition, 09.02.2015, doi: 10.1073/pnas.1415443112, Proceedings of the National Academy of Science PNAS

Franz Ossing | GFZ Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Drohnen im Einsatz für die Korallenriffforschung
10.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie