Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einarmig in die Tiefsee

16.07.2015

Jetzt erhielt das Bremer Zentrum für Marine Umweltwissen-schaften den neuen Tauchroboter MARUM-SQUID. Das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug kann bis zu 2.000 Meter tief tauchen und soll zukünftig u.a. Kaltwasser-Korallensysteme, Gasaustritte am Meeresboden sowie schwarze und weiße Raucher, also die sog. Hydrothermalquellen in der Tiefsee erkunden. Dazu ist es u.a. mit einer Foto- sowie einer hoch auflösenden HD-Videokamera ausgestattet. Ein hydraulisch angetriebener, aus Edelstahl gefertigter Multifunktionsgreifarm kann bis zu 68 Kilogramm schwere Proben am Meeresboden einsammeln. – MARUM-SQUID ergänzt die institutseigene Flotte der autonom operierenden und ferngesteuerten Tauchfahrzeuge.

Hochbetrieb auf dem MARUM-Betriebshof! Vom Fähranleger in Rotterdam kommend liefert ein LKW den von einer britischen Firma gefertigten neuen Tauchroboter MARUM-SQUID an.


Der Tauchroboter MARUM-SQUID

V. Diekamp, MARUM

Routiniert manövriert MARUM-Mitarbeiter Steffen Klar den Schwerlast-Gabelstapler Richtung LKW und hebt zunächst eine mehr als 1.045 Kilogramm schwere Holzkiste von der Ladefläche. Sie enthält Kabel, Kamerasysteme und weiteres Zubehör. Das knapp 1.200 Kilogramm schwere Tauchfahrzeug selbst verbirgt sich in einer zweiten Kiste.

Während Projektleiter Dr. Nicolas Nowald mit Hilfe einiger Kollegen beginnt, die vielfach verschraubten Kisten zu öffnen, lädt Steffen Klar ein knallrotes Stahlgestell ab: der Rahmen für die Winde. 2.400 Meter Kabel sind dort aufgespult. Es enthält Kupferleitungen, die das Tauchfahrzeug mit Energie versorgen. Zudem Glasfaserleitungen, mit denen während der Tauchgänge Livevideos aus bis zu 2.000 Meter Meerestiefe an Bord des Forschungsschiffs übertragen werden.

Kaum eine halbe Stunde nach dem Abladen steht das Gerät ausgepackt auf dem Betriebshof: Kompakte 2,1 Meter lang, 1,17 Meter hoch und 1,16 Meter breit. Projektleiter Nowald untersucht es zunächst auf etwaige Transportschäden. Bei einem Investitionsvolumen von gut 1,2 Millionen Euro, das je zur Hälfte vom Bund bzw. dem Land Bremen finanziert wurden, muss er natürlich sicher gehen, dass unterwegs nichts passiert ist.

„Das Gerät macht einen hervorragenden Eindruck“, sagt der Meerestechniker: „In den kommenden Wochen erledigen wir Restarbeiten. Zum Beispiel bekommt das Gerät noch ein Schubladenfach, in dem Messinstrumente oder Proben zwischen Meeresboden und Schiff transportiert werden. Abschließend werden wir das Tauchfahrzeug in unserem Tauchbecken auf Herz und Nieren testen“.

Das Chassis des MARUM-SQUID ist aus Edelstahl und Polypropylen gefertigt. Es bietet einen guten Kompromiss zwischen Gewicht und Stabilität. An seiner Frontseite sorgen fünf leistungsstarke Scheinwerfer für hinreichend gute Sicht in der dunklen Tiefsee. Sie sind besonders Energie sparend ausgelegt.

Besonders angetan sind die MARUM-Techniker von den insgesamt elf Propellern; drei an der Oberseite, und jeweils vier an Backbord und Steuerbord. „Kein Tauchroboter dieser Größe ist so kompakt und leistungsstark und dabei so mobil wie SQUID“, sagt Nicolas Nowald.

„Das Gerät erreicht eine maximale Geschwindigkeit von 3,5 Knoten, also gut sechs Stundenkilometer. Damit können wir SQUID z.B. in untermeerischen Canyons einsetzen, wo wir einerseits erhöhte Strömungsgeschwindigkeiten registrieren, andererseits aber daran interessiert sind, die dort wachsenden Kaltwasser-Korallen zu erforschen“, sagt Nicolas Nowald.

Dass das neue Tauchgerät die Tiefseeforschungen des MARUM beflügeln wird, gilt für den Direktor des Bremer Exzellenzcluster als ausgemacht: „Durch die hohe Antriebsleistung des MARUM-SQUID können wir nun auch in Gebieten forschen, die für uns bisher nur schwer zugängliche waren“, sagt Michael Schulz.

Im Übrigen kann der neue Tauchroboter aufgrund seiner überschaubaren Größe bzw. seines Gewichts auch auf kleineren Forschungsschiffen eingesetzt werden. „Deswegen ist das Gerät eine sehr gute Ergänzung zu unserem Arbeitspferd, dem großen Tauchroboter MARUM-QUEST, der in Tiefen von bis zu 4.000 Meter eingesetzt wird“, sagt der MARUM-Direktor.

MARUM-SQUID ist bereits jetzt fester Bestandteil der Expeditionsplanungen. Im Spätherbst wird er nach Walvis Bay, dem wichtigsten Seehafen Namibias, verschifft. An Bord des deutschen Forschungsschiffs METEOR wollen MARUM-Wissenschaftler_innen im Januar 2016 Kaltwasserkorallen vor der Südwestküste des afrikanischen Kontinents untersuchen.

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:
Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0421 218 65540
Email: agerdes@marum.de

Albert Gerdes | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie