Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drohnenflug rettet Rehkitze und ergänzt Satellitenbilder

21.05.2015

Geographen der Universität Jena testen System zur Biosphären-Erkundung per Satellit

Im Mai, wenn die Wiesen saftig sind und die Kräuter in voller Blüte stehen, bringen die Rehe ihre Jungen zur Welt. Während die Ricke nach Nahrung sucht, verharren die Kitze im hohen Gras, um Raubtiere nicht auf sich aufmerksam zu machen. Ein Verhalten, das manchen Kitzen zum Verhängnis wird, sobald Wiesen und Felder maschinell gemäht werden.


Dr. Christian Thiel von der Uni Jena mit dem Oktokopter. Aus den bei der Befliegung aufgenommenen Fotos kann u. a. die Pflanzenhöhe flächenhaft abgeleitet werden.

Foto: Sina Truckenbrodt/FSU

Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Fernerkundung der Universität Jena haben jetzt die Setzplätze von Rehkitzen per Drohnenflug erkundet und den Landwirten der Geratal Agrar GmbH und Co. KG Andisleben mitgeteilt.

Dr. Christian Thiel überflog mit einem Oktokopter – einer Drohne mit acht Propellern – einen Luzerneschlag von etwa 200 mal 700 Meter Größe, wobei das Areal fotografiert wurde.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Sina Truckenbrodt wertete die Daten aus und machte dabei mutmaßlich acht Rehkitze aus. „Die Tiere im dichten Grün exakt zu lokalisieren fällt schwer“, sagt Truckenbrodt. Dennoch sei die Zuarbeit von den Landwirten begrüßt worden.

Die Suche nach den Rehkitzen ist lediglich ein Nebeneffekt der gegenwärtigen Forschungsarbeit. Unter Leitung von Prof. Dr. Christiane Schmullius arbeitet Truckenbrodt am Projekt EO-LDAS, bei dem die Vegetation auf der Erdoberfläche von Satelliten aus unter die Lupe genommen wird. EO-LDAS steht für „Earth Observation – Land Data Assimilation System“ – ein neuartiges Verfahren, mit dem bis zu elf Parameter der Vegetation und des Bodens aus Satellitenbildern abgeleitet werden können.

Die Voraussetzung dafür liefert ein mathematisches Modell, das eine Forschergruppe um Prof. Dr. Philip Lewis vom University College London in Kooperation mit Prof. Schmullius 2012 entwickelt hat.

„Wir können mit EO-LDAS aus den Satellitenaufnahmen beispielsweise die Wuchshöhe der Pflanzen, den Chlorophyllgehalt der Blätter und die Bodenfeuchtigkeit ableiten“, sagt Sina Truckenbrodt. Ausgewertet würden dazu die Farbspektren der Satellitenbilder. Die Farbe des Bodens etwa lasse Rückschlüsse auf dessen Feuchtegehalt zu.

Bei dem mathematischen Modell handelt es sich um einen Prototypen. Deshalb werden Vergleichsdaten im Gelände gesammelt, um das System auf seine Praxistauglichkeit zu testen. Diesem Test dienen auch die Drohnenflüge, mit denen die Forscher aus geringer Höhe Referenzdaten sammeln, die mit aus Satellitenaufnahmen abgeleiteten Daten verglichen werden. Ziel ist es, die Potenziale des Systems auszuloten und seine Schwachstellen aufzudecken.

Die Oktokopter-Drohne stammt aus dem Projekt TerraSensE, an dem der Jenaer Lehrstuhl für Fernerkundung beteiligt ist. In diesem Teilprojekt von „Terrestrische Sensorik für hochaufgelöste Analytik von Erdoberflächenprozessen“ (TerraSensE) geht es ebenfalls um die Erhebung und Auswertung von Daten, mit denen die Biosphäre untersucht wird.

Auf Satellitenbildern entspricht ein Pixel beispielsweise einer Fläche von 6,5 mal 6,5 Metern auf der Erde. Bei manchen Satelliten ist die Fläche noch größer, etwa 30 mal 30 Meter. Für die exakte Auswertung und den Vergleich mit den Daten aus dem Drohnenflug werden die Felder mit Markierungen versehen. Die Wissenschaftler von der Universität Jena sind deshalb auf die Hilfe und das Wohlwollen der Landwirte angewiesen. Die Hinweise auf die Rehkitz-Setzplätze sind daher auch als kleines Dankeschön für die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten zu verstehen – und dies sicher auch zur Freude der Rehe und ihres Nachwuchses.

Kontakt:
Sina Truckenbrodt
Institut für Geographie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Grietgasse 6, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948888
E-Mail: sina.truckenbrodt[at]uni-jena.de

Weitere Informationen:

http://www.uni-jena.de

Stephan Laudien | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie