Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dinosaurier und ihre engsten Verwandten entstanden früher als gedacht

05.03.2010
Die Dinosaurier und ihre engen Verwandten, darunter die Flugsaurier (Pterosaurier), sind wahrscheinlich viel früher entstanden, als bisher gedacht.

Hinweise darauf gibt ein neu entdecktes, dinosaurierähnliches Tier, das 10 Millionen Jahre vor den ältesten bekannten Dinosauriern gelebt hat. Untersucht wurde es von einem paläontologischen Team, zu dem auch Linda A. Tsuji vom Museum für Naturkunde Berlin gehört. Die Beschreibung dieser neuen Art, Asilisaurus kongwe, wurde in der Ausgabe vom 4. März 2010 der Zeitschrift Nature veröffentlicht. Hauptautor ist Sterling Nesbitt von der University of Texas in Austin.

Die Untersuchungen von Asilisaurus kongwe liefert auch starke Hinweise dafür, dass sich Fleisch fressende Tiere mindestens drei Mal in der Evolution der Dinosaurier und ihrer engsten Verwandten zu Tieren entwickelt haben, die sich zusätzlich auch von Pflanzen ernährten. Dies geschah in einem Zeitraum von weniger als 10 Millionen Jahren, eine in geologischen Maßstäben relativ kurze Zeit.

Alisisaurus gehört zu einer Schwestergruppe der Dinosaurier, den Silesauriern. Diese werden als dinosaurierähnlich angesehen, weil sie zwar viele Dinosaurier-Charakteristika besitzen, ihnen andererseits aber auch viele Schlüsselmerkmale fehlen, die allen Dinosauriern gemeinsam sind. Die Verwandtschaft zwischen Silesauriern und Dinosauriern entspricht der Verwandtschaft zwischen Mensch und Schimpanse. Die ältesten bisher entdeckten Dinosaurier sind nur 230 Millionen Jahre alt. Dass ihre engsten Verwandten bereits 10 Millionen Jahre früher vorkommen, lässt nun darauf schließen, dass Dinosaurier und Silesaurier sich bereits vor 240 Millionen Jahren von ihrem gemeinsamen Vorfahren fortentwickelt hatten. Silesaurier und frühe Dinosaurier lebten Seite an Seite während eines Großteils der Trias (vor ca. 250 bis ca. 200 Millionen Jahren).

Asilisaurus kongwe ist das älteste Fossil eines dinosaurierähnlichen Tieres aus der Trias, das je in Afrika gefunden wurde. Fossile Knochen von mindestens 14 Individuen wurden an einer einzigen Fundstelle in Süd-Tansania ausgegraben, wodurch es möglich war, ein bis auf Teile des Schädels und der Hand vollständiges Skelett zu rekonstruieren. Die Exemplare waren an den Hüften ca. 0,5 bis 1 m hoch, 1 bis 3 m lang und wogen 10 bis 30 kg. Asilisaurus lebte vor ca. 240 Millionen Jahren, lief auf vier Beinen und ernährte sich von Pflanzen oder von einer Kombination aus Pflanzen und Fleisch.

Die Silesaurier haben dreieckige Zähne und einen Unterkiefer mit einer schnabelähnlichen Spitze, was darauf hindeutet, dass sie Pflanzen- oder Allesfresser waren. Dieselben Merkmale entwickelten sich unabhängig voneinander in mindestens zwei Dinosaurier-Linien und bei allen dreien handelte es sich um Tiere, die ursprünglich Fleischfresser waren. Auch wenn das schwierig nachzuweisen ist, so ist es doch sehr gut möglich, dass diese Veränderung einen Evolutionsvorteil mit sich brachte. In einem Ökosystem können viel mehr Pflanzenfresser als Fleischfresser Nahrung finden. Dadurch kann sich für Pflanzenfresser ein größeres Spektrum an Lebensräumen eröffnen als für Fleischfresser.

Asilisaurus kongwe ist in einer gemeinsamen Fundstätte zusammen mit einigen primitiven Krokodil- Verwandten gefunden worden. Die gemeinsame Anwesenheit dieser Tiere zur selben Zeit am selben Ort legt nahe, dass die Auseinanderentwicklung von Krokodilverwandten und Vögeln schneller und früher geschah als bisher angenommen. Sie wirft neues Licht auf eine Tiergruppe, die die Landökosysteme über das ganze Erdmittelalter hinweg dominieren sollte, von vor 250 bis vor 180 Millionen Jahren. "Alle lieben Dinosaurier," sagt Sterling Nesbitt, "aber diese neuen Funde zeigen, dass sie nur eine von mehreren großen Tiergruppen waren, die in der Trias eine Explosion der Artenvielfalt zeigen, darunter die Silesaurier, die Pterosaurier und die Krokodilverwandten." Silesaurus, der erste bekannte Vertreter der Silesaurier, wurde 2003 entdeckt. Seit damals sind Exemplare von acht anderen Vertretern dieser Gruppe in Triasgestein ausgegraben worden.

"Das zeigt, dass es da draußen ganze Tiergruppen gibt, die in der Trias sehr häufig waren und von denen wir bisher noch niemals etwas gefunden hatten," so Nesbitt. "Das ist sehr aufregend, denn es bedeutet, dass es immer noch unglaublich viel zu entdecken gibt."

Der Name Asilisaurus ist aus dem Suaheli abgeleitet: aus asili (suaheli für Vorfahr oder Grundlage), sauros (griechisch für Eidechse) und kongwe (suaheli für alt).

Das Forschungsprojekt wurde finanziert von: National Geographic Society, der Evolving Earth Foundation, der Grainger Foundation und der National Science Foundation (alle USA).

Ein Foto erhalten Sie unter: http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Silesaurier

Bild: Saurier aus Tendaguru / Tansania, im Vordergrund das größte aufgestellte Dinosaurierskelett der Welt, ein Brachiosaurus brancai, im Museum für Naturkunde Berlin

Kontakt:

Dr. Johannes Müller, Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstr. 43, 10115 Berlin. Telefon: 030-2093 8805; Fax: 030-2093 8868; Email: johannes.mueller@mfn.berlin.de

Dr. Gesine Steiner | idw
Weitere Informationen:
http://www.mfn.berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie