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Die Wirbeltiere aus Gratkorn

17.04.2014

Vor zehn Jahren begann die wissenschaftliche Erkundung der Fossilfundstelle Gratkorn in Österreich. Seither wurden hier 65 Wirbeltierarten entdeckt, darunter Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere.

Auch Pflanzen und wirbellose Tiere sind unter den fossilen Fundstücken. Keine andere Fossilfundstelle in Europa bildet die Zeit vor ca. 12 Millionen Jahren, als diese Organismen lebten, so vollständig ab wie Gratkorn. Das aktuelle Sonderheft der Senckenberg Fachzeitschrift Paleobiodiversity and Paleoenvironments fasst unter dem Titel „The Sarmatian vertebrate locality Gratkorn, Styrian Basin" den aktuellen Forschungsstand zur Fundstelle Gratkorn zusammen.

Eigentlich war man schon lange sehr nahe dran: Seit vielen Jahrzehnten wird in der Grube St. Stephan bei Gratkorn Ton abgebaut und bereits um 1850 erschienen erste Veröffentlichungen zu Fossilien aus dieser Fundstelle. Doch erst in den vergangenen 10 Jahren wurde klar, welche Schätze hier wirklich liegen. 

Die Rahmen einer geologischen Kartierung im Sommer 2004 genommenen Proben von Mikrofossilien ergaben, dass die Ablagerungen in Gratkorn Seesedimente aus dem mittleren bis späten Miozän sind. Damals hatte die sogenannte Paratethys den Kontakt zum Weltozean verloren, es entstand ein relativ rasch verlandendes Binnenmeer (vergleichbar dem heutigen Kaspischen Meer).

Gerade Arten, die zu dieser Zeit im Süßwasser und an Land vorkamen, sind seltene Funde. Im Jahr 2005 legten die Tonabbauarbeiten eine weitere Schicht frei, in der erstmals auch Zähne und Knochen an die Oberfläche kamen. Bis heute sind mehr als 1500 solcher Funde dokumentiert. Die Überreste fossiler Wirbeltiere aus Gratkorn erwiesen sich als etwas Besonderes nicht nur in ihrer Vielfalt sondern auch in ihrem Erhaltungszustand.

8 Amphibien- und 17 Reptilienarten ließen sich beschreiben, dazu kommen 4 Vogelarten und 2 Fischtaxa. Unter den 34 Säugetierarten finden sich einige Nagetiere aber auch Verwandte unserer heutigen Schweine und Pferde sowie Nashornvorfahren und drei Vertreter der Hasenartigen, darunter auch ein der Wissenschaft bisher unbekannter Pfeiffhase.

Die aktuelle Ausgabe von Paleobiodiversity and Paleoenvironments trägt den Titel "The Sarmatian vertebrate locality Gratkorn, StyrianBasin", Gastherausgeber sind Prof. Dr. Madelaine Böhme, Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment in Tübingen, Dr. Martin Gross (Universalmuseum Joanneum Graz) und Dr. Jérôme Prieto (Ludwig-Maximilians-Universität München). Das Heft ist noch bis zum 17. April 2014 online frei zugänglich. Es ist Prof. Dr. Friedrich Franz Steininger für gewidmet. Der Paläontologe und langjährige Direktor des Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseums feiert in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag.

Publikation
Paleobiodiversity and Paleoenvironments, Bd. 94, Heft 1 , März 2014, Springer, ISSN1867-1594 (Print) 1867-1608 (Online)

Kontakt

Prof. Dr. Madeleine Böhme
Fachbereich Geowissenschaften
Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment
madelaine.boehme@senckenberg.de

Pressestelle

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Judith Jördens
Senckenberganlage 25
60325 Frankfurt am Main
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Paleobiodiversity and Paleoenvironments, Bd. 94, Heft 1, März 2014, Springer, ISSN1867-1594 (Print) 1867-1608 (Online)

Weitere Informationen:

http://www.senckenberg.de/presse
http://www.springer.com/earth+sciences+and+geography/geology/journal/12549

Judith Jördens | Senckenberg

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