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Die Verdunkelung der Oberfläche Grönlands im Frühjahr beschleunigt den Klimawandel auf dem Eisschild

20.06.2014

In einer am 8. Juni 2014 in der Fachschrift Nature Geoscience veröffentlichten Studie haben Forscher von Météo-France und vom französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) kürzlich aufgezeigt, dass der die Eisdecke Grönlands bedeckende Schnee seit 2009 im Frühjahr immer dunkler wird.

 Dies sei auf die zunehmende Ablagerung von Verunreinigungen zurückzuführen. Diese Verdunkelung hat zur beschleunigten Schmelze des Eisschildes in den letzten Jahren beigetragen und könnte somit den Klimawandel auf dem Gletscher beschleunigen.

Die von der Oberfläche des Gletschers reflektierte Sonnenenergie hängt von der “Weißheit” oder auch Albedo [1] des bedeckenden Schnees ab. Die Albedo hängt hauptsächlich von der Größe der Schneekörner und von der Menge der absorbierenden Verunreinigungen in der Schneedecke ab.

Mit Hilfe von Satelliten, mit denen sie die Oberfläche Grönlands im sichtbaren und Infrarotwellen-Bereich beobachten, konnten die Forscher feststellen, dass der Schnee auf der Oberfläche im Frühjahr und Sommer seit 2009 immer dunkler wird. Das Phänomen des „schwarzen“ Schnees im Sommer ist nicht neu.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass es Teil einer “positiven Rückkopplung” des Klimasystems ist: Als Folge der globalen Erwärmung steigt die Temperatur des Schnees im Sommer, was zu einer Vergrößerung der Schneekörner führt. Dadurch kommt es zu einer verminderten Albedo, was wiederum zu einer stärkeren Absorption der Sonnenenergie an der Oberfläche führt und somit zu einer beschleunigten anfänglichen Erwärmung.

Die Neuentdeckung betrifft den Frühling: Die Studie hat zum ersten Mal gezeigt, dass die Verdunkelung des Eises in dieser Jahreszeit auf die zunehmende Verunreinigung des Schnee zurückzuführen ist.

Die Satellitenbilder zeigen auch “farbige” und nicht nur schwarze Verunreinigungen, was vermuten lässt, dass es sich hierbei um Mineralstaub handeln könnte. Die Forscher gehen davon aus, dass der Mineralstaub bei einer früheren Schmelze der saisonalen Schneedecke in den höheren Breitengraden freigesetzt und vom Wind auf den Grönland-Gletscher getragen wurde.

Die numerische Modellierung ermöglichte darüber hinaus die Schlussfolgerung, dass diese Verdunkelung im Frühjahr zur jüngsten beschleunigten Abschmelze des Grönland-Eises beigetragen haben könnte. Dies würde zu einer vorzeitigen Erwärmung des Oberflächenschnees führen, was die positive Rückkopplung im Sommer verstärken würde. Die mögliche Zunahme der Verunreinigungen muss also künftig bei Klimamodellen zum Zustand Grönlands und deren Auswirkungen auf den Anstieg des Meeresspiegels berücksichtigt werden.

[1] Albedo (“Weißheit”; von lateinisch albus: “weiß”) bezeichnet das Rückstrahlvermögen von nicht selbst leuchtenden Oberflächen. In der Meteorologie ermöglicht die Albedo Aussagen darüber, wie stark sich die Luft über verschiedenen Oberflächen erwärmt. Besonders wichtig dabei ist die Beschaffenheit der jeweiligen Fläche – je “weißer”, desto höher die Albedo, das heißt, desto mehr Licht wird reflektiert. (Quelle: http://www.klimaretter.info/tipps-klima-lexikon/5305-albedo?catid=98%3Aa)


Quelle: Pressemitteilung des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung– 11.06.2014 – http://www2.cnrs.fr/presse/communique/3607.htm

Redakteurin: Hélène BENVENISTE, helene.benveniste@diplomatie.gouv.fr

Weitere Informationen:

http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/allgemein/die-verdunkelung-der-oberflae...

Marie de Chalup | Wissenschaft Frankreich

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