Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsches Forschungsprojekt zur Ozeanversauerung BIOACID geht in die zweite Phase

03.09.2012
Das deutsche Verbundprojekt zur Erforschung der Ozeanversauerung geht in die zweite Phase
Ab September 2012 untersuchen 14 Institute unter dem Dach von BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification), wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die auf drei Jahre angelegten Arbeiten mit 8,77 Millionen Euro. Die Koordination liegt beim GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Der Ozean nimmt etwa ein Drittel des Kohlendioxids (CO2) auf, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht – ein unschätzbarer „Service“, der die globale Erwärmung deutlich verlangsamt. Doch chemische Reaktionen führen dazu, dass das Meerwasser saurer wird, und immer weniger Karbonat-Ionen verfügbar sind. Genau diese Moleküle benötigen jedoch viele kalkbildende Organismen – Plankton, Muscheln, Schnecken, Krebse oder Korallen – um ihre Schalen und Skelette aufzubauen. Werden sie sich dem Wandel anpassen können? Zu welchem Preis? Wie verändert sich das Nahrungsgefüge, wenn kleinere und größere Organismen auf die Ozeanversauerung reagieren?

„Dass die Meere durch den steigenden Kohlendioxid-Ausstoß versauern, gilt heute zweifelsfrei als erwiesen. Das Ausmaß der Konsequenzen erahnen wir jedoch erst“, erklärt Ulf Riebesell, Professor für Biologische Ozeanographie am GEOMAR | Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Unter seiner Leitung erforschen seit September 2009 14 deutsche Institute im Rahmen von BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) die dringendsten Fragen zur Ozeanversauerung. Im September 2012 beginnt die zweite Phase von BIOACID. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt mit 8,77 Millionen Euro für weitere drei Jahre. Riebesell: „Aufbauend auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre vertiefen wir jetzt einige Punkte.“ Wichtige Erkenntnisse der ersten Phase seien, dass vor allem die Jugendstadien vieler Organismen durch Ozeanversauerung betroffen sind. So ist beispielsweise die Entwicklung von Dorschlarven durch die Versauerung stark beeinträchtigt. Anhand von Langzeitstudien konnte aber auch gezeigt werden, dass einige Organismengruppen in der Lage sind, sich an die Ozeanversauerung anzupassen. „Neu ist, dass wir einen genaueren Blick auf die ‚Services‘ des Ozeans werfen und deutlicher aufzeigen, welche für uns Menschen relevanten Funktionen gestört werden. Zum Beispiel kann die Versauerung zusammen mit Überfischung dazu führen, dass wir zukünftig deutlich weniger Nahrung aus dem Meer gewinnen“, so Projektleiter Riebesell.

Die geplanten Laborexperimente und Freiland-Versuche berücksichtigen stärker als bisher eine Kombination von Umweltfaktoren. „BIOACID-Forschungen haben gezeigt, dass sich die Einflüsse von Klimaerwärmung und Ozeanversauerung auf Meeresorganismen gegenseitig verstärken können“, erläutert Prof. Riebesell. „Durch zusätzliche lokale Faktoren wie Überdüngung und Verschmutzung können weit stärkere Reaktionen ausgelöst werden als die Summe der Einzelreaktionen.“ Auch werden die Wechselwirkungen miteinander konkurrierender Organismen und bei Räuber-Beute-Beziehungen stärker im Fokus der Untersuchungen stehen. Ökosysteme, die sich an natürlichen CO2-Quellen entwickelt haben, dienen den Forschern als Vergleich und als Ausblick auf die Zukunft. „Wer sind die Gewinner und wer die Verlierer der Ozeanversauerung? Wie verändert sich der Stoffaustausch innerhalb solcher Lebensgemeinschaften? Das sind Fragen, die wir an natürlichen Lebensgemeinschaften real beobachten können.“

Mit der Fortsetzung von BIOACID wird die deutsche Forschung im Bereich der Ozeanversauerung auch weiterhin eine Spitzenposition im internationalen Vergleich einnehmen. Wichtige Voraussetzung hierfür ist die instituts- und disziplinübergreifende Zusammenarbeit.

Mesokosmen-Experiment zur Erforschung der Ozeanversauerung. Foto: Maike Nicolai, GEOMAR

Neben der Kooperation unter den 14 Partner-Instituten bestehen enge Verbindungen zu anderen nationalen und internationalen Forschungsprojekten wie dem britischen Programm UK Ocean Acidification Research Programme (UKOA) und dem EU-Projekt Mediterranean Sea Acidification in a Changing Climate (MedSeA), Interessenvertretern wie der International Ocean Acidification Reference User Group (IOA-RUG) oder dem neu gegründeten Koordinierungs-Zentrum für die Erforschung der Ozeanversauerung Ocean Acidification International Coordination Centre (OA-ICC).

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.bioacid.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neues Forschungsspecial zu Meeren, Ozeanen und Gewässern
18.01.2017 | Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

nachricht Wasser - der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?
17.01.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ein neuer Index zur Diagnose einer nichtalkoholischen Fettlebererkrankung

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Cockpit für Kühlgeräte

20.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Der Hausschwamm als Chemiker

20.01.2017 | Biowissenschaften Chemie