Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsch-russische Arktis-Expedition - Forscher untersuchen Klimawandel in der Laptewsee

03.09.2014

Im russischen Weißmeer-Hafen Archangelsk startet heute ein deutsch-russisches Forscherteam zu einer Expedition in die zentralsibirische Laptewsee.

Ziel der Forschungsfahrt ist ein besseres Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf das Nordpolarmeer. Die Expedition mit dem Titel TRANSDRIFT XXII baut auf einer über 20-jährigen deutsch-russischen Forschungskooperation in der Region auf. Beteiligte Wissenschaftler berichten online im Transpolardrift-Blog über ihre Arbeiten.


Das russische Forschungsschiff VIKTOR BUYNITSKIY passiert während der deutsch-russischen Expedition TRANSDRIFT XXI auf dem Weg in die Laptewsee in einem Konvoi die vereiste Wilkizkistraße.

Foto: Georgi Laukert, GEOMAR

Einen neuen Rekord wird es 2014 wohl nicht geben. Doch die Eisfläche der Arktis ist auch im aktuellen Jahr wieder deutlich kleiner als im Durchschnitt vergangener Jahrzehnte. Der Klimawandel in den nördlichen Polargebieten schreitet messbar voran, an kaum einem anderen Ort der Erde sind die Durchschnittstemperaturen in den zurückliegenden Dekaden so stark gestiegen wie dort.

Da die Arktis ihrerseits einen großen Einfluss auf das Klima der gesamten Erde ausübt, ist es wichtig, die Veränderungen dort genau zu beobachten. Dazu startet heute ein 20-köpfiges deutsch-russisches Forscherteam vom Weißmeerhafen Archangelsk aus mit dem russischen Forschungsschiff VIKTOR BUYNITSKIY in die sibirische Laptewsee.

Die Expedition mit dem Titel TRANSDRIFT XXII ist Teil des binationalen Projekts „System Laptewsee - Das transpolare System des Nordpolarmeeres“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem russische Ministerium für Bildung und Forschung, dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel finanziert wird.

„Speziell die flachen Schelfmeere Sibiriens sind für das Klima, die Meeresströmungen, die Eisbildung und die Ökologie der Arktis von besonderer Bedeutung. Deshalb stehen sie seit vielen Jahren im Fokus unserer Untersuchungen“, erklärt Projektkoordinatorin und Expeditionsleiterin Dr. Heidemarie Kassens vom GEOMAR.

Das Projekt baut auf langjährigen gemeinsamen deutsch-russischen Forschungsarbeiten auf, in denen Wissenschaftler vieler unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiteten. Ziel ist es, das gesamte Ausmaß des Wandels in der Arktis zu erfassen. Während der jetzt startenden Fahrt sollen mehrere Observatorien geborgen werden, die vor einem Jahr am Meeresboden der Laptewsee verankert worden waren. Sie sind unter anderem mit neuartigen, automatischen Wasserprobensammlern ausgestattet.

„Sie sollten wöchentlich je eine Wasserprobe nehmen. So wollen wir die physikalischen Veränderungen der Wassermassen über alle Jahreszeiten hinweg verfolgen“, erklärt Dr. Dorothea Bauch vom GEOMAR.

Ebenfalls ein Novum waren mehrere Sensoren, die das ganze Jahr über die Eisdicke über jedem einzelnen Observatorium erfassen sollten. „Sonst finden Messungen der Eisdicke nur periodisch von Satelliten oder Flugzeugen aus statt. Speziell in der sibirischen Arktis gibt es dazu bisher nur wenige Daten. Ohne Eisdicke können wir aber keine Aussagen zum Eisvolumen in der Arktis machen“, sagt Dr. Jens Hölemann vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Jetzt ist das ganze Team gespannt, ob die Technik funktioniert hat.

Zusätzlich zu den ozeanographischen, physikalischen und chemischen Untersuchungen werden die Wissenschaftler während der Fahrt auch biologische Proben nehmen. „Uns interessiert, in wie weit sich die ändernden Umweltbedingungen auf die Lebensgemeinschaften in der Laptewsee auswirken“, erklärt Dr. Karen von Juterzenka vom Institut für Ökosystemforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Aufgrund der aktuell angespannten politischen Lage zwischen Russland und der EU war lange unsicher, ob die Expedition überhaupt zustande kommen würde. „Dass wir am Ende doch eine Genehmigung erhalten haben, ist schon etwas Besonderes. Sie war wohl nur möglich, weil wir seit über 20 Jahren sehr vertrauensvoll mit unseren russischen Kollegen zusammenarbeiten“, betont Expeditionsleiterin Dr. Kassens.

Die Forscher an Bord der VIKTOR BUYNITSKIY berichten im Transpolardrift-Blog unter www.oceanblogs.org/transpolardrift von ihren Arbeiten und von der Fahrt durch die Nordostpassage.

Projektpartner:
o GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Koordination Deutschland)
o Staatliches Institut für Arktis- und Antarktisforschung (AARI), Sankt Petersburg, Russland (Koordination Russland)
o Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
o Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
o Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
o Universität Moskau
o Universität St. Petersburg (Studierende des Masterstudiengangs POMOR)
o P. P. Shirshov-Institut für Ozeanographie Moskau
o Lena-Delta Reservat Tiksi
o Staatliches N. N. Zubov-Institut für Ozeanographie (GOIN).

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de/n2048 Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.awi.de Das Alfred Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
http://www.uni-kiel.de Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
http://www.transdrift.info Das Projekt „System Laptewsee - Das transpolare System des Nordpolarmeeres“
http://www.oceanblogs.org/transpolardrift Der Transdrift-Blog

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten