Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Monsun ändert die Tektonik

17.06.2015

Neuer klima-tektonischer Kopplungsmechanismus entdeckt

Eine Klimaänderung in Südasien führte vor etwa 23 Millionen Jahren zum Erstarken des Monsuns. Dadurch wurden mächtige Sedimentfrachten in das ozeanische Becken Südchinas transportiert. In der Folge führte das zu einem ungewöhnlichen und beschleunigten Absinken der Erdkruste.


Heutige Topographie Südostasiens und die Mächtigkeit der unterseeischen Sedimentfächer – in der gleichen Farbskala koloriert. Das Volumen der Fächer übersteigt das der Gebirge bei weitem. (Bild: S. Brune, Topographiedaten: GMRT v2.6, Sedimentmächtigkeit: Divins (2006), Visualisierung: GeoMapApp)

Die außerordentlich tiefen Becken am nördlichen Rand des Südchinesischen Meers sind Resultat dieser neu entdeckten Kopplung von klimatischen und tektonischen Prozessen.

Beim Auseinanderbrechen von Kontinenten, Rifting genannt, entstehen an den Kontinentalrändern Beckenstrukturen wie etwa vor Afrikas Westküste. Diese kühlen sich nach und nach stetig ab und sinken dabei langsam und einheitlich in große Meerestiefen.

Die Becken im Südchinesischen Meer rund um die Insel Hainan, vor allem das Baiyun-Becken, widersetzen sich dieser Regel. Hier beschleunigte sich sogar das Absinken noch mehrere Millionen Jahre nach dem kontinentalen Zerbrechen, anstatt sich zu verlangsamen. Ein Forscherteam aus den USA, Deutschland und Australien konnte nun diesen Mechanismus erklären.

„Der Schlüssel waren die riesigen Sedimentfolgen mit mehr als 5000 Metern Mächtigkeit.“ erklärt Ko-Autor Sascha Brune vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ. „Wir haben geophysikalische und Bohrlochdaten mit numerischer Modellierung kombiniert und konnten zeigen, dass die aussergewöhnlich weiche Erdkruste der Südchinesischen Meeresränder unter der Last der Sedimente zu fliessen begann.“

Woher kam diese gewaltige Auflast durch das Sediment? Eine Änderung des Klimas Südasiens führte vor etwa 23 Millionen Jahren zum Erstarken des Monsuns, der durch hohe Niederschläge eine Zunahme der Erosion in den Asiatischen Hochgebirgen bewirkte.

Das losgelöste Material wurde von Flüssen wie dem Indus, Ganges, und dem Pearl River in kilometerdicken Schwemmfächern in die umliegenden Ozeane und Meere verteilt. Im Gegensatz zu den Indus- und Bengal-Fächern ist die Erdkruste im Südchinesischen Meer extrem weich.

Hier führte das Gewicht der Sedimentmassen dazu, dass das verformbare Krustengestein in rund 15000 Metern Tiefe zur Seite gequetscht wurde und die ungewöhnliche Dehnung der Erdkruste ermöglichte. Peter Clift von der Louisiana State University:

„Dieser Mechanismus stellt eine bisher ungekannte Komponente von klima-tektonischer Kopplung dar.“ Denn genau zum Zeitpunkt vor rund 23 Millionen Jahren, als der Monsun sich hier verstärkte, begann auch das beschleunigte Absinken der Beckenböden Südchinas mit der Bildung der gewaltigen Sedimentfächer.

Peter D. Clift, Sascha Brune, Javier Quinteros: "Climate changes control offshore crustal structure at South China Sea continental margin”, Earth and Planetary Science Letters EPSL, Advance Online Publication, 15.06.2015, Doi: 10.1016/j.epsl.2015.03.032

Franz Ossing
Helmholtz Centre Potsdam
GFZ German Research Centre for Geosciences
Deutsches GeoForschungsZentrum
- Head, Public Relations -
Telegrafenberg
14473 Potsdam / Germany
E-Mail: ossing@gfz-potsdam.de
Tel. +49 (0)331-288 1040
Fax +49 (0)331-288 1044
www.gfz-potsdam.de

Franz Ossing | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Weniger Sauerstoff – ist Humboldts Nährstoffspritze in Gefahr?
17.03.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie