Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Zusammenhang zwischen der Hebung des Tibetischen Plateaus und Artenvielfalt besser erforschen

08.05.2014

Deutsche, Schweizer und österreichische Forschende des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F), der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Universität Leipzig und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben den gegenwärtigen Kenntnisstand zur Entstehung tibetischer Pflanzen und Tiere zusammengefasst. Die Gemeinschaftsarbeit zeigt, wie geologische Prozesse, die zur Hebung des Qinghai-Tibet-Plateaus und des Himalayas führten, die Artbildung direkt und indirekt, z.B. durch veränderte klimatische Verhältnisse, beeinflussten. Die Studie erschien in Biological Reviews.

Die Überblicksstudie beleuchtet eine der faszinierendsten und artenreichsten Regionen der Erde der Welt. „Wir haben die geologische, klimatische und evolutionsgeschichtliche Entwicklung der Region interdisziplinär betrachtet und setzen damit neue Maßstäbe für Forschungen im Bereich Geobiodiversität. Wir schlagen ein Konzept vor, wie diese Region zukünftig stärker hypothesen-getrieben und fachübergreifend erforscht werden könnte.”, so Prof. Alexandra Muellner-Riehl, Universität Leipzig. Sie ist Leiterin des DFG-Forschungsclusters und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig.

Die biologische Vielfalt in Gebirgen ist oft von den vorhandenen Höhengradienten abhängig. In dieser Hinsicht ist das Qinghai-Tibet-Plateau und der Himalaya weltweit einzigartig. Der südliche Fuß des Himalaya liegt auf nur 500m Höhe, das Qinghai-Tibet-Plateau befindet sich durchschnittlich 4500 über dem Meeresspiegel und der Mount Everest bringt es schließlich auf knapp 8900m.

Dass die Entstehung dieser gewaltigen Gebirgslandschaften Auswirkung auf die Artbildung hatte ist naheliegend. „Unsere Analyse ergab jedoch, dass der Zusammenhang zwischen vorhandener biologischer Vielfalt, der Entstehung von Arten und geologischen Prozessen in dieser Region bisher gering erforscht ist“, so Ko-Autor der Studie, Dr. Steffen Pauls, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und fährt fort „Ursache ist, dass meist mit unterschiedlichen geologischen Konzepten der Hebung des Gebiets gearbeitet wird. Außerdem verwenden dort arbeitende Teams verschiedene Analysemethoden und Daten, die nur schwer miteinander vergleichbar sind.“

Die Autoren schlagen deshalb drei Schritte vor, um das Verständnis der Zusammenhänge zwischen der Hebung des Qinghai-Tibet-Plateaus und des Himalayas sowie der dort vorhandenen Artenvielfalt zu verbessern. Zunächst sollen Hypothesen und Forschungsergebnisse dadurch vergleichbar werden, dass alle dort aktiven Forschenden sich auf die aktuellsten Szenarien zur Hebung der Region im Lauf der Zeit und deren Einfluss auf die regionalen klimatischen Verhältnisse während der letzten 40 Millionen Jahre beziehen.

Dieses Szenario stellen die Autoren aus Veröffentlichungen verschiedener geowissenschaftlicher Disziplinen zusammen. Als einen zweiten Schritt fassen sie neueste Entwicklungen im Bereich der Datenanalyse zusammen: Forschende sollen damit in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge zwischen Geologie und der Artbildung stärker quantitativ und weniger ad hoc zu untersuchen. Durch diese Herangehensweise können schließlich Meta-Analysen vergleichbarer, bestehender Datensets durchgeführt werden, um eine breiteres Verständnis der Artenvielfalt vor Ort zu gewinnen.

„Sehr wahrscheinlich hatte die Hebung des Qinghai-Tibet-Plateaus unterschiedliche Auswirkungen auf die Entstehung verschiedener Taxa.“ streicht der Leitautor der Studie, Adrien Favre, Universität Leipzig, heraus. „Wir schlagen daher detaillierte Kriterien vor, an denen sich individuelle Datensätze messen müssen, um die zukünftige Erforschung dieses hochinteressanten Gebiets zu verbessern.“ ergänzt Dr. Steffen Pauls.

Die Studie “The role of the uplift of the Qinghai-Tibetan Plateau for the evolution of Tibetan biotas” erscheint in Biological Reviews (DOI 10.1111/brv.12107). Sie steht zum kostenlosen Download (open access) bereit unter: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/brv.12107/full

Zum Team gehören Adrien Favre 1,2, Martin Päckert 2,3, Steffen U. Pauls 2, Sonja C. Jähnig 2,4, Dieter Uhl 5, Ingo Michalak 1 und Alexandra N. Muellner-Riehl 1,2,6

1 Arbeitsgruppe Molekulare Evolution und Systematik der Pflanzen, Universität Leipzig
2 Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) & Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main
3 Senckenberg Naturhistorische Sammlungen, Museum für Tierkunde, Dresden
4 Abteilung Ökosystemforschung, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin
5 Sektion Paläoklima und Paläoumweltforschung, Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
6 Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte

Prof. Dr. Alexandra Muellner-Riehl
Arbeitsgruppe Molekulare Evolution und Systematik der Pflanzen,
Falkultät Biologie, Universität Leipzig
Tel. +49-(0)341 97-38581
Muellner-riehl@uni-leipzig.de

oder

Dr. Steffen Pauls
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Tel. +49 (0)69 7542 1841
Steffen.pauls@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Pressereferentin
Tel. +49 (0)69 7542 1838
Sabine.wendler@senckenberg.de

Weitere Informationen:

http://www.bik-f.de/root/index.php?page_id=32&ID=693&year=0 -
http://Pressemitteilung und weitere Pressbilder
http://www.bik-f.de -
http://LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)

Sabine Wendler | Senckenberg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops