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Den Atlantik besser verstehen

10.06.2015

GEOMAR koordiniert EU-Großprojekt für effektivere und nachhaltigere Ozeanbeobachtung

Es ist eines der größten und ambitioniertesten Meeresforschungsprojekte der vergangenen Jahrzehnte: In den kommenden vier Jahren wollen 62 Partner aus insgesamt 18 Ländern die Beobachtung des Atlantiks deutlich intensivieren, gleichzeitig aber auch effektiver und nachhaltiger gestalten.


Schon jetzt gibt es zahlreiche Messungen im Atlantik, z.B. mit Verankerungen, wie sie hier vom Forschungsschiff METEOR ausgesetzt werden. Doch die Austauschbarkeit der Daten kann verbessert werden.

Foto: W. Huneke, GEOMAR

Die EU finanziert das Projekt AtlantOS als Teil seines Rahmenprogramms „Horizon2020“ mit 21 Millionen Euro. Die Koordinierung liegt beim GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Mit einem Kick-off Meeting vom 10. bis 12. Juni in Brüssel startet die kooperative aktive Phase von AtlantOS.

Er sorgt für mildes Klima in Europa, bringt aber auch zerstörerische Wirbelstürme hervor, er ist Wetterküche, Quelle von Nahrung und wichtiger Transportweg: Der Einfluss des Atlantischen Ozeans auf die angrenzenden Länder und Kontinente ist gewaltig. Deshalb ist es wichtig, seinen Zustand genau zu kennen und Veränderungen rechtzeitig wahrzunehmen.

Im Rahmen des Programms „Horizon2020“ investiert die Europäische Union jetzt über einen Zeitraum von vier Jahren 21 Millionen Euro, um die Beobachtung des Atlantiks zu intensivieren und effektiver zu gestalten. 62 Partner, darunter Forschungseinrichtungen, Universitäten, Forschungsverbünde und Privatfirmen, aus 13 europäischen und fünf nichteuropäischen Ländern stellen sich in dem Projekt AtlantOS dieser Herausforderung. Koordinator des Gesamtprojekts ist der Ozeanograph Prof. Dr. Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Schon jetzt unternehmen Europa, die USA, Kanada und andere Atlantik-Anrainer große Anstrengungen um dem Ozean vor ihrer Haustür den Puls zu messen. Im Rahmen des Global Ocean Observing Systems (GOOS) werden Messungen mit Satelliten, frei im Meer treibenden Bojen (Floats), fest installierten Observatorien, sowie schiffsgestützte Messungen global koordiniert.

„Viele Messungen erfolgen aber noch in zeitlich befristeten und räumlich begrenzten Projekten“, sagt Professor Visbeck, „die Daten sind dann nicht unbedingt mit anderen Messungen kompatibel oder im schlimmsten Fall nicht frei zugänglich.“

Ein weiteres Problem: Vor allem aus den tieferen Bereichen des Atlantiks sind Messdaten noch Mangelware. „Dabei haben Studien in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sogar Prozesse in der Tiefsee Einfluss auf das Wettergeschehen in Afrika, Europa oder Amerika haben können“, betont Professor Visbeck. Ferner besteht zwischen denen, die Daten im Rahmen der Küstenforschung gewinnen und solchen, die im offenen Ozean arbeiten, bisher nur wenig Austausch. „Der Ozean ist aber ein hochkomplexes System, in dem alle Komponenten eng miteinander verzahnt sind“, betont der Kieler Ozeanograph.

So wollen die AtlantOS-Projektpartner dafür sorgen, dass Beobachtungsdaten besser vergleichbar sind und ausgetauscht werden können, indem sie gemeinsame Mindeststandards definieren. Gleichzeitig sollen bestehende Messsysteme verbessert werden. „Wir wollen aber nicht ein komplett neues Messnetz aufbauen. Es geht vor allem darum, die vorhandene Infrastruktur und Technik weiter zu entwickeln und besser einzusetzen“, so Visbeck. Dazu gehört auch eine verstärkte Messung von biologischen, chemischen Parametern.

Schon im Jahr 2013 haben die USA, Kanada und die EU sich mit dem „Galway Statement on Atlantic Ocean Research Cooperation“ verpflichtet, bei der Erforschung des Atlantiks enger zusammenzuarbeiten. Ziel dieser Kooperation soll ein besseres Verständnis und eine nachhaltige Nutzung des Ozeans sein. „AtlantOS ist das erste Großprojekt, mit dem diese Ziele konkret verfolgt werden. Deshalb beinhaltet unser Projekt eine starke transatlantische Komponente, und wir haben Partner wie die Woods Hole Oceanographic Institution in Massachusetts oder die Dalhousie Universität in Halifax mit an Bord“, betont der Projektkoordinator.

Das erste Treffen mit rund 130 Vertretern der Projektpartner findet vom 10. bis 12. Juni in Brüssel statt. Im Rahmen dieses Kick-Off-Meetings werden nicht nur die Details des Arbeitsprogramm vorgestellt, am ersten Tag wird in einer Plenardiskussion insbesondere mit den außereuropäischen Partnern deren Erwartung an das Projekt erörtert.

„Wir haben uns ehrgeizige Ziele gesetzt. Aber die Bedeutung des Atlantiks für die Menschen in Europa ist zu groß, um ihn nur stückchenweise zu erforschen. Am Ende des Projekts sollen die erarbeiteten Standards und Verfahren eine dauerhafte Grundlage für zukünftige Meeresforschung bilden“, resümiert Professor Visbeck.

Weitere Informationen:

http://www.atlantos-h2020.eu Das Projekt AtlantOS
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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