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Das Ozonloch wirkt bis in die Tropen

13.06.2017

Das Ozonloch über der Antarktis hat weitreichendere Folgen als bisher angenommen. Eine Studie von Berner Klimaforschern zeigt, dass es sogar den Niederschlag im 10'000 Kilometer entfernten tropischen Pazifik beeinflusst. Dieser Mechanismus war bisher nicht bekannt und belegt, wie im Klimasystem Verbindungen zwischen sehr weit entfernten Gebieten wirken.

Der Kampf gegen das Ozonloch, das sich jeden Frühling über der Antarktis öffnet, gilt als einer der grossen Erfolge der internationalen Umweltpolitik. Ende der 1980er Jahre verpflichtete sich die Staatengemeinschaft, den Einsatz von ozonschädigenden Stoffen drastisch zu reduzieren. In der Folge hat sich die Ozonschicht über der Antarktis stetig erholt, und 2014 erklärte die Welt-Organisation für Meteorologie (WMO), wenn dieser Trend anhalte, werde das Ozonloch spätestens im Jahr 2050 kein Thema mehr sein.


Auf der Insel Rikitea (frz. Polynesien) nahm der Niederschlag zwischen den 1960er-1990er Jahren um 50 Prozent zu. Mit der erwarteten Erholung der Ozonschicht wird sich dieser Trend wieder umdrehen.

commons.wikimedia.org

Nun aber kommt ein internationales Forschungsteam unter der Leitung des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern zum Schluss, dass die ausgedünnte Ozonschicht bisher unbekannte Auswirkungen auf das Klimasystem hat. Es hat sich gezeigt, dass sogar Regenfälle im tropischen Pazifik von den Auswirkungen des Ozonlochs beeinflusst werden.

«Dass es im Klimasystem Verbindungen zwischen so weit entfernten Orten gibt, ist faszinierend. Beunruhigend ist allerdings, dass der Mensch daran Schuld trägt», sagt der Berner Klimatologe Stefan Brönnimann, der Leiter der Studie, die soeben in der Fachzeitschrift Environmental Research Letters erschienen ist.

Ozonloch wirkt sich global aus

Simulationen mit verschiedenen Klima-Modellen sowie statistische Analysen von Beobachtungsdaten der letzten 60 Jahre zeigen, dass das Ozonloch einen Hochdruckrücken östlich von Neuseeland verursacht. Von dort aus erstreckt sich ein wellenförmiges Zirkulationsmuster über den Südpazifik und führt zu einer Zunahme der Niederschläge in der Spitze der südpazifischen Konvergenzzone, einer der intensivsten Regenzonen der Erde.

In Rikitea etwa, in französisch Polynesien, hat der Niederschlag von Oktober bis Dezember zwischen den 1960er und den 1990er Jahren um 50 Prozent zugenommen. Ein grosser Teil davon lässt sich auf den Einfluss des Ozonlochs zurückführen. Der Zusammenhang bleibt mit der Erholung des Ozonlochs, die in den nächsten Jahrzehnten erwartet wird, weiterhin bestehen: die Niederschläge in der Region werden wieder zurückgehen.

«Es war zwar bekannt, dass die starke Ausdünnung der Ozonschicht die Winde über dem südlichen Ozean beeinflusst», erläutert Stefan Brönnimann, «doch ein Effekt bis in die Tropen konnte bisher noch nicht gezeigt werden.» Der Fokus bisheriger Untersuchungen lag auf dem Einfluss des Ozonlochs auf die subpolaren Breiten und die südlichen Mittelbreiten.

«Unsere Studie zeigt, dass der Ozonabbau in der Vergangenheit ein entscheidender Treiber für den Klimawandel im tropischen Pazifik war», sagt Stefan Brönnimann, «und genau so wird die Erholung der Ozonschicht das Klima in der Zukunft beeinflussen.» Die Erkenntnis, wie stark sich menschliche Aktivitäten auf das regionale Klima am anderen Ende der Erde auswirkten, so der Berner Klimatologe, sei mit Blick auf die Folgen des von Kohlendioxid und anderen Gasen verursachten Treibhauseffekts besorgniserregend.

Publikationsangaben:

Brönnimann, S., M. Jacques-Coper, E. Rozanov, A. M. Fischer, O. Morgenstern, G. Zeng, H. Akiyoshi, Y. Yamashita (2017): Tropical Circulation and Precipitation Response to Ozone Depletion and Recovery, Environmental Research Letters, 13. Juni 2017, doi: 10.1088/1748-9326/aa7416

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2017/medie...

Nathalie Matter | Universität Bern

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