Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CO2-Ausstoß reduzieren - jetzt!

02.02.2009
Kieler Meereswissenschaftler warnen gemeinsam mit Kollegen aus 32 Nationen vor der Versauerung der Ozeane

In der heute veröffentlichten "Monaco-Deklaration" weisen Forscher aus 32 Nationen darauf hin, dass der von Menschen verursachte Kohlendioxid-Ausstoß nicht nur das Klima erwärmt, sondern auch die Ozeane versauert.

Das stellt eine enorme Bedrohung für alle marinen Ökosysteme dar. Die Unterzeichner fordern daher rasches Handeln zum Schutz der Meere. Zu den Autoren der Deklaration zählen auch Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).

Heizen mit Öl, Stromerzeugung mit Kohle, Autofahren mit Benzin: die Menschheit setzt noch immer riesige Mengen Kohlendioxid frei. Dass sie so die Atmosphäre aufheizt, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Doch es gibt noch eine weitere Folge, die weniger bekannt, aber nicht weniger gefährlich ist. Ein Viertel des von Menschen produzierten Kohlendioxids landet in den Ozeanen. Dort verwandelt es sich in Kohlensäure - das Meer wird saurer. Der Säuregrad des Oberflächenwassers ist seit Beginn der Industrialisierung um 30 Prozent angestiegen und hat damit Werte erreicht, die es zuletzt vor mehreren Millionen Jahren gegeben hat. Die veränderten Umweltbedingungen bedeuten eine ernste Bedrohung für die marinen Lebensgemeinschaften.

Im Oktober 2008 trafen sich 220 Experten aus 32 Nationen in Monaco zum 2. Symposium "The Ocean in a High-CO2 World". Die Teilnehmer waren sich einig: Wenn nicht schnell gegengesteuert wird, könnte sich die Ozeanversauerung noch beschleunigen - mit unabsehbaren Folgen für die Ökosysteme. Um auf die Dringlichkeit des Problems hinzuweisen, verabschiedeten die Konferenzteilnehmer eine gemeinsame Deklaration, die heute veröffentlicht wird. "Dieses Papier spiegelt die tiefe Besorgnis der internationalen Forschergemeinschaft über die drohende Ozeanversauerung wider", erklärt Professor Ulf Riebesell vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Riebesell gehört zu den Autoren der Deklaration und hatte zusammen mit mehreren Kieler Kollegen die Konferenz in Monaco mit gestaltet.

Die Unterzeichner der Deklaration weisen darauf hin, dass erste konkrete Folgen der Versauerung bereits zu beobachten sind. Da das saurere Wasser Kalk angreift, wird es für Kalk bildende Organismen wie Muscheln, Schnecken, Seeigel, Seesterne, aber auch viele Kleinstlebewesen im Plankton zunehmend schwerer, ihre Kalkschalen und -skelette zu bilden. Sogar die Kalkproduktion der Korallen am Great Barrier Reef hat messbar abgenommen. Steigt der Säuregrad weiter, droht das weltweite Zusammenbrechen ganzer Ökosysteme. Das hätte letztlich auch weitreichende Konsequenzen für die Menschheit. Fischerei und Tourismus wären bedroht, Küstenschutz durch Korallenriffe wäre nicht mehr gegeben, mögliche biologische Rohstoffe für Medizin oder Ernährung könnten verloren gehen.

Daraus leiten die Experten ein zentrale Forderungen an die Politik ab: Der CO2-Ausstoß muss weltweit möglichst schnell und drastisch reduziert werden. Nur so könne der Prozess aufgehalten werden, der von Wissenschaftlern mittlerweile als genauso gefährlich wie die Klimaerwärmung angesehen wird. "Wir müssen alle verfügbaren Optionen nutzen, die fortschreitende Versauerung der Meere aufzuhalten und die marinen Ökosysteme vor den möglichen Konsequenzen zu bewahren", betont Riebesell, der sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigt.

Hintergrundinformationen:
Das Symposium "The Ocean in a High-CO2 World" wurde erstmals im Mai 2004 auf Initiative der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO und des Scientific Committee on Oceanic Research (SCOR) durchgeführt. Das zweite Symposium mit 220 Teilnehmern aus 32 Nationen fand im Oktober 2008 in Monaco statt. Zu den Unterstützern gehörten neben UNESCO-IOC und SCOR dieses Mal die U.S. National Science Foundation, die Prince Albert II. of Monaco Foundation, die Internationale Atomenergieorganisation IAEA, das International Geosphere-Biosphere Programme (IGBP), die monegassische Regierung sowie der International Council for Exploration of the Seas (ICES).
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulf Riebesell, Tel. 0431 - 600 4444, uriebesell@ifm-geomar.de
Jan Steffen (Öffentlichkeitsarbeit), Tel. 0431 - 600 2811, jsteffen@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://ioc3.unesco.org/oanet/HighCO2World.html
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie