Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Change? Yes we can! – Aber erst, wenn es sein muss…

24.09.2014

Archäologische Forschungen in MONREPOS entschlüsseln, wie und wann sich soziale Wandlungsprozesse vollziehen und welchen Einfluss das Klima darauf hat. Sie bieten so neue Perspektiven auf die anstehenden Veränderungen im aktuellen Klimawandel. Hochauflösende Umwelt- und Archäologiearchive vom Ende der letzten Eiszeit wurden dazu erstmals z.T. jahrzehntgenau miteinander korreliert.

Längst gilt das Klima als stärkster Trigger für Innovationen und gesellschaftliche Wandlungsprozesse: Auf dem gerade tagenden UNO Klimagipfel hat der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den aktuellen Klimawandel als die größte Gefahr in der Menschheitsgeschichte bezeichnet.


Europa vor rund 16.000 Jahren im ausgehenden Eiszeitalter, vor Beginn der späteiszeitlichen Erwärmung. Hellgrün: Landfläche; weiß: Eisschilde.

Karte: Sonja Grimm, MONREPOS


Europa vor rund 13.500 Jahren. Aufgrund der abschmelzenden Eisschilde steigt der Meeresspiegel und überflutet vorherige Landflächen (hellgrün).

Karte: Sonja Grimm, MONREPOS

Klimawandel erfordert die Entwicklung neuer Technologien, alternativer Lebensweisen sowie sozialen Wandel. Daran gibt es kaum noch Zweifel. Aber: Wie vollzieht sich ein solcher Wandel? Wann müssen wir uns ändern und in welchem Umfang? In welchen Phasen setzen sich Erfindungen als gesellschaftsübergreifende Innovationen durch? Und: Welche Rolle spielt der Klimawandel dabei?

Diesen Fragen geht die jüngst abgeschlossene Doktorarbeit von Sonja Grimm nach. Antworten fand sie durch die Untersuchung ökologischer und sozialer Entwicklungen am Ende der letzten Eiszeit: „Das ist die Phase des stärksten Klimawandels der letzten 20.000 Jahre. Innerhalb von 4000 Jahren wandelt sich das Klima mehrfach extrem und plötzlich; die globale Erwärmung zu Beginn unserer heutigen Warmzeit wurde durch mehrere rapide Kaltphasen unterbrochen.“

Sonja Grimm ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS (Neuwied). Hier erforschen Archäologen die Entwicklung unsres heutigen Verhaltens in der frühen Menschheitsgeschichte.

In ihren Untersuchungen hat Sonja Grimm zunächst quellenkritisch alle relevanten Klima- und Umweltarchive miteinander korreliert und so die zurzeit umfassendste, hochauflösendste Datenbank der Zeit vor etwa 16.000-12.000 Jahren erzeugt. Aus den von ihr untersuchten gut datierten archäologischen Zusammenhängen hat sie dann technologische, soziale und ökonomische Innovationen destilliert, in ihrer chronologischen Abfolge verglichen und sie schließlich genau mit den Klimadaten korreliert. Auf dieser Basis zeigt sich nun erstmals, wann und in welcher Form Innovationen und gesellschaftliche Umbrüche auftreten und was sie mit der Klimaentwicklung zu tun haben:

Erst vor knapp 14.000 Jahren und damit 800 Jahre nach Beginn des globalen Klimawandels, kristallisiert sich ein plötzlicher Innovationsschub heraus; in dieser Zeit muss ein immenser Entwicklungsdruck geherrscht haben. Diese revolutionsartigen gesellschaftlichen Veränderungen erfolgen synchron in allen Lebensbereichen, während eines schlagartigen warmzeitlichen Umweltwandels, der wiederum auf einen kurzen Kälteeinbruch folgte. Die erste Klimaerwärmung vor dem Kälteeinbruch führte dagegen zunächst nur zu einem graduellen Umweltwandel – und lediglich vereinzelten Verhaltensänderungen der Menschen.

„Der Klimawandel selbst löst keine Verhaltensänderungen beim Menschen aus, aber der umfassende Wandel der Umwelt und ihrer Ressourcen. Der Mensch ist konservativ und hält an seinem Verhalten und der traditionellen Lebensweise fest, so lange er irgend kann“, folgert die Archäologin.

Ihre Untersuchungen geben auch Aufschluss über die Initiatoren und Träger des gesellschaftlichen Wandels: es sind kleinere Regionalgruppen. „Die weitgespannten sozialen Netzwerke, die das Leben in der Eiszeitsteppe europaweit normierten und regelten, gehen zunächst verloren. Erst mit zunehmender Stabilität der Umwelt erkennen wir wieder überregional gleichartige Verhaltensweisen“, so Sonja Grimm.

Publikation

S. B. Grimm, Resilience and Re-organisation of Social Systems during the Weichselian Lateglacial in Northwest-Europe. An evaluation of the archaeological, climatic, and environmental records. Dissertation Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2014.

Kontakt

Dr. Daniela Holst
Wissenschaftskommunikation
MONREPOS Archäologisches Forschungszentrum und
Museum für menschliche Verhaltensevolution
Schloss Monrepos
56567 Neuwied
Tel. 02631-977222
E-Mail: holst(at)rgzm.de

Sonja Grimm, M.A.
MONREPOS Archäologisches Forschungszentrum und
Museum für menschliche Verhaltensevolution
Schloss Monrepos
56567 Neuwied
Tel. 02631-9772240
E-Mail: grimm(at)rgzm.de

MONREPOS ist eine Einrichtung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Forschungsinstitut für Archäologie, Mitglied der Leibniz Gemeinschaft
www.monrepos-rgzm.de

Weitere Informationen:

http://web.rgzm.de/ueber-uns/presse/pressemitteilungen/pm/article/change-yes-we-...

Daniela Holst | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät
21.09.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Der Salzwasser-Wächter auf der Darßer Schwelle
19.09.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften