Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremer Geografen beenden Tiefbohrung in Patagonien

19.01.2009
Sedimentkerne liefern Klimainformationen aus bislang unerforschten Zeitabschnitten für Südamerika.

Als in Deutschland der Sommer 2008 zu Ende ging, brachen Wissenschaftler der Universität Bremen zusammen mit einem internationalen Team in den beginnenden Frühling zur anderen Seite der Erdkugel auf, um in der Steppe Südamerikas eine Tiefbohrung in einem ungewöhnlichen Kratersee zu realisieren.

Das Projekt PASADO (Potrok Aike Maar Lake Sediment Archive Drilling Project) soll durch die Analyse von Sedimentkernen Informationen über die Entwicklung des Klimas vom Höhepunkt der letzten Vereisung bis heute liefern und ist eines von drei deutschen Projekten in Binnenseen, die vom "International Continental Scientific Drilling Program" (ICDP) gefördert werden.

"Die Rekonstruktion von Klimaänderungen in weit zurückliegende Zeiten ermöglicht uns, ein besseres Verständnis über die aktuell ablaufenden Klimaveränderungen zu erhalten", erklärt der Leiter des Projektes Professor Bernd Zolitschka vom Institut für Geographie der Universität Bremen. Für die Trockensteppe im Süden von Argentinien sind Informationen über die Entwicklung des Niederschlages besonders wichtig, da schon ein sehr geringer Rückgang ausreicht, um weite Gebiete in Halbwüsten zu verwandeln.

Diese Gebiete sind dann für die landwirtschaftliche Nutzung verloren. Die über 100 m mächtigen Ablagerungen, die sich am Grund des Steppensees Laguna Potrok Aike im Laufe der Jahrtausende angesammelt haben, archivieren Klimainformationen und konnten nun nach mehrjähriger Vorbereitung erstmals erbohrt werden. Möglich wurde diese 1,5 Millionen Euro teure Tiefbohrung nur durch die enge Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern an Universitäten und Forschungseinrichtungen, u. a. dem Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und der auf Seebohrungen spezialisierten Bohrfirma DOSECC aus Salt Lake City (USA).

"Der logistische Aufwand war immens, da die aus elf Containern bestehende und 60 t schwere Bohrplattform aus Salt Lake City in die menschenleere Steppe Patagoniens transportiert, dort zusammengebaut und zu Wasser gelassen werden musste", konstatiert Dr. Christian Ohlendorf, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geographie der Universität Bremen.

Von der schwimmenden Bohrplattform konnten Sedimentkerne mit einer Gesamtlänge von mehr als 500 m geborgen werden. Erste physikalische und geochemische Untersuchungen an den Proben wurden bereits vor Ort im eigens eingerichteten Geländelabor durchgeführt. Die Arbeiten auf der Bohrplattform und im Labor erfolgten rund um die Uhr im Rhythmus von zwölf-stündigen Schichten und unter zum Teil schwierigsten Witterungsbedingungen. Mehrfach geriet die Bohrplattform bei orkanartigen Stürmen in Seenot und Teile der Ausrüstung mussten aufgegeben werden. Eine Erschwernis, die das Team von insgesamt 34 Wissenschaftlern aus zehn Nationen jedoch nicht von ihrer Arbeit abschrecken konnte. "Auch wenn aufgrund der extremen Witterungsbedingungen nicht so tief gebohrt werden konnte, wie wir es uns erhofft hatten, betreten wir mit jedem Meter Sediment, der unter größtem Einsatz vom Seegrund zu Tage gefördert wurde, wissenschaftliches Neuland für diesen Teil unserer Erde", fasst Prof. Dr. Bernd Zolitschka am Ende die Bohraktivitäten zusammen.

Zurzeit befinden sich die Sedimentkerne noch im Kühlcontainer auf dem Transport von Argentinien nach Bremen. Bei allen beteiligten Wissenschaftlern, die dieses natürliche Archiv in den kommenden Jahren intensiv auswerten werden, wächst die Spannung, je näher die Beprobung der frisch gewonnenen Kerne im GEOPOLAR-Labor in Bremen rückt. Sie ist für das kommende Frühjahr vorgesehen.

Ein Faltblatt mit allgemeinen Informationen zum Projekt ist von der Website http://www.pasado.uni-bremen.de/Files/Flyer(german).pdf herunterladbar. Darüber hinausgehende Informationen können von der Website http://www.pasado.uni-bremen.de abgerufen werden.

Kontaktadresse für Detailinformationen:

Universität Bremen
GEOPOLAR, Institut für Geographie
Prof. Dr. Bernd Zolitschka
Tel.: 0421-218-2158 (direkt) bzw. 0421-218-2165 (Sekretariat)
Fax: 0421-218-9658
E-Mail: zoli@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.pasado.uni-bremen.de
http://www.pasado.uni-bremen.de/Files/Flyer(german).pdf
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie