Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremer Forschungsinstitute installieren neues Tiefseeobservatorium in der Arktis

11.08.2009
Drei Forschungsinstitute aus dem Land Bremen haben während der 24. Arktis-Expedition des Forschungsschiffes Polarstern vom 10. Juli bis 3. August eine Beobachtungsstation für Langzeituntersuchungen an einem Schlammvulkan in der norwegischen Tiefsee aufgebaut.

Die Arbeiten sind Bestandteil des von der Europäischen Union geförderten Projekts ESONET (European Seas Observatory NETwork) und sollen in den kommenden Jahren Aufschluss über die zeitliche Dynamik und die Auswirkungen von Gasausbrüchen, beispielsweise auf die Lebensgemeinschaften am Meeresboden, geben.

Ein weiteres Untersuchungsgebiet war ein Tiefseeökosystem westlich von Spitzbergen, der so genannte Hausgarten des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft. 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Nationen waren an den Forschungsarbeiten an Bord von Polarstern beteiligt.

Die Framstraße zwischen Ostgrönland und Spitzbergen ist die einzige Tiefwasserverbindung zwischen dem Nordatlantik und dem zentralen Arktischen Ozean. Hier befindet sich der Hausgarten, an dem das Alfred-Wegener-Institut bereits seit 1999 an einem Observatorium Langzeitbeobachtungen durchführt. Es besteht aus sechzehn Einzelstationen in 1000 bis 5500 Metern Tiefe. Nach über einem Jahrzehnt systematischer Forschung können die Forscherinnen und Forscher bereits deutlich Veränderungen erkennen. So hat sich seit 1999 die Wassertemperatur in 2500 Metern Tiefe um ein Zehntel Grad Celsius erhöht. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass die Sauerstoffsättigung an der Grenzschicht zwischen Meeresboden und Wasser abgenommen hat und dass sich die Zusammensetzung der Tiergemeinschaft unerwartet rasch verändert.

"Ob wir hier in mehreren tausend Metern Wassertiefe tatsächlich schon die Auswirkungen des rasanten Wandels in der Arktis beobachten, oder ob wir Zeugen natürlicher Veränderungen sind, die sich auf Zeitskalen von mehreren Jahrzehnten abspielen, wird sich erst nach Auswertung unserer Daten und weiteren Untersuchungen herausstellen", so Dr. Michael Klages, Biologe am Alfred-Wegener-Institut und wissenschaftlicher Leiter der Expedition. Das Forschungsprogramm im Hausgarten trägt auch zu weiteren von der Europäischen Union geförderten Projekten bei. So wurden zum Beispiel auch Arbeiten in flacheren Meeresgebieten durchgeführt, die in Abstimmung mit norwegischen Instituten im Rahmen eines von der Firma StatoilHydro finanzierten Projekts untersucht werden.

Die Errichtung des Langzeitobservatoriums LOOME (Long Term Observation of Mud Volcano Eruptions) war ein weiterer Schwerpunkt der Expedition. Ziel des Observatoriums ist es, den Hakon Mosby Schlammvulkan am norwegischen Kontinentalrand hinsichtlich seiner im Inneren ablaufenden Prozesse besser zu verstehen. Der Schlammvulkan mit einem Durchmesser von ungefähr 1,5 Kilometern liegt in 1250 Metern Wassertiefe in der südwestlichen Barentssee. Schlamm, Gase und Wasser werden aus einer Tiefe von etwa drei Kilometern im Zentrum des aktiven Schlammvulkans an die Meeresbodenoberfläche gepresst. Der Ausstrom nimmt in Richtung der äußeren Bereiche dieser Struktur ab. Genau dort finden sich Methangashydrate im Boden, die zur Stabilisierung dieser Zone beitragen. Frühere Untersuchungen des Alfred-Wegener-Instituts, des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie und des französischen Instituts IFREMER zeigen, dass der Ausstrom die Verteilung von Lebensgemeinschaften, die Stabilität der Gashydrate sowie deren Freisetzung kontrolliert. Mit der Errichtung des Observatoriums soll über die kommenden Jahre der Schlammvulkan hinsichtlich plötzlicher Gasfreisetzungen beobachtet und mögliche Auswirkungen auf das Gashydratsystem, die Bodenbeschaffenheit und die am Rand des Schlammvulkans lebenden Organismen untersucht werden. "Das Ausbringen des Observatoriums ist ein wichtiger Meilenstein im Projekt ESONET", erklärt Dr. Dirk DeBeer, Koordinator des Projekts vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. "Mit Hilfe aller am Projekt beteiligten Partner konnte die komplizierte Konstruktion wie geplant installiert werden und zeigt ein weiteres Mal, welche wichtige Komponente die gute Zusammenarbeit der beteiligten Institute für die europäische Meeresforschung darstellt", so DeBeer weiter.

Für die wissenschaftlichen Arbeiten in den Untersuchungsgebieten war die Verfügbarkeit eines ferngelenkten Unterwasserfahrzeugs, einem so genannten ROV (Remotely Operated Vehicle) erforderlich. Zum zweiten Mal nach 2007 war daher der Tiefseeroboter MARUM-QUEST des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) an der Universität Bremen mit an Bord von Polarstern. "Diese Reise erforderte die bisher vielfältigsten wissenschaftlich-technischen Anforderungen an das ROV und meine Mannschaft", erklärt Dr. Volker Ratmeyer, Leiter des MARUM-QUEST. "Ich denke, wir konnten auf dieser Reise zeigen, dass auch in Deutschland die Bearbeitung derartig komplexer Aufgaben, wie die Installation von Tiefseeobservatorien oder die Bergung von schwerem Gerät, möglich ist", so Ratmeyer weiter. Klages ergänzt: "Es ist schon beeindruckend zu sehen, welche Kompetenz in den letzten Jahren in Bremerhaven und Bremen zusammengewachsen ist und was wir mittlerweile in der Tiefseeforschung erreichen können, wenn wir unsere hervorragende Infrastruktur gemeinsam in Projekte einbringen."

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der sechzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Von der Bottnischen See bis ins Kattegat – Der Klimageschichte der Ostsee auf der Spur
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Einfluss der Sonne auf den Klimawandel erstmals beziffert
27.03.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz