Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biokohle als Bodenverbesserer kann Erträge in Westafrika steigern

15.10.2015

In Westafrika ziehen zahlreiche Bauern in die Städte und bewirtschaften dort Böden, die oft nicht besonders ertragreich sind. Das internationale Team vom Projekt „Urban Food Plus“, das Prof. Dr. Bernd Marschner von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) koordiniert, sucht unter anderem nach Wegen, um die Ernteerträge zu steigern. In ihren Versuchen hat sich Biokohle als probates Mittel herausgestellt. Sie lässt sich kostengünstig aus Ernterückständen herstellen. RUBIN, das Wissenschaftsmagazin der RUB berichtet.

Größere Salatköpfe auf Böden, die mit Biokohle angereichert sind


Verkohlte Biomasse, auch Biokohle genannt, kann aus Ernteresten hergestellt werden und den Boden fruchtbarer machen.

© RUBIN, Foto: Gorczany

„Wasser ist in Westafrika der limitierende Faktor Nummer eins für die Landwirtschaft“, sagt Dr. Volker Häring vom Lehrstuhl für Bodenkunde und Bodenökologie. An zweiter Stelle kommt die Bodenfruchtbarkeit; der sandige Untergrund kann Nährstoffe in der Regel nur schlecht speichern. Biokohle fungiert als Bodenverbesser; sie sorgt dafür, dass Nährstoffe besser haften bleiben, und verbessert den Wasserhaushalt. In einem Feldversuch unter kontrollierten Bedingungen in Ouagadougou, Burkina Faso verglichen die Forscher Erträge auf Böden, die mit Biokohle angereichert waren oder unbehandelt blieben. Salatköpfe, die auf den angereicherten Böden wuchsen, erzielten ein höheres Gewicht.

Ein Vorteil für das Klima: mehr Kohlenstoff stabil speichern

Ein weiterer Vorteil des Bodenverbesserers: Bei der Herstellung von Biokohle wird immerhin die Hälfte des Kohlenstoffs aus dem organischen Material stabil gespeichert. Üblicherweise werden Erntereste verbrannt oder im Lauf der Zeit auf natürlichem Weg zersetzt. Der überwiegende Teil des Kohlenstoffs entweicht dabei in die Atmosphäre, geht dem Boden als Ressource verloren und schadet in Form von CO2 dem Klima.

Nächster Schritt: Biokohle im Praxistest

Nun möchte das Team herausfinden, ob die Bauern in Ghana und Burkina Faso auch in der Praxis mit der Biokohle zurecht kämen. Sie stellten ihnen günstig zu beschaffende Öfen für die Biokohleproduktion zur Verfügung. Kostenlosen Pflanzenabfall wie Reishülsen oder Reste von Maiskolben können sie so in sauerstoffarmer Atmosphäre in Biokohle umwandeln und in die Felder einbringen. Nach der Ernte werden die Forscher auswerten, ob die Biokohle auch unter diesen Bedingungen höhere Erträge bewirkt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Bauern in Westafrika bewässern ihre Felder häufig mit Abwasser, das stark mit Bakterien und Wurmeiern belastet ist. RUB-Forscher vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik testen Biokohle als Filtermaterial, um die Schadstoffe zu entfernen. Das „Urban Food Plus“-Team erprobt auch Wege, um das Filtermaterial wieder von den Schadstoffen zu befreien und anschließend als Bodenverbesserer einzusetzen. Am Projekt beteiligt ist außerdem der RUB-Lehrstuhl für Entwicklungsforschung, dessen Team analysiert, ob die Maßnahmen ökonomisch sinnvoll und somit wirklich nachhaltig sind. Die Bochumer kooperieren in dem Projekt mit Partnern der Universitäten in Kassel, Göttingen und Freiburg sowie mit 14 afrikanischen Institutionen und zwei internationalen Agrarforschungsinstituten.

Ausführlicher Beitrag im Netz

Ein ausführlicher Beitrag inklusive Bildmaterial findet sich im Onlinemagazin RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der RUB: http://rubin.rub.de/de/mehr-salat-dank-biokohle. Text und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke frei verwendet werden. Sie möchten über neu erscheinende RUBIN-Beiträge auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie unseren Newsfeed unter http://rubin.rub.de/feed/rubin-de.rss.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Bernd Marschner, Bodenkunde und Bodenökologie, Fakultät für Geowissenschaften der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22108, E-Mail: bernd.marschner@rub.de

Dr. Volker Häring, Bodenkunde und Bodenökologie, Fakultät für Geowissenschaften
Fakultät für Geowissenschaften der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23439, E-Mail: volker.haering@rub.de

Angeklickt

Projekt-Webseite
http://www.urbanfoodplus.org

Dr. Julia Weiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Satelliten erfassen Photosynthese mit hoher Auflösung
13.10.2017 | Max-Planck-Institut für Biogeochemie

nachricht Erforschung des grönländischen 79°-Nord-Gletschers
12.10.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ auf der COMPAMED 2017

18.10.2017 | Messenachrichten