Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

BGR-Forscher erkunden marine Umwelt im Manganknollen-Lizenzgebiet

23.03.2012
Meeresforscher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) brechen mit ihren französischen Kollegen vom Institut IFREMER aus Brest am 29. März 2012 von Manzanillo (Mexiko) zu einer Expedition mit dem Forschungsschiff "L'Atalante" in den Zentralpazifik auf.

Ihr Ziel: der Manganknollengürtel zwischen Hawaii und Mexiko. Im deutschen und im französischen Manganknollen-Lizenzgebiet wollen die Wissenschaftler die Umweltbedingungen in 5000 Meter Tiefe untersuchen, um Aufschlüsse über mögliche Auswirkungen einer potentiellen Rohstoffgewinnung zu erhalten.


Seegurke über Manganknollenfeld in 4200 m Tiefe
Foto: BGR


Manganknollen
Foto: BGR

„Manganknollen sind eine Rohstoffquelle der Zukunft, die Auswirkungen eines möglichen zukünftigen Abbaus auf das Ökosystem der Tiefsee sind bislang aber nur in Ansätzen erforscht", erklärt BGR-Expeditionsleiter Dr. Carsten Rühlemann. „Umso wichtiger sind Kenntnisse über die marine Umwelt, um eine nachhaltige Nutzung und einen wirkungsvollen Schutz der Tiefsee zu gewährleisten. Dies gilt besonders für den Artenreichtum der Tierwelt in den ausgedehnten Knollenfeldern unter den extremen Bedingungen der Tiefsee mit völliger Dunkelheit, frostiger Kälte und enormem Druck", erläutert der BGR-Meeresgeologe.

Der Fokus der Forschungskampagne liegt deshalb auf einer umfangreichen Bestandsaufnahme der Bodenlebewesen. Mit Hilfe von sogenannten Kastengreifern werden 50 x 50 cm große Proben des Meeresbodens mit den darin lebenden Tieren ausgestanzt und an Bord gehoben. Außerdem sollen mit speziellen Geräten Boden- und Wasserproben aus der Tiefsee entnommen werden, um die Sauerstoff-, Nährstoff- und Metallkonzentrationen des Wassers zu bestimmen. „Wir erhoffen uns von der Auswertung der Proben Erkenntnisse darüber, wie viele Arten es gibt, wie sie verteilt sind und wie groß das Verbreitungsgebiet ist", sagt Rühlemann.

Die Expedition umfasst zwei Abschnitte. Nach Erkundungsarbeiten im deutschen Lizenzgebiet werden die gleichen Untersuchungen auch im 1300 km entfernten französischen Lizenzgebiet durchgeführt und die Ergebnisse miteinander verglichen. Rühlemann: „Die Untersuchungen während der letzten Expedition im Jahr 2010 haben bereits gezeigt, dass einige Arten die Tiefsee weiträumig bewohnen und dass eine Wiederbesiedlung im Falle eines Abbaus der Manganknollen nicht durch Wanderbarrieren beeinträchtigt würde. Ob dies auch für weitere Arten zutrifft, wollen wir mit Hilfe der Untersuchungen in beiden Lizenzgebieten überprüfen."

Im Blickpunkt der Expedition stehen aber nicht nur Umweltaspekte, sondern auch Rohstofffragen. Die Forscher wollen weitere grundlegende Daten zur Beurteilung der potentiellen Manganknollen-Lagerstätte sammeln. Untersucht wird, wie groß die Vorkommen sind, wo die größten Knollenkonzentrationen liegen und wie wirtschaftlich eine mögliche spätere Förderung der Rohstoffe ist.

Mit an Bord des französischen Forschungsschiffes sind neben den BGR- und IFREMER-Wissenschaftlern auch Kollegen des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und des Deutschen Zentrums für Biodiversitätsforschung (DZMB) am Senckenberg-Institut in Wilhelmshaven. Unter den insgesamt 44 Forschern der Expedition sind außerdem Experten aus Großbritannien, Russland und der Schweiz.

Für die BGR-Meeresforscher ist es die vierte Fahrt ins deutsche Manganknollen-Lizenzgebiet. Grundlage dafür ist ein im Jahr 2006 zwischen der Internationalen Meeresbodenbehörde und der BGR geschlossener Vertrag, der Deutschland das exklusive Recht gibt, auf einem Meeresareal von 75.000 km2 Größe in rund 5.000 Meter Tiefe 15 Jahre lang den Bestand der rohstoffreichen Manganknollen zu erfassen.

Die Manganknollen-Vorkommen waren bereits vor rund 30 Jahren ein Rohstoff-Thema. Die in der Tiefsee verbreiteten Knollen wurden während der 1970er- und 1980er-Jahre als eine neue, bisher nicht genutzte Quelle für verschiedene Metalle wie Kupfer, Kobalt und Nickel entdeckt. Nach Jahren intensiver Forschungstätigkeit erschien ein submariner Abbau greifbar nahe. Ein Konsortium mit Beteiligung deutscher Firmen erwarb daher 1984 eine Förderlizenz im zentralen Pazifik. Allerdings verhinderte damals ein unerwarteter Preisverfall bei Metallrohstoffen den Beginn der kommerziellen Gewinnung von Manganknollen und die Lizenz erlosch.

Angesichts teilweise dramatisch steigender Rohstoffpreise gewinnen die Manganknollen erneut an Aktualität. „Vor diesem Hintergrund ist das Vorhaben auch eine Maßnahme der strategischen Zukunftsvorsorge. Durch die frühzeitige Forschungstätigkeit der BGR wird ein Beitrag zur künftigen Rohstoffsicherung unseres Landes geleistet“, so BGR-Wissenschaftler Rühlemann.

Andreas Beuge | idw
Weitere Informationen:
http://www.bgr.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

nachricht Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Bewohner der Arktis aus?
18.05.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie