Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bewährungsprobe in stürmischer See

23.07.2009
In Bremen entwickeltes Meeresboden-Bohrgerät erfolgreich im Südatlantik eingesetzt

Während einer dreiwöchigen Ausfahrt mit dem Forschungsschiff METEOR im Südatlantik haben MARUM-Wissenschaftler das von ihnen entwickelte Meeresboden-Bohrgerät "MeBo" mit einem neuem Bohrverfahren erstmals erfolgreich eingesetzt.

Trotz widriger Wetterbedingungen gelang es, das zehn Tonnen schwere High-Tech-Gerät mehrfach in Wassertiefen bis zu 1.200 Metern abzusetzen und weit mehr als 100 Meter Meeresblagerungen zu erbohren.

Meeresablagerungen stellen ein ausgezeichnetes Umwelt- und Klimaarchiv unseres blauen Planeten dar, das Jahrmillionen in die Vergangenheit zurück reicht. Daher sind Sedimentproben Rohstoff für vielfältige wissenschaftliche Fragestellungen. Indes konnten längere Abfolgen des Sediments bislang nur durch den sehr teuren Einsatz spezieller Bohrschiffe gewonnen werden. Alternativ können die Forscher auf Sedimentkerne zurückgreifen, die aus dem Meeresboden gestanzt werden, aber den Nachteil haben, dass sie sehr kurz sind.

"Wir wollten eine flexible Lösung und haben daher am MARUM mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Landes Bremen das Meeresbodenbohrgerät MARUM-MeBo entwickelt", sagt Expeditionsleiter Prof. Gerold Wefer. "Ich bin sehr froh, dass das Gerät seine Bewährungsprobe nach einer längeren Testphase so erfolgreich bestanden hat."

Tatsächlich kann der sechs Meter hohe Bohrturm von größeren Forschungsschiffen wie der METEOR in Wassertiefen von bis zu 2.000 Meter am Meeresboden abgesetzt werden. MARUM-MeBo kann sowohl lockere Sedimente als auch feste Gesteine erbohren. "Das Gerät ist dabei mit einer Art Nabelschnur mit dem Mutterschiff verbunden", sagt Projektleiter Dr. Tim Freudenthal. "Über dieses stahlarmierte Spezialkabel schicken wir Steuersignale in die Tiefe. Umgekehrt empfangen wir Videobilder vom Meeresboden und können den Bohrfortschritt überwachen."

Das MARUM-Team nutzte die Expedition auch, um die Abläufe rund um das Bohrgerät zu optimieren. So wurden mit einer neuen Methode, dem sogenannten Seilkernverfahren, Bohrgeschwindigkeiten und Kerngewinn optimiert. "Die mit 50 Metern tiefste Bohrung konnten wir innerhalb von nur 24 Stunden durchführen", sagt Dr. Freudenthal. "Das war auch notwendig, denn auf der Südhalbkugel ist jetzt Winter. Die Wind- und Strömungsbedingungen waren daher auch nicht immer einfach", berichtet MARUM-Direktor Prof. Wefer.

In den kommenden Monaten werden die Proben vom Meeresgrund in den Bremer Labors näher untersucht. Sie sollen Aufschluss geben über die Ablagerungsverhältnisse im Mündungsbereich des Rio de la Plata, der vor Buenos Aires sage und schreibe pro Jahr rund 80 Millionen Tonnen Erosionsmaterial* vom südamerikanischen Kontinent in den Atlantik spült.

Für Gerold Wefer und Tim Freudenthal steht fest: "Die METEOR-Expedition hat den Vorteil eines transportablen Meeresboden-Bohrgeräts bewiesen." Das schlägt auch in der Einsatzplanung des MARUM-MeBo nieder: es ist für die nächsten zwei Jahre ausgebucht.

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de/Meeresboden_Bohrgeraet_MeBo.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Einblicke unter die Oberfläche des Mars
21.07.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Tauender Permafrost setzt altes Treibhausgas frei
19.07.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten