Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Betten neu ausrichten? - Die Erdmagnetische Karte von Deutschland erscheint

09.03.2010
Über dies und anderes mag man sich am 10. März 2010, 11 Uhr, bei der Präsentation der neuen Erdmagnetische Karte von Deutschland Gedanken machen. Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik stellt im Geozentrum Hannover seine neue Karte vor, welche die Anomalien des erdmagnetischen Totalfeldes zeigt.
Das Erdmagnetfeld, nach dem sich die Kompass-Nadel ausrichtet, wird durch magnetische Störkörper im Untergrund geringfügig verändert. Die dadurch entstehenden Abweichungen sind in der Karte als Anomalien dargestellt.

Die Anomalien weisen Werte zwischen -700 nT* und +1200 nT auf und sind damit um ein Vielfaches kleiner als das normale erdmagnetische Totalfeld, welches hier bei ca. 49000 nT liegt und überall präsent ist.

Es braucht also niemand sein Bett wegen der Anomalien und wegen des Magnetfeldes überhaupt zu verschieben ;-) . Dennoch, die neue Karte wird für die geowissenschaftliche Grundlagenforschung benötigt, denn die dargestellten Anomalien haben ihren Ursprung im Gestein der Erdkruste, so dass sie in enger Beziehung zu geologischen Strukturen stehen. Auch Energieversorger und Erzsucher haben an dieser besonderen Übersichtskarte Interesse.

Und schließlich die Ornithologen der Universität Frankfurt, sie ließen sich schon frühzeitig Kartenausschnitte für ihre Forschungsarbeiten zum Zug von Vögeln geben. Indirekt wird die Karte auch die Kenntnisse über die Tiefe Geothermie erweitern können, denn die Curie-Temperatur von ca. 580°C stellt eine Art Obergrenze für die Magnetisierbarkeit von Gesteinen dar, die etwa in 25 km Tiefe liegt. Sie birgt damit die Chance, Informationen über den Wärmefluss aus der Erde zu gewinnen.

*nT Nano-Tesla, Maß für Stärke des Magnetfelds

Mit wissenschaftlicher Hartnäckigkeit, wie sie für die Kompilation großer Kartenwerke notwendig ist, aber auch mit einer guten Portion Mathematik und Physik, ist es gelungen einen Flickenteppich aus kleinräumigen Einzelergebnissen, Messkampagnen und Befliegungen zu einem nahtlosen Gesamtbild zusammenzufügen. Zusammen mit den Geophysikern des Leibniz-Instituts in Hannover haben die Wissenschaftler der Geophysik GGD mbH, Leipzig, entscheidend zum Entstehen der Karte beigetragen.

Die offizielle Bezeichnung Karte, die demnächst auch im Buchhandel zu erwerben ist, lautet: "Anomalien des erdmagnetischen Totalfeldes in der Bundesrepublik Deutschland 1:1.000.000 (DGRF 1980.0, 1000 m NN)" Die Autoren sind: Dr. G. Gabriel, D. Vogel, Dr. R. Scheibe. Weitere Beiträge zur Karte erbrachten: Dr. T. Wonik, R. Pucher und Prof. Dr. Krawczyk. Von mehreren Landes- und Bundesbehörden wurden Magnetik- und Topographiedaten für die Gesamtdarstellung beigesteuert: Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt, Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie sowie vom Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik.

Die Datenbasis:
Die Grundlage für den homogenisierten Datensatz bilden 67 regionale See-, Boden- und Aeromessungen, die zwischen 1961 und 2008 durchgeführt wurden. Das Kernstück für die westlichen Bundesländer ist die Befliegung durch Prakla-Seismos zwischen 1965 und 1971. Die Messungen in den östlichen Bundesländern wurden durch den VEB Geophysik realisiert. Das LIAG (bzw. seine Vorgängereinrichtungen) hat seit 1985 systematisch ergänzende Messungen selber vorgenommen oder in Auftrag gegeben.
Die Messgeräte:
Zur Messung des Magnetfeldes wurden zunächst Protonenmagnetometer verwendet, heute werden routinemäßig auch Cäsium-Magnetometer in Kombination mit GPS-Positionierung in eigens dafür ausgestatteten Hubschraubern eingesetzt.
Der Ausblick:
Ergänzend zur Karte des Erdmagnetfelds in Deutschlands wird im LIAG auch an einer Schwerekarte (Gravimetrie) im gleichen Maßstab gearbeitet. Diese gibt Auskunft über die Variation in der Erdbeschleunigung ("Erdanziehungskraft"). Diese beträgt nicht überall genau 9,81 m/s², sondern wird auch durch die Gesteine im Untergrund geringfügig, aber bis zur achten Nachkommastelle messbar, verändert.
Das Institut:
Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik mit Sitz in Hannover, kurz LIAG, ist ein eigenständiges Forschungsinstitut. Es ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird als Einrichtung von überregionaler Bedeutung von Bund und Ländern gemeinsam finanziert.

Franz Binot | idw
Weitere Informationen:
http://www.liag-hannover.de
http://www.liag-hannover.de/methodenforschung-sektionen/seismik-potenzialverfahren/forschungsfelder/gravimetrie-magnetik/magnetikkarte.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel
23.05.2018 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

nachricht PM des MCC: CO2-Entzug aus Atmosphäre für 1,5-Grad-Ziel unvermeidbar
23.05.2018 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics