Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Berner Geologe hilft bei der Datierung eines neuen Urmenschen

09.04.2010
In Südafrika entdeckten Forscher das Bindeglied zwischen dem Australopithecus und den ersten Hominiden: Die neue Spezies erhält den Namen "Australopithecus sediba". Prof. Jan Kramers vom Institut für Geologie der Universität Bern datierte die Kalksinterschicht unterhalb der fossilhaltigen Schicht auf rund 2 Millionen Jahre. Die Fossilien haben somit ein Alter von maximal 1.95 Millionen Jahren. Die neusten Erkenntnisse erscheinen jetzt im "Science".

Vor rund zwei Jahren fanden südafrikanische Forscher in einer kleinen Höhle innerhalb des UNESCO Weltnaturerbes "Cradle of Humankind" in Südafrika fossile Knochen von zwei Urmenschen. Sie stammen aus der Familie Hominidae, der menschenähnlichen Primaten. Bereits damals vermuteten die Wissenschaftler, dass es sich um spezielle Fossilien handeln könnte. Die Altersbestimmung einer Kalksinterschicht durch Prof. Jan Kramers vom Institut für Geologie der Universität Bern brachte die entscheidenden Erkenntnisse. Später bestätigte Robyn Pickering, ehemalige Doktorandin an der Universität Bern, die Messungen in Melbourne, Australien.

Datierung im Berner Labor
Eine Probe der Sinterschicht des Fundortes wurde mit der Uran-Blei-Methode im Labor in Bern datiert und weist das Alter von 2.026 ±0.021 Millionen Jahren auf. Somit können die Fossilien, welche in der darüberliegenden Schicht gefunden wurden, nicht älter sein. Ein Schlammstrom begrub die Fossilien in der Höhle. Aufgrund paläomagnetischer Daten hat diese Schicht ein Alter von 1.95 bis 1.78 Millionen Jahren. Das jüngste zuverlässig datierte Fossil eines Australopithecus africanus ist der als "Mrs Ples" bekannte, zwei Millionen Jahre alte Schädel aus der Sterkfontein-Fossillagerstätte. Der Homo habilis hat gemäss Datierungen in Ostafrika vor 1.9 bis 1.6 Millionen Jahren gelebt.
Neues Bindeglied zwischen Australopithecus und ersten Hominiden
Die ersten Skelettfragmente des "Australopithecus sediba" entdeckten die südafrikanischen Forscher um Prof. Lee R. Berger von der Universität Witwatersrand im Jahr 2008 bei der Fundstelle "Malapa", etwa 15 Kilometer nordöstlich von Sterkfontein, Südafrika. Die Fossilien stammen einerseits von einem fast ausgewachsenen Kind und andererseits von einer erwachsenen Person. Aussergewöhnlich am Fund des Kindes ist, dass das Skelett fast vollständig ist. Anhand der Knochen, der Schädel und der Zähne können die Forscher Rückschlüsse auf die Entwicklung ziehen. Die Fossilien ähneln zum einen dem Homo habilis und könnten somit direkte Vorfahren sein. Zum anderen gibt es Hinweise, dass die Fossilien eindeutig Nachfahren des Australopithecus africanus sind. Die neue Urmensch-Spezies trägt den Namen Australopithecus sediba, was in der südafrikanischen Sesotho-Sprache "Quelle" bedeutet.
Gefangen und begraben
Das Höhlennetzwerk "Cradle of Humankind" hat eine Ausdehnung von 100 mal 500 Metern. Einige der Hohlräume sind 25 bis 30 Meter tief. Die Eingänge entstanden entlang von senkrechten Rissen im Fels. Die Forscher vermuten, dass diese Eingänge zu Todesfallen für Lebewesen an der Oberfläche wurden: Tiere und Menschen könnten ihrem Instinkt auf der Suche nach Wasser gefolgt und in die senkrechten Schächte gefallen sein. Heftige Gewitter haben möglicherweise zur Überflutung des Höhlensystems geführt und die gefangenen Lebewesen verschüttet. Deshalb befinden sich die fossilienhaltigen Sedimente meist als Schlammkegel in der Nähe von Höhleneingängen.
Quellenangabe:
P.H.G.M. Dirks et al.: Geological Setting and Age of Australopithecus sediba from Southern Africa. Science 328, 205 (2010)

L. R. Berger et al.: Australopithecus sediba: A New Species of Homo-Like Australopith from South Africa. Science 328, 195 (2010)

Weitere Auskunft:
Prof. Jan Kramers
Department of Geology
University of Johannesburg, Auckland Park Kingsway Campus
Auckland Park 2006, Johannesburg, South Africa
Tel. +27 11 559 4755 (morgens)
Mail: jkramers@uj.ac.za
Skype: peglegjan (nachmittags)
Mobile: +27 76 045 1384 (am 8.4.)
Prof. Klaus Mezger
Institut für Geologie, Universität Bern
Baltzerstrasse 1+3, CH-3012 Bern
Tel. +41 (0)31 631 87 70 / 61
Fax +41 (0)31 631 48 43
Mail: mezger@geo.unibe.ch
Web: www.geo.unibe.ch

David Fogal | idw
Weitere Informationen:
http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2010/au...

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weniger Sauerstoff in allen Meeren
16.02.2017 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wie viel Biomasse wächst in der Savanne?
16.02.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten