Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Graduiertenkolleg erforscht Mechanismen der Evolution

16.04.2002


Vor 210 Millionen Jahren erblickte eine neue Tiergruppe das Licht der Welt, die Evolutionsbiologen noch heute Rätsel aufgibt: Die Schildkröten. Ganz plötzlich, quasi aus dem Nichts, scheinen sie aufgetaucht zu sein; es wurden bis heute kaum Fossilien von Übergangsformen gefunden - ganz anders als beispielsweise bei Vögeln, deren Entwicklung aus den Reptilien inzwischen zahlreiche Fossilfunde von Zwischenformen belegen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG fördert an der Universität Bonn ein neues interdisziplinäres Graduiertenkolleg, das sich mit den Mechanismen der Evolution auseinandersetzt. Am Freitag, dem 26. April, um 10 Uhr fällt im Goldfuß-Museum des Instituts für Paläontologie, Nußallee 8, der Startschuss.

Was ist der Grund dafür, dass die Schildkröten scheinbar so plötzlich auftraten? Wurde zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Evolution eine Art "genetischer Schalter" umgelegt, der ganz plötzlich eine Reihe von Veränderungen anstieß? Oder sind die Fossilfunde einfach unvollständig, beispielsweise, weil die Umweltbedingungen eine gute Konservierung der sterblichen Schildkrötenreste verhinderten? Fragen wie diesen geht der Graduiertenkolleg "Evolution und Biodiversität in Raum und Zeit" nach, in dem die Institute für Paläontologie, Evolutionsbiologie, Botanik und Zoologie kooperieren.

Ihr Wissen um die Entstehung der Arten leiten Evolutionsbiologen aus verschiedenen Informationsquellen ab. So verraten die Fossilfunde, zu welcher Zeit Tiere oder Pflanzen zum ersten Mal auftraten und wann sie ausgestorben sind. Merkmalsvergleiche zwischen heute lebenden Arten können Verwandschaftsverhältnisse belegen. So zählen die heute lebenden Tiere mit Federn alle zur Gruppe der Vögel; andererseits existieren Fossilfunde, bei denen gleichzeitig Dinosaurier- und Vogelmerkmale auftreten - ein Hinweise, dass sich beide Gruppen in der Evolution getrennt haben. Weitere Hinweise liefern Verhaltensforschung und - mit zunehmender Tendenz - Vergleiche der Erbsubstanz.

Die Nutzung dieser unterschiedlichen Quellen führt nicht immer zu denselben Schlussfolgerungen. Die Wissenschaftler des Graduiertenkollegs wollen daher Fossilfunde, äußere Merkmale und Ähnlichkeiten im Erbgut zunächst unabhängig voneinander untersuchen, um damit modellhaft die Verwandschaftsbeziehungen innerhalb verschiedener Tier- und Pflanzengruppen aufzuklären. Ein Vergleich der Ergebnisse soll dann zur Klärung zweifelhafter Annahmen beitragen. So können bei völlig verschiedenen Tiergruppen dieselben Merkmale auftreten, ohne dass sie miteinander verwandt sind - ähnlich wie beispielsweise im Automobilbau, wo man sich heute auf Stilmittel zurückbesinnt, die vor 50 oder 60 Jahren modern waren: Der "New Beetle" mag zwar dem alterwürdigen Käfer ähnlich sehen, hat aber - abgesehen von seiner Gestalt - viel mehr mit dem neuen Golf gemein. Erst die Berücksichtigung weiterer Merkmale führt daher zu einem korrekten Bild vom Ablauf der Evolution.

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Evolution Evolutionsbiologe Fossilfund Paläontologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie