Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mitteldeutsches Know-how für Südafrika

31.07.2007
Die Bergbauindustrie zählt zu den traditionsreichsten Wirtschaftszweigen Südafrikas. Infolge der Förderung von Gold, Diamanten, Kohle und anderen Rohstoffen wuchs das Land zum industriestärksten des Kontinents heran - eine Entwicklung, die vor allem für die Umwelt weit reichende Folgen hat.

Dazu zählen hauptsächlich morphologische und hydrogeologische Belastungen ehemaliger Abbaugebiete, die zum Teil große Mengen an Rückständen schädlicher Substanzen aufweisen. Zusammen mit südafrikanischen Ministerien und Forschungseinrichtungen will ein Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Wycisk vom Institut für Geowissenschaften ein Kooperationsprojekt initiieren, um Folgeschäden zu mindern oder zu vermeiden.

Seit 25 Jahren unternimmt Wycisk regelmäßig Lehr- und Forschungsreisen nach Ägypten; Jahr für Jahr war er an ein bis zwei Expeditionen mit internationalen Kooperationspartnern beteiligt. Aufgrund seiner Afrika-Erfahrung bekam Wycisk im Jahr 2005 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Auftrag, das Grundinteresse südafrikanischer Ministerien und Forschungsinstitutionen an gemeinsamen Projekten im Bereich Bergbau und Umwelt zu prüfen. "Wir sind uns der Probleme bewusst, die der Bergbau auch in Südafrika mit sich bringt. Also haben wir uns das Ziel gesetzt, ein Verbundprojekt zu initiieren", erklärt der Professor der Geowissenschaften. In einer Vorstufe wird derzeit die Interessenlage potenzieller Akteure erörtert. Außerdem möchte das Team klären, welche wissenschaftlichen Kompetenzen gebündelt werden können und wie diese mit einer längerfristigen Entwicklungsperspektive versehen werden können.

Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ausloten

Gerade in Südafrika ist dieses Unterfangen eine wissenschaftliche und methodische Herausforderung. "Das Land befindet sich seit einigen Jahren in einem Prozess des Umbruchs und in einer sich verändernden Situation des Bergbaus", erklärt Wycisk weiter. Wichtiges Anliegen des Vorprojektes ist der Aufbau einer partnerschaftlich entwickelten Forschungsstrategie, die durch die Beteiligten gleichermaßen getragen werden kann und dem jeweiligen Landesinteresse entspricht.

Die Koordination des Pilotprojektes erfolgt durch das Universitätszentrum für Umweltwissenschaften (UZU) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Beteiligung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig-Halle (UFZ) und des Chemnitzer Unternehmens WISUTEC GMBH. Die WISUTEC GmbH kann speziell in der industriellen Umsetzung jahrelange praktische Erfahrungen im Bereich der Sanierung von Bergbau- und Aufbereitungsstandorten vorweisen und beteiligt sich als Praxispartner. Wissenschaftliche Koordinationspartner in Südafrika sind im Rahmen dieses Vorprojektes das Council for Science and Industrial Research (CSIR), das Department of Water Affairs (DWAF) und das Water Resources Committee (WRC) sowie einer Reihe von Universitäten.

Orientierung an der mitteldeutschen Bergbaulandschaft

Die Interessen der deutschen Wissenschaftler liegen vor allem in der Bearbeitung umwelt- und geowissenschaftlicher Fragestellungen in neuen Anwendungsfeldern. "Im Laufe der vergangenen fünfzehn Jahre hat sich in Mitteldeutschland durch die umfangreichen Rekultivierungs- und Renaturierungsprojekte in ehemaligen Bergbaugebieten ein großes technisches und wissenschaftliches Wissen entwickelt", führt Wycisk aus. Vor allem in Ostdeutschland sei es nach der Wende zu umfangreichen Bergbausanierungen gekommen, um Umweltschäden zu begrenzen oder zu mindern. "Wissenschaftliche Studien untersuchten Folgen und entwickelten Lösungskonzepte, die durch Firmen wie der WISUTEC GmbH erfolgreich umgesetzt wurden. Nun wollen wir prüfen, ob und unter welchen Bedingungen dieses hohe Anwendungswissen auch auf Projekte in anderen Ländern methodisch übertragen werden kann."

Ferner soll das Vorhaben die Internationalisierungsbestrebungen der MLU vorantreiben, vor allem im Bezug zur Ausbildung der eigenen Studierenden. "Die wissenschaftliche Ausbildung kann sich nicht nur am nationalen Bedarf orientieren", meint der Geologe. Im internationalen Raum herrsche eine zunehmend große Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachabsolventen. "Wir können unsere Studierenden nur durch internationale Projekte mit den fachspezifischen Problemen in anderen Ländern vertraut machen. Vor ein paar Wochen rief in unserem Institut die Arbeitsagentur Leipzig an und bat um die Vermittlung von qualifizierten Absolventen der Geowissenschaften für den Arbeitsmarkt in Australien. Das zeigt doch, dass ein Mangel besteht und die Marke 'Made in Germany', zumindest im Wissenschaftsbereich, noch immer sehr attraktiv ist."

Text: Paolo Schubert

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Wycisk
Tel.: 0345 55 26134
E-Mail: peter.wycisk@geo.uni-halle.de

Carsten Heckmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Geowissenschaft Vorprojekt WISUTEC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Winzige Eisverluste an den Rändern der Antarktis können Eisverluste in weiter Ferne beschleunigen
11.12.2017 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik