Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Optimierte Klimaprognosen durch genauere Analyse der Vergangenheit

18.07.2007
Paläo-Klimaforschung der Uni Kiel stößt in neue Dimensionen vor

Damit der Klimawandel und seine Auswirkung auf die Zukunft genauer bestimmt werden können, müssen extreme Veränderungen in der Vergangenheit verstanden und untersucht werden. Für diese Grundlagenforschung in den Geowissenschaften wird es drei neue Großgeräte an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) geben:

einen XRF-Sedimentkern Scanner für das Institut für Geowissenschaften und zwei Massenspektrometer für das Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung. Die Anschaffungen in Höhe von über einer Million Euro stärken vor allem die Forschungsplattform "Tracer und Isotopenanalyse" des Kieler Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft", die allen beteiligten Wissenschaftlern zuarbeitet. Untersuchungen, die vorher vor allem im Ausland über Forschungskooperationen durchgeführt wurden, können nun an der Uni selbst angegangen werden. Dadurch ergeben sich für die Kieler Forscher Kooperationsmöglichkeiten mit Forschungseinrichtungen in ganz Europa. Bis Ende des Jahres werden die Geräte stehen, die eigens für die Kieler Uni gebaut werden. Mitte 2008 sollen sie dann eingemessen und für die Forschung einsatzbereit sein.

Mit den Geräten können die unterschiedlichen Klimasysteme der Kontinente und Ozeane effektiver miteinander verglichen werden. Dabei interessiert vor allem die Wechselwirkung zwischen Ozean und Landniederschlag. Durch Niederschlag wird ständig Landmaterial im Ozean eingeschwemmt, das sich dort - je nach Stärke des Niederschlags weniger oder mehr - ablagert. Zu diesen Untersuchungen werden bis zu 60 Meter lange Bohrkerne aus den Flussdeltas entnommen und von den Geräten auf ihre chemischen Bestandteile untersucht. Durch das Schwemmmaterial vom Land vermischen sich Informationen über Land- und Ozeanbedingungen. Die drei neuen Geräte an der Kieler Universität geben von verschiedenen Seiten Aufschluss über die klimatischen Verhältnisse, da jedes der Geräte auf bestimmte Bestandteile in der Probe spezialisiert ist. Mit bisherigen Messmethoden war es nur möglich, Erkenntnisse des Klimas in der Vergangenheit oftmals nur auf einige 100 Jahre genau zu erforschen. Mit den neuen Geräten können diese Analysen durch feinere Messverfahren weit genauer ausfallen, sogar auf Jahrzehnte genau. Extreme Klimaumschwünge in der Vergangenheit können also stärker eingegrenzt werden, ihr Anfangs- und Endpunkt, und auch Auslöser können dadurch besser ausgemacht werden.

"Wenn wir möglichst detaillierte Informationen über das Klima der vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausende sammeln, dann können wir mit diesen Ergebnissen die Simulationsmodelle, mit denen wir Prognosen für die Zukunft erstellen, testen und optimieren", so Professor Ralph Schneider. Denn Modelle, die extreme Zustände in der Vergangenheit selbstständig errechnen, sollten auch komplexe Zukunftsmodelle erstellen können. Die Genauigkeit der Geräte und auch der Standortvorteil in den eigenen Laboren ermöglichen zusätzlich einen hohen Durchsatz an neuen Proben und Untersuchungen.

Der XRF-Sedimentkern Scanner wird anhand der Röntgenfluoreszenzanalyse das Sediment nach seinen mineralischen Bestandteilen analysieren. Der Vorteil dieses Gerätes ist, dass der Sedimentkern, also das "Archiv" der Wissenschaftler, nicht für die Untersuchung aufgebrochen und somit zerstört werden muss. Der Scanner fährt wie ein Röntgengerät über die Probe und ermittelt die Daten. Das etwa drei Meter lange, voll ummantelte Gerät wird am Institut für Geowissenschaften untergebracht. Finanziert ist es zur Hälfte aus Landesmitteln, die andere Hälfte wird aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kommen.

Die zwei neuen Massenspektrometer werden zur Erweiterung der analytischen Ausstattung der Uni Kiel vom Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" finanziert. Sie analysieren die Isotopenzusammensetzung der Karbonate beziehungsweise die organischen Komponenten der Bohrkerne. Eines der Geräte erweitert den Bereich eines bereits vorhandenen Massenspektrometers im Leibniz-Labor der Uni Kiel, das zur Analyse von Kalkschalen in den Sedimentkernen verwendet wird. Diese Messungen liefern vor allem Ergebnisse zu den ozeanographischen und klimatischen Bedingungen der Vergangenheit, festgehalten in der isotopischen Zusammensetzung der Karbonate des maritimen Planktons und der Foraminiferen (fossile, schalentragende Amöben). Das zweite Gerät bestimmt organische Reste sowohl der marinen Biomasse als auch der terrestrischen Vegetation, also vorhandenes Pflanzenmaterial und seine isotopische Zusammensetzung. Aus den Analysen ergeben sich Hinweise zum Klima zur Zeit der Ablagerungen. Durch die Untersuchungen bekommt man Antworten auf Fragen wie: Wie warm war es, und wie viel Niederschlag gab es.

Die Klimaforschung ist auch ein Bestandteil im Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft". Dort forschen rund 120 Wissenschaftlern aus 26 Instituten der Christian-Albrechts-Universität, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der Muthesius Kunsthochschule. Ziele des Exzellenzclusters sind, den Ozeanwandel weiter zu erforschen, um so ein weltweites Management der Ozeane und mariner Ressourcen zu entwickeln.

Kontakt:

Professor Ralph Schneider
Institut für Geologie - Paläoozeanographie und Marine Paläoklimaforschung
Tel. 0431/880-1457, Fax: 0431/880-4376
E-Mail: schneider@gpi.uni-kiel.de
Dr. Nils Andersen und Professor Pieter M. Grootes
Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung (Sektion Physik)
Tel. 0431/880-7402, Fax: 0431 880-7401
E-Mail: nandersen@leibniz.uni-kiel.de, pgrootes@leibniz.uni-kiel.de

Susanne Schuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Expedition ans Ende der Welt
29.11.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lakkolithe können auch während eines Vulkanausbruchs entstehen
24.11.2016 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie