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Kernbohrung im Vogelsberg

18.07.2007
Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) stellte heute eine im Hohen Vogelsberg südöstlich des Hoherodskopfs gelegene Kernbohrung vor. "Ziel ist die Erforschung des inneren Aufbaus dieses größten geschlossenen Vulkangebietes von Mitteleuropa, das vor 14 bis 17 Millionen Jahren aktiv war", sagte der Präsident des HLUG, Dr. Thomas Schmid.

Die Bohrung dient u. a. der Unterstützung der geologischen Kartierung von Bl. 5521 Gedern, das zu dem vom HLUG herausgegebenen Geologischen Kartenwerk von Hessen gehört. Das Blatt Gedern ist eines der letzten sog. "weißen Blätter", d. h. ein Gebiet, das noch nie geologisch im Maßstab 1:25 000 kartiert wurde.

"Umfangreiche Untersuchungen im Bohrloch, an den gewonnenen Bohrkernen und im Umfeld der Bohrung in Kooperation mit verschiedenen Hochschulinstituten sowie dem Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in Hannover werden den Kenntnisstand über das Vulkangebiet des Hohen Vogelsbergs wesentlich voranbringen", betonte Schmid in seiner Begrüßungsrede.

Hintergrund:
Die Bohrung setzt in einer im Vogelsberg bisher unbekannten vulkanischen Gesteinsabfolge an. "Diese sog. trachytischen Tuffablagerungen sind das Produkt hochexplosiver Vulkanausbrüche, die verheerende Glutlawinen (Block- und Aschenströme) zur Folge hatten", sagte der für den Vogelsberg zuständige Landesgeologe des HLUG, Dr. Dieter Nesbor. Vergleichbare Vorgänge haben in historischer Zeit bis hin zur Gegenwart weltweit immer wieder stattgefunden, so z. B. auf verschiedenen Karibikinseln oder in Japan.

Vor dem damaligen Ausbruch stieg aus einer Magmakammer unter dem Vogelsberg eine über 700o C heiße Gesteinsschmelze an die Erdoberfläche auf. Dieses Trachyt-Magma war wegen seines hohen Kieselsäuregehalts extrem zähflüssig und bildete im Vulkankrater einen Lavadom, eine sog. Staukuppe. Durch nachströmende Gesteinsschmelze füllte diese den Krater langsam auf und schob sich über den Kraterrand hinaus, bis die überhängenden Teile abbrachen. Glutlawinen aus heißer Asche und bis zu mehrere Kubikmeter großen glühenden Gesteinsblöcken flossen mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h die Hänge des Vulkans hinunter. Bevorzugt folgten sie dem Verlauf von Tälern und füllten diese auf - wie hier südöstlich des heutigen Hoherodskopfs.

Unter dem damaligen subtropischen Klima verwitterten die Aschenanteile der Tuffablagerungen zu hellgrauem Ton. Wegen seiner Undurchlässigkeit fungiert dieser als Wasserstauer und ist daher für die Beurteilung der hydrogeologischen Verhältnisse in diesem Raum von besonderem Interesse - zumal das Grundwasser des Vogelsbergs einen wichtigen Beitrag sowohl zur regionalen als auch zur überregionalen Wasserversorgung leistet.

Helmut Weinberger | idw
Weitere Informationen:
http://www.hlug.de

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