Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausgrabungen am Vogelherd liefern spektakuläre neue Kunstwerke aus der Eiszeit

20.06.2007
Forscher aus Tübingen entdecken erste vollständig erhaltene Elfenbeinfigur

Archäologen aus Tübingen berichten im aktuellen Band des Jahrbuches Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg über die Entdeckung von fünf neuen Figuren aus der Eiszeit. Diese bemerkenswerten Funde aus der Vogelherdhöhle im Lonetal in Südwestdeutschland, die aus Mammutelfenbein geschnitzt sind, haben ein Alter von etwa 35.000 Jahren und gehören zu den ältesten und beeindruckendsten Beispielen figürlicher Kunst der Eiszeit.

Besonders spektakulär ist der Fund der ersten vollständigen Elfenbeinfigur von der Schwäbischen Alb, die ein sorgfältig geschnitztes Mammut darstellt. Unter den Figuren befinden sich darüber hinaus ein gut erhaltener Teil eines Löwen, ein Bruchstück eines zweiten Mammuts sowie Reste zweier noch nicht identifizierter Darstellungen.

Alle Neufunde stammen aus den Sedimenten der Höhle, die zuerst im Sommer und Herbst 1931 durch den Tübinger Archäologen Gustav Riek ausgegraben worden war. Der Fundkontext und eine Reihe von Radiokohlenstoffdaten zeigen, dass die Funde in das Aurignacien gehören, das oft mit der Ankunft anatomisch moderner Menschen in Europa in Zusammenhang gebracht wird. Zahlreiche Radiokohlenstoffdaten für den Vogelherd bewegen sich zwischen 30.000 und 36.000 Jahren vor heute.

... mehr zu:
»Alb »Ausgrabung »Eiszeit »Fund »Kunstwerk »Mammut »Vogelherd

Wegen des Reichtums an Artefakten aus Rieks grundlegenden Grabungsarbeiten von 1931 und gelegentlicher Entdeckungen bei ungenehmigten Ausgrabungen in der alten Höhlenfüllung hoffte das Tübinger Team, bedeutende neue Eiszeitfunde am Vogelherd zu finden. Die systematische Nachgrabung an der Fundstelle begann 2005 und wird bis 2009 in jedem Sommer fortgesetzt. Mit der Entdeckung der fünf Figuren neben vielen anderen bedeutenden Artefakten im Jahre 2006 wurden alle Erwartungen übertroffen.

Die vollständige Wiedergabe eines Mammuts und die Darstellung eines Löwen erweitern die eindrucksvolle, international bekannte Gruppe von Figuren, die Riek 1931 entdeckt hatte. Wie die meisten aurignacienzeitlichen Figuren aus den Höhlen der Schwäbischen Alb ist das neue Mammut klein und wurde mit großem Detailreichtum unter Benutzung von Steinartefakten geschnitzt. Die Figur ist 3,7 cm lang und wiegt 7,5 Gramm. Unter den mehr als einem Dutzend Figuren von der Schwäbischen Alb ist dieses Stück die erste vollständig erhaltene. Die meisten anderen Kunstwerke sind entlang der konzentrischen Ringe des Elfenbeins gebrochen. Das Mammut ist einzigartig in seiner schlanken Gestalt, mit dem spitzen Schwanz, den kräftigen Beinen und dem dynamisch geschwungenen Rüssel. Der Kopf der Figur ist mit sechs kurzen Einschnitten verziert, und die Fußsohlen weisen ein Kreuzmuster auf.

Der neu entdeckte Löwe ist 5,6 cm lang, hat einen langgezogenen Körper sowie einen nach vorne gereckten Hals und ist entlang der Rückenlinie mit etwa 30 fein eingeritzten Kreuzen verziert. Löwen, Mammute und andere machtvolle Tiere dominieren die Darstellungen der frühesten Eiszeitkunst aus den Höhlen der Schwäbischen Alb.

Die neuen Funde demonstrieren die glänzende Kunstfertigkeit der eiszeitlichen Bewohner der Schwäbischen Alb und bekräftigen die Beobachtung, dass die älteste figürliche Kunst schön und hoch entwickelt und keineswegs primitiv war. Vier Höhlen der Region (Vogelherd, Hohlenstein-Stadel, Geißenklösterle und Hohle Fels) haben Kunstwerke geliefert, die alle älter als 30.000 Jahre sind. Diese Funde gehören zu den ältesten und eindrucksvollsten figürlichen Kunstwerken weltweit.

Die vorläufigen Ergebnisse der Ausgrabungen werden in einer Sonderausstellung im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren präsentiert (24.06.07 - 13.01.08). 2009 werden die Figuren in der großen Landesausstellung in Stuttgart mit dem Titel 'Kulturen und Kunst der Eiszeit' ausgestellt.

Die Arbeiten am Vogelherd werden von folgenden Geldgebern gefördert: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, Stiftung für Eiszeitkunst im Lonetal, darüber hinaus durch großzügige private Unterstützung von ratiopharm (Ulm), HeidelbergCement (Heidelberg) und der Würth-Gruppe (Künzelsau).

Die Autoren des Aufsatzes Einmalige Funde durch die Nachgrabung am Vogelherd bei Niederstotzingen-Stetten ob Lontal, Kreis Heidenheim sind Nicholas J. Conard, Michael Lingnau und Maria Malina.

Weitere Informationen:

Prof. Nicholas J. Conard Ph.D.
Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
Universität Tübingen
Schloss Hohentübingen
72070 Tübingen
nicholas.conard@uni-tuebingen.de
Tel.: 49 - (0)7071 - 29-72416

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/highlights/h54-eiszeit.html

Weitere Berichte zu: Alb Ausgrabung Eiszeit Fund Kunstwerk Mammut Vogelherd

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Die Ostsee als Zeitmaschine
14.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Bohrung in einen aktiven Unterwasservulkan
09.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics