Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multidisziplinäres, deutsch-russisches Forschungsvorhaben bewilligt

08.11.2006
IFM-GEOMAR koordiniert marine Erdsystemforschung im subpolaren Nordpazifik

Bei der Abkürzung des neuen Forschungsvorhabens, KALMAR, denkt der nicht Eingeweihte vielleicht an vielarmige Meeresbewohner der Tiefsee. Bei dem kürzlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligten Verbundvorhaben, das mit vollem Namen: "Kurile-Kamchatka and ALeutean MARginal sea-island arc systems: geodynamic and climate interaction in space and time" heißt, handelt es sich um ein multidisziplinäres Projekt, das deutsche und russische Wissenschaftler in die abgelegensten Weiten des subpolaren Nordwestpazifiks und Ostsibiriens führen wird.

Ziel des vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) koordinierten deutsch-russischen Projektes ist es, das komplexe, aber räumlich begrenzte Geosystem Kurilen-Kamtschatka-Inselbogens sowie seiner angrenzenden Bereiche mit seinen vielschichtigen Wechselwirkungen zu verstehen.

Der aktive Kontinentalrand vor Kamtschatka und der Kurilen-Inselbogen bilden zusammen ein komplexes, etwa 2.500 km langes Subduktionssystem, in dem sich die weltweit aktivsten Subduktionszonenvulkane befinden, deren teilweise katastrophale Eruptionen nicht nur anliegende Gebiete bedrohen, sondern auch signifikante Auswirkungen auf die globale Umwelt und das Klima haben. "Die Eruption des Klyuchevskoy (Kamchatka) im Jahr 1994 reichte bis in 20km Höhe und hat den Flugverkehr über dem NW Pazifik stark beeinträchtigt. Grosse Eruptionen, wie sie es in der Vergangenheit mehrmals auf Kamchatka gegeben hat, können aber auch globale Auswirkungen auf das Klima und die Ozonschicht haben.", so Prof. Kaj Hoernle vom IFM-GEOMAR. Das geologisch hochaktive Untersuchungsgebiet ist zugleich auch Ursprungsort für Tsunamis. "Die hier zu Grunde liegenden Prozesse sind allerdings kaum verstanden", so Prof. Hoernle weiter. Ferner hat die Entwicklung der Aleuten-Inselkette eine herausragende Bedeutung für den Wassermassenaustausch und damit für das Klima. Die ozeanischen Randströme, die entlang des Kontinentalrandes entlang geführt werden, steuern die Klimaentwicklung im nordwestpazifischen Raum nachhaltig, nicht nur auf langen, sondern auch auf sehr kurzen Zeitskalen. Zeitliche und räumliche Schwankungen in der Ozeanzirkulation beeinflussen nicht nur den Wärmeaustausch und Materialfluss zwischen Kontinent und Ozean, sondern auch die Hydrographie des im Westen an den Kamtschatka-Kurilenbogen angrenzenden Ochotskischen Meeres, einem äußerst wichtigen Fischfanggebiet Russlands.

... mehr zu:
»Eruption »IFM-GEOMAR

Dieses vielschichtige Forschungsthema führt Wissenschaftler vieler Fachrichtungen zusammen: Geologen, Vulkanologen, Geophysiker, Paläoozeanographen, Ozeanographen, Geochemiker, Biogeochemiker und Biologen. Gemeinsam werden sie in den nächsten 3 Jahren mehrere Landexpeditionen in Vorbereitung für weitere Schiffsexpeditionen durchführen.

KALMAR ist nur durch die intensiven, schon seit vielen Jahren gemeinsam geführten, deutsch-russischen Forschungsaktivitäten, zum Beispiel im Rahmen von System Laptev See oder KOMEX (Kurilen Ochotskisches Meer Experiment), möglich geworden. Projektkoordinator, Prof. Wolff-Christian Dullo vom IFM-GEOMAR: "Die lokale Expertise und fachliche Kompetenz unser russischen Kollegen ist von unschätzbarem Wert für ein solches Vorhaben. Auf der anderen Seite können wir unter Einsatz moderner Meerestechnik und Analyseverfahren hochpräzise Messergebnisse erzielen. Insofern ist dies eine "Win-Win" Situation für alle Projektpartner", so Dullo weiter.

Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 1.3 Mio. € (davon knapp 0.9 Mio. € für das IFM-GEOMAR) bei einer Laufzeit von 3 Jahren.

Projektpartner von KALMAR sind: Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) (Gesamtkoordination), Alfred Wegener Institut für Polar und Meeresforschung (AWI), Bremerhaven und Potsdam; Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Hannover; Sächsische Akademie der Wissenschaften, Arbeitsstelle Geochronologie Quartär, Freiberg; Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena; P.P Shirshov Institut of Oceanology of the Russian Academy of Sciences (IORAS), Moskau; Center for Coordination of Oceanic Research of the Russian Academy of Sciences, Moskau; Geological Institute of the Russian Academy of Sciences, Moskau; Institute of Limnology of the Russian Academy of Sciences, St.-Petersburg; Institute of Volcanology and Seismology of the Far Eastern Branch of the Russian Academy of Sciences, Petropavlovsk-Kamchatsky; North-East Interdisciplinary Scientific Research Institute, Magadan; and Pacific Oceanological Institute of the Far Eastern Branch of the Russian Academy of Sciences, Wladivostok.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolff-Christian Dullo, IFM-GEOMAR, Tel.: 0431-600-2215, cdullo@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock, IFM-GEOMAR, Tel.: 0431-600.2802,avillwock@ifm-geomar.de, (Öffentlichkeitsarbeit)

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

Weitere Berichte zu: Eruption IFM-GEOMAR

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften