Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1407 Meter unter dem Meeresboden

12.06.2006
Karlsruher Forscher an Internationalem Bohrprogramm beteiligt

Der Aufbau der Erde gleicht dem eines Pfirsich: In der Mitte liegt der Kern, den eine dicke Schicht aus „Fruchtfleisch“, der Erdmantel, umgibt. Außen ist die Erde mit der Erdkruste wie mit einer Schale überzogen. Der Blick unter diese „Schale“, insbesondere unter den Meeresboden, ist bei Forschern heiß begehrt. Im Mai berichtete ein internationales Forscherteam im Magazin Science nun von einem großen Erfolg: Erstmals ist es einer Expedition des Internationalen Tiefseebohrprogramms IODP gelungen, den oberen Teil der zweigeteilten so genannten ozeanischen Kruste im Pazifik zu durchbohren. IODP steht für Integrated Ocean Drilling Program. Die Besonderheit dieser Bohrung besteht darin, dass sie den unteren Teil der Kruste in einer Tiefe von 1407 Metern unter dem Meeresboden erreichte, ohne das Profil des oberen Teils zu beschädigen. Forscher der Universität Karlsruhe sind an diesem Bohrprogramm mit einem Projekt beteiligt. Die Gruppe am Institut für Mineralogie und Geochemie erforscht unter der Leitung von Professor Dr. Heinz-Günter Stosch, unter welchen Bedingungen sich Edelmetalle in der Erdkruste anreichern.

Die Karlsruher Wissenschaftler untersuchen vor allem, warum sich die Elemente der Platingruppe nur an bestimmten Stellen im Profil angelagert haben. Mit dieser vollständigen und intakten Probe ist es zum ersten Mal möglich, eine ‚Bestandsaufnahme’ der Edelmetalle in dieser Schicht vorzunehmen. Dr. Birgit Scheibner, Teilnehmerin an der Expedition und Mitarbeiterin von Professor Stosch, beurteilt diese Bohrung dafür als entscheidenden Schritt: „Jetzt können wir die Prozesse, die für die Verlagerung des Platins innerhalb der Ozeankruste verantwortlich sind, erstmals quantitativ beschreiben.“ Angetrieben wird die Edelmetallverlagerung durch die so genannte hydrothermale Zirkulation in der ozeanischen Kruste. Das Seewasser, das durch die Erdkruste dringt, ist vergleichsweise agressiv und löst so das Platin aus dem Gestein heraus. Ändern sich die Bedingungen in der Umgebung, ist beispielsweise das Wasser an einer Stelle kälter, gibt es das Platin wieder ab. An bestimmten Stellen entsteht so eine hohe Konzentration von Edelmetallen in der Kruste. Durch die Plattenbewegung wird die Erdkruste mit den Edelmetallen teilweise auf die Kontinente aufgeschoben. Dadurch wird der Abbau der Metalle möglich.

Doch nicht nur der Edelmetalle wegen waren die Forscher auf dem Bohrschiff „Joides Resolution“ unterwegs. Sie untersuchen auch, wie die ozeanische Kruste überhaupt gebildet wird. Sie entsteht an den Mittelozeanischen Rücken – vulkanisch aktiven Zonen am Meeresboden. Die Mittelozeanischen Rücken driften auseinander und treiben die Bewegungen der Erdplatten an. Diese Bewegung kann an den Plattengrenzen Erdbeben auslösen. Die Bildung der ozeanischen Kruste genau zu verstehen, ist daher ein zentrales Ziel der Erdbebenforschung.

... mehr zu:
»Bohrung »Erdkruste »Kruste »Meeresboden

Die Bohrung soll im Jahr 2008 weitergeführt werden – von der Übergangszone zwischen Ober- und Unterkruste bis zur Grenze zwischen Kruste und Erdmantel ist es noch ein weiter Weg. Nächstes Ziel ist nun das vollständige Durchbohren der Unterkruste.

Weitere Informationen:
Angelika Schukraft
Presse und Kommunikation
Unversität Karlsruhe (TH)
Tel.: 0721 608-6212
E-Mail: schukraft@verwaltung.uni-karlsruhe.de

Angelika Schukraft | Universität Karlsruhe (TH)
Weitere Informationen:
http://www.bgr.de/iodp
http://www.uni-karlsruhe.de

Weitere Berichte zu: Bohrung Erdkruste Kruste Meeresboden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise