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Wenn der Erdkern im Erdmantel schwingt

17.03.2006


Geodynamische Prozesse stehen spätestens dann im Blickpunkt der Öffentlichkeit, wenn die Erde bebt. Auch am Institut für Geowissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena beschäftigen sich seit vielen Jahren Wissenschaftler mit der Dynamik der Erde und deren Einflüssen. Doch das Interesse geht weit über Erdbebenforschung hinaus. Auch die Veränderungen der Erdfigur, darunter speziell der Kruste, etwa durch den Einfluss der Gezeiten, sind ein Forschungsgebiet.


Das supraleitende Gravimeter in Moxa. Foto: Jahr/FSU



Seit 1999 erfasst ein supraleitendes Gravimeter im Geodynamischen Observatorium des Instituts im thüringischen Moxa selbst geringfügigste Variationen der Erdschwerkraft. Damit können sowohl Bewegungen der Lufthülle, großräumige Veränderungen in der Wasserverteilung als auch kleinste Schwingungen des Erdkerns im Erdmantel (max. mm) registriert werden.



Mit den Problemen und Analysen solcher Messungen wie deren wissenschaftlicher Nutzung beschäftigt sich ein internationaler Workshop, der vom 27.-31. März am Institut für Geowissenschaften der Universität Jena stattfindet. Die Expertentagung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, vereint in Jena etwa 40 Geowissenschaftler aus 16 Ländern, darunter USA, Kanada, China, Japan und Korea. Im Mittelpunkt des Workshops mit dem Titel "Analyse von Daten supraleitender Gravimeter sowie von Deformationsbeobachtungen auf geodynamische Signale und Umgebungseinwirkungen" steht die Diskussion der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie der Erfahrungsaustausch. Darüber hinaus sollen in Jena auch Strategien für die zukünftige Forschung diskutiert werden.

Ein Schwerpunkt der Tagung wird auf den Eigenschwingungen des Erdkörpers liegen, insbesondere auf dem möglichen Nachweis von Schwingungen des inneren Erdkerns. Bereits vor Jahrzehnten ist gezeigt worden, dass ihre Existenz theoretisch möglich ist. "Bis heute fehlt jedoch ein zweifelsfreier Nachweis in den Beobachtungen", sagt die Jenaer Tagungsorganisatorin, die Juniorprofessorin Dr. Corinna Kroner.

Ein weiteres zentrales Thema wird der Einfluss der Umgebung sowie der Meteorologie und der Hydrologie auf die Registrierungen sein. Störende meteorologische Einflüsse - wie Luftdruck oder Niederschlag - auf die Schweremessungen werden von den Wissenschaftlern untersucht und wurden bisher so gut wie möglich eliminiert. Neuere Forschungen beschäftigen sich nun mit der Möglichkeit, hydrologische Störsignale zu nutzen, um daraus gezielte Beobachtungen zur globalen Wassermassenverteilung und -speicherung abzuleiten. Dazu können die integralen Messungen der Gravimeter eine gute Ergänzung zur hydrologischen Punktbeobachtung liefern. Zu diesem Thema läuft zur Zeit am Jenaer Institut für Geowissenschaften ein Forschungsvorhaben, das während des Workshops vorgestellt wird.

Geowissenschaftler veranstalten internationalen Workshop vom 27.-31. März an der Uni Jena

Kontakt:
Prof. Dr. Corinna Kroner
Institut für Geowissenschaften der Universität Jena
Burgweg 11, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 948609
E-Mail: corinna.kroner@uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

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