Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Metallvorräte: Deutsche Experten teilen US-Bedenken nicht

27.01.2006


Kein Mangel an Kupfer, Zink und Platin in Sicht

... mehr zu:
»Katalysator »Metallvorrat »Platin

Sollte die Industrialisierung in den Entwicklungsländern ähnlich voranschreiten wie in der westlichen Welt, werden Metalle wie Kupfer und Platin in Kürze Mangelware sein. Das behaupten zumindest Robert Gordon und seine Kollegen von der Yale University. Sie kamen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass der derzeitige Kupferbedarf viel zu hoch ist. Die drohende Knappheit könne selbst dann nicht vermieden werden, wenn alle verfügbaren Erze gefördert und bereits genutztes Kupfer recycelt würde, so die US-Forscher. Auch die Vorräte an Zink und Platin drohten in naher Zukunft zu erschöpfen. Markus Wagner, deutscher Rohstoffexperte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), sieht die Ergebnisse der Studie dagegen kritisch. "Die amerikanischen Wissenschaftler gehen von einem rein wirtschaftlichen Ansatz aus", erklärt Wagner im Gespräch mit pressetext. "Sie zeigen keinerlei Vertrauen in die Systemflexibilität."

Anders als die US-Forscher glauben die deutschen Experten nicht an ein drohendes Endzeitszenario. Aus geologischer Sicht sei eine Verknappung bei metallischen Rohstoffen nicht zu erwarten, erklärt Wagner. Eine große Rolle spiele die technische Verfügbarkeit, also was zu heutigen Bedingungen aus den aktuell bekannten Lagerstätten zu holen sei. "Die Lebensdauer der Reserven bei Kupfer werden heute genauso eingeschätzt wie vor 20 Jahren. Die Spanne hat sich nicht verringert, obwohl in der Zwischenzeit mehr Kupfer abgebaut und in der Industrie eingesetzt wurde", berichtet Wagner. Letztlich komme es beim Abbau von Metallen auf den Stand der Technik und die Bedürfnisse des Marktes an. "Warum sollten die Unternehmen Metallvorräte bis zur Unendlichkeit nachweisen?" wundert sich Wagner. "Erst wenn ein Anreiz da ist, wird in die Forschung und Erschließung neuer Abbaugebiete investiert."


Auch die negative Einschätzung der Platinvorräte durch die US-Forscher teilt der deutsche Rohstoffexperte nicht. In ihrer Studie weisen die Amerikaner darauf hin, dass es keine Platin-Alternativen, zum Beispiel für den Bau von Katalysatoren oder Brennstoffzellen gebe. "Metalle substituieren sich gegenseitig", so Markus Wagner. "Gerade bei Platin wechselt die Industrie je nach der Situation des Marktes von Platin zu Paladium und umgekehrt. Das ist etwa alle drei Jahre der Fall." Zudem könne das beim Bau von Katalysatoren verwendete Platin hervorragend recycelt werden. Dem Aufruf der Amerikaner, Metalle müssten aufgrund der begrenzten Vorräte in größerem Ausmaß wiederverwertet werden, kann Wagner nur teilweise zustimmen: "Der primäre Anreiz beim Recycling ist weniger die Schonung der Resourcen als der energetische Vorteil." Für das Recycling von Metallen werde im Vergleich zum Abbau etwa ein Viertel bis ein Zehntel des Energieaufwands benötigt. Deutschland sei beim Recyceln von Kupfer bereits Spitzenreiter. Global betrachtet könne der Anteil aber noch deutlich ausgebaut werden. Im Hinblick auf die Metallvorräte der Erde in Panik zu geraten, hält Wagner in jedem Fall für grundlos.

Verena Töpper | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.yale.edu
http://www.bgr.bund.de

Weitere Berichte zu: Katalysator Metallvorrat Platin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg
26.05.2017 | Universität Siegen

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften