Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eiskern-Tiefbohrung in der Antarktis erfolgreich beendet

20.01.2006


Das 26-köpfige Team aus Technikern und Wissenschaftlern nach Beendigung. Foto: Alfred-Wegener-Institut


Die Kohnen-Station in der Antarktis. Foto: Alfred-Wegener-Institut


Ein internationales Team von Wissenschaftlern und Technikern hat am 17. Januar 2006 unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die Eiskern-Tiefbohrung an der Kohnen-Station des Alfred-Wegener-Instituts in Dronning Maud Land/Antarktis in einer Tiefe von 2774 Metern erfolgreich abgeschlossen. Erste Untersuchungen des Eiskerns vor Ort lassen vermuten, dass in den untersten 200 Metern sehr altes Eis erbohrt werden konnte.


Klimadaten aus den letzten 900.000 Jahren

Die Arbeiten erfolgten im Rahmen des EPICA-Programms (European Program for Ice Coring in Antarctica) und hatten das Ziel, detaillierte Informationen über das Klima der Vergangenheit zu erhalten. Von den Daten erwarten die Wissenschaftler entscheidende Verbesserungen zum Verständnis des globalen Klimageschehens. Nach der detaillierten Auswertung in den heimischen Laboren werden zeitlich sehr hoch aufgelöste Klimadaten aus den oberen 2400 Metern der Bohrung, die den letzten Eiszeitzyklus umfassen, vorliegen. Die gewonnenen Bohrkerne aus größeren Tiefen sind vermutlich bis zu 900.000 Jahre alt. Diese Einblicke in die ferne Klimageschichte der Antarktis ermöglichen ein tieferes Verständnis der Bedeutung der Polarregionen für das globale Klimageschehen damals und auch heute.


Fünf Jahre Tiefbohrung in der Antarktis

Eiskern-Tiefbohrprojekte sind langfristig angelegte Forschungsprogramme. Die Arbeiten für EPICA im Dronning Maud Land begannen 1996 mit einer Vorerkundungsphase zur Bestimmung eines geeigneten Bohrpunktes. Sie umfassten umfangreiche geophysikalische und eiskundliche Untersuchungen aus der Luft und am Boden in einem bislang unerforschten Gebiet der Antarktis. Nach der Bestimmung des Bohrpunktes wurde 1999 mit dem Bau der Sommerstation Kohnen bei 75°Süd und 0° 4’ Ost in einer Meereshöhe von 2900 Metern begonnen. Bereits bei Fertigstellung der Station 2001 wurde mit der Einrichtung der Bohrstelle begonnen. Nach Beginn der Tiefbohrung 2001/2002 wurde in vier Bohrsaisons die Bohrung abgeteuft. Über die gesamte Tiefe konnten Eiskerne mit hervorragender Qualität gewonnen werden.

Extreme Belastung für Mensch und Gerät

Feldarbeiten in der Antarktis bieten nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht große Herausforderungen. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen und das technische Gerät sind extrem: An der Kohnen-Station herrschen während der Sommermonate Dezember und Januar Temperaturen zwischen minus 35°C und minus 20°C vor, zu Beginn der jetzigen Feldsaison im November 2005 wurden Temperaturen unter minus 50° C gemessen.

Internationale Kooperation

Im EPICA-Projekt arbeitet ein Konsortium von Forschergruppen aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) zusammen. EPICA wird über die European Science Foundation (ESF) koordiniert und aus nationalen Beiträgen und Fördermitteln der EU finanziert. Gegenwärtig liegt die Federführung bei Professor Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut. Bereits im Dezember 2004 wurde die erste Tiefbohrung des Projekts an der Station Dome Concordia auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis fünf Meter oberhalb des Felsuntergrunds in einer Tiefe von 3270 Metern beendet. Somit stehen nach Auswertung der Bohrung an der Kohnen-Station zwei Datensätze zum Vergleich zur Verfügung, was eine deutlich bessere Interpretation der Messwerte ermöglicht.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Dr Andreas Wohltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de/

Weitere Berichte zu: Antarktis Bohrung Eiskern-Tiefbohrung Kohnen-Station Tiefbohrung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Warum der Meeresboden in Bewegung gerät
13.02.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Erste Messung der Erdgravitation mit einer transportablen optischen Uhr
12.02.2018 | Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics