Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vorhersagbare Monsterwellen

19.12.2005


Was haben "Monsterwellen", epileptische Anfälle und umknickende Hochspannungsmasten gemeinsam?
Neu erschienenes Buch nimmt Extremereignisse unter die Lupe

... mehr zu:
»Extremereignis »Monsterwellen


Erstens: Alle drei Ereignisse treten plötzlich und scheinbar zufällig auf, kündigen sich jedoch meist durch bestimmte Vorzeichen an. Und zweitens: Sie sind Thema des Buchs "Extreme Events in Nature and Society", das gerade im Springer-Verlag erschienen ist. Darin gehen internationale Experten der Frage nach, wie man Extremereignisse vorhersagen und - wenn möglich - vermeiden kann. Herausgeber sind Physiker und Mathematiker: Professor Dr. Holger Kantz vom Dresdner Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme sowie von der Universität Bonn Dr. Volker Jentsch und Professor Dr. Sergio Albeverio.

Alle paar Wochen verschwindet ein großes Schiff spurlos von der Meeresoberfläche und wird nie wieder gefunden. Viele von ihnen fielen wahrscheinlich einer Monsterwelle ("freak wave") zum Opfer. Diese entstehen völlig unerwartet und können sich zu mehr als 20 Metern auftürmen. Oft zerbricht das Schiff unter dem Aufprall der Wassermassen in zwei Teile. Wenn die Welle die Bordelektronik zerstört, hat die Crew nicht einmal mehr Gelegenheit, einen Notruf abzusetzen.

Wie diese Riesenwellen entstehen, versteht man heute erst zum Teil. Wahrscheinlich müssen Wetter und Meeresströmungen zusammen spielen, damit sich plötzlich eine derartige Wasserwand in Höhe eines siebenstöckigen Hauses auftürmt. Vielleicht werden die Meteorologen dennoch schon in ein paar Jahren warnen können: "Meiden Sie heute die Gegend südwestlich der Kanaren; dort drohen vereinzelt Wellen von mehr als 25 Metern Höhe." Diese Einschätzung vertritt zumindest Eric J. Heller in seinem Beitrag über "Freak Ocean Waves" im Buch "Extreme Events in Nature and Society". Er hat zusammen mit Kollegen bereits einen Parameter identifiziert, der die Wahrscheinlichkeit von Monsterwellen beeinflusst.

Der Band behandelt ein halbes Dutzend völlig unterschiedlicher Szenarien, die alle als Extremereignisse aufgefasst werden können. Darunter ist beispielsweise auch die Epilepsie, eine Hirnerkrankung, bei der die Betroffenen aus heiterem Himmel das Bewusstsein verlieren und in Krämpfe verfallen. Zumindest bei manchen Patienten kündigt sich ein nahender Anfall aber augenscheinlich schon Minuten bis Stunden vorher an, wie sich an Aufzeichnungen der Hirnströme nachvollziehen lässt. Auch die Ermüdung von Stahl bis zum Bruch oder die Vorhersage von Vulkanausbrüchen und Erdbeben werden von den Autoren behandelt.

Dass so unterschiedliche Disziplinen zu einem einzigen Buch beisteuern, ist ungewöhnlich, hat aber seinen Grund: "Egal, ob man epileptische Anfälle, Tornados oder Monsterwellen vorhersagen möchte: Letztlich vermuten wir, dass den unterschiedlichen Klassen von extremen Ereignissen ähnliche Mechanismen zugrunde liegen, und versuchen diese These auch zu belegen", erklärt Dr. Volker Jentsch vom Interdisziplinären Zentrum für komplexe Systeme (IZKS) der Universität Bonn. "Für die Vorhersage von Extremereignissen wird es nötig sein, aus der Fülle von Beobachtungsdaten die Parameter herauszufiltern, auf die es ankommt. Wir wollen herausfinden, mit welchen mathematischen Methoden und Modellen das möglich ist."

Bei der Suche nach einer Antwort könnten die verschiedenen Disziplinen voneinander profitieren, sind die Herausgeber überzeugt. "Wir können zwar heute noch nicht sagen, ob sich Methoden aus der Finanzmathematik beispielsweise auch auf Krankheiten wie die Epilepsie anwenden lassen", sagt Jentsch. "Ohne Zweifel ist jedoch ein methodischer Austausch für die Erforschung von Extremereignissen von höchster Bedeutung."

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.izks.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Extremereignis Monsterwellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Was ist krebserregend am Erionit?
13.01.2017 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Drohnen im Einsatz für die Korallenriffforschung
10.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik