Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Damit Tiefenbohrungen sicherer und günstiger werden

10.11.2005


RWTH-Institut arbeitet an einer Datenbasis zum Potential der Erdwärme



Will man Erdwärme nutzen, muss sie durch eine teure Tiefenbohrung erschlossen werden. Vielfach liegt jedoch nur wenig Wissen über die Zusammensetzung des Gesteins im Untergrund vor. Genau diese Angaben über Sedimentformation und Wärmeleitfähigkeit sind aber entscheidendend, um die Geothermie am richtigen Standort, in der ausreichenden Tiefe und damit zu möglichst günstigen Kosten zu erschließen. Ein Projekt des Lehr- und Forschungsgebiets für Angewandte Geophysik der RWTH Aachen unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christoph Clauser sorgt dabei jetzt für Abhilfe. In dem durch das Bundesumweltministerium mit 480.000 Euro geförderten Vorhaben erarbeitet derzeit Diplom-Geophysiker Andreas Hartmann für Süddeutschland eine Datenbasis, die das geothermische Potential des Untergrunds aufzeigt.



"Über die geologischen Landesämter und den Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung sind die Daten der Erdölindustrie aus der Schwäbischen Alb und Franken verfügbar", beschreibt Hartmann ein Standbein der Informationsbeschaffung. Als zweite Quelle dienen dem Geophysiker und seinem vier Mann starken Team Messungen an vorhandenen Bohrkernen. Dabei legen die Forscher ihr Hauptaugenmerk auf die Wärmeleitfähigkeit. "Die Temperatur in der Tiefe bestimmt die Qualität der Energie", so Hartmann, "die Wärmeleitfähigkeit bestimmt ihre Quantität". Zum Beispiel ist die Wärmeleitfähigkeit umso geringer, je höher der Tonanteil der Gesteine ist. Gerade aber die Entzugsleistung - also die Menge an Energie, die entzogen werden kann - ist entscheidend für die rentable Nutzung der Geothermie. Bei den Untersuchungen zur Struktur der Gesteine werden die Geologien vom Institut für Makromolekulare Chemie unterstützt, das dazu eigens ein spezielles NMR-Gerät konstruiert hat. Außerdem wird mit den Firmen Geophysica und Ecos kooperiert, die ihr spezielles Know-how einbringen.

Als Ergebnis des Projekts wird Ende des Jahres eine detaillierte Datenbasis der Gesteinseigenschaften des untersuchten Gebiets vorliegen. "Dies bildet dann eine solide Grundlage für die Entscheidung und Planung von Tiefenbohrungen", resümiert der RWTH-Mitarbeiter Hartmann. Investoren und Betreibern solcher Anlagen wird ein verlässliches Hilfsmittel zur Auslegung der Tiefenbohrung in die Hand gegeben. Dies erhöht die Erfolgsaussichten von Tiefenbohrungen und trägt zur Kostenoptimierung bei. Nächstes Ziel ist die Übertragung der Methodik auf andere Gebiete, wie etwa Nordrhein-Westfalen. Ergänzt durch aufwändige Simulationen im Zentrum für Hochleistungsrechnen der RWTH Aachen wird die Mannschaft der Angewandten Geophysik in einem anvisierten Nachfolgeprojekt eine weitere Region in Deutschland geothermisch kartieren. Dies ist auch deshalb möglich, weil die Ergebnisse aus Süddeutschland nach Wärmeleitfähigkeit und -kapazität, nach Porosität und Permeabilität einheitlich klassifiziert werden. Dies erlaubt eine überregionale Verwertung der Resultate.

Weitere Informationen zu dem Projekt erhalten Sie bei Univ.-Prof. Dr. Christoph Clauser und Dipl.-Geol. Andreas Hartmann, Lehr- und Forschungsgebiet für Angewandte Geophysik der RWTH Aachen, Lochnerstraße 4-20, Telefon 0241/80-94825, Fax 0241/80-92132, E-Mail c.clauser@geophysik.rwth-aachen.de und andreas@geophysik.rwth-aachen.de. Toni Wimmer

Dr. Christof Zierath | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Geophysik RWTH Tiefenbohrung Wärmeleitfähigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Einblicke unter die Oberfläche des Mars
21.07.2017 | Jacobs University Bremen gGmbH

nachricht Tauender Permafrost setzt altes Treibhausgas frei
19.07.2017 | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten