Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionenschweres EU-Projekt: Klimawandel wird per Satellit untersucht

27.09.2001


Ein über acht Millionen Mark (4,3 Mio. Euro) schweres, multinationales Klimaforschungs-Projekt hat die Europäische Union an die Universität Jena vergeben. "Siberia II" startet im kommenden Frühjahr und wird von der Geoinformatik-Professorin Christiane Schmullius koordiniert. Das Großprojekt, das zunächst auf dreieinhalb Jahre angelegt ist, observiert per Satellit und über Bodenmessstationen ein zwei Millionen Quadratkilometer großes Gebiet östlich des Ural - sechsmal so groß wie die Bundesrepublik - und soll erstmals realistische Daten für zuverlässige Klimamodelle liefern.

Beteiligt daran sind 14 Forschungsinstitute aus Westeuropa und Russland, die Daten von zwölf geowissenschaftlichen Satelliten der europäischen, amerikanischen und japanischen Weltraumbehörden fließen mit ein. Rund eine Million Mark erhält allein das Team um Christiane Schmullius für die Fernerkundung. Jena steigt damit zu einem der Zentren in der Weltklimaforschung auf.

"Wir können den globalen Klimawandel erst dann wirklich ergründen, wenn wir ein genaues Bild von den entscheidenden Faktoren wie etwa der Vegetation und ihren jahreszeitlichen Zyklen haben", erläutert Schmullius. "Bislang beruhen unsere Klimamodelle noch auf zu vielen Hypothesen." "Klimakiller" - vor allem Treibhausgase aus Kohlen- und Stickstoffverbindungen - lassen sich vom Satelliten aus zwar nicht direkt detektieren, aber ihre Entstehung, ihre Ausdehnung und letztlich auch die Veränderungen und Wechselwirkungen können die Wissenschaftler nur dann präzise berechnen, wenn sie die maßgeblichen Umweltfaktoren kennen. "Hier machen wir jetzt gründlich unsere Hausaufgaben", so Schmullius, "und zwar in einem Gebiet, das besonders sensibel auf Klimaveränderungen reagiert: dem borealen Raum, der eurasischen Taiga."

In einem ersten Schritt generieren die Jenaer Wissenschaftler mit Hilfe von Radar- und Wärmebildern per Satellit Landnutzungs- und Vegetationskarten, die einen relativ unveränderlichen Rahmen bilden. "Wir wissen natürlich, dass zum Beispiel Laubwald erheblich mehr Kohlendioxid-Gase bindet als Moose und Gräser", so Schmullius, "aber präzise Daten für ein konkretes Gebiet der Erde gibt es bislang noch nicht." Danach kümmern sich die Forscher um die jahreszeitlichen Veränderungen, die sie mit Messungen im zehn-Tages-Rhythmus gewissermaßen wie in einem Film darstellen. Denn zum Beispiel betreiben die meisten Pflanzen im Winter keine Photosynthese, verbrauchen also keine Kohlenstoffgase aus der Luft, während aber die Schneeoberfläche mehr Sonnenlicht reflektiert und somit zusätzlich die Atmosphäre "aufheizt". Entstehen dann im Frühjahr während der Schneeschmelze große Überschwemmungsgebiete, so sorgen Mikroorganismen unter Luftabschluss für eine ungewöhnlich hohe Methangasproduktion.

"All diese Prozesse sind prinzipiell und theoretisch bekannt", so Schmullius, "aber wir überprüfen zum ersten Mal die Klimamodelle an der Wirklichkeit." Das aufwändige Instrumentarium, um die Satelliten-Datenflut mittels mathematischer Algorithmen am Computer zu filtern, zu synchronisieren und auszuwerten, wird dann auch auf andere Regionen der nördlichen Erdhalbkugel übertragbar sein, zum Beispiel auch auf Thüringen. "Für subtropische und tropische Gebiete, etwa den Amazonas-Regenwald oder die afrikanischen Savannengebiete müssten wir unseren Ansatz modifizieren", weiß Schmullius, "aber ein gewichtiger Anfang ist mit unserem Projekt getan, weil der weitaus größere Teil der Landmasse ja auf der nördlichen Halbkugel liegt."

Kontakt:
Prof. Dr. Christiane Schmullius
Institut für Geographie der Uni Jena
Tel.: 03641/948877
E-Mail: c.schmullius@geogr.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Dr. Wolfgang Hirsch
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
D-07743 Jena
Telefon: 03641 · 931030
Telefax: 03641 · 931032
E-Mail: roe@uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

Weitere Berichte zu: Klimamodell Satellit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Seltener Weizenfund in bronzezeitlicher Lunch-Box aus dem Schweizer Hochgebirge
26.07.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Grossmäuliger Fisch war nach Massenaussterben Spitzenräuber
26.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops