Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jenaer Forscher mischen beim Polarjahr international mit

20.10.2005


Wissenschaftler der Universität Jena gehen für Großprojekt auf Expedition in die Antarktis


Die Polarregionen beeinflussen die geodynamischen Entwicklungsprozesse der Erde maßgeblich. Das motiviert Wissenschaftler aus aller Welt, diese eingehend zu untersuchen. Dazu wurde 2007/08 als Internationales Polarjahr (IPY) ausgerufen, in dem besonders intensiv zu Nord- und Südpol geforscht wird. Für dieses Ereignis sind hochwertige Projekte gesucht und inzwischen auch gefunden worden.

Dem Jenaer Geowissenschaftler Prof. Dr. Lothar Viereck-Götte ist es gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Dr. Gerhard Jentzsch und Prof. Dr. Jonas Kley gelungen, mit einem Großprojekt an diesem 3. Internationalen Polarjahr teilnehmen zu können. Die Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität planen, die "Geodynamik der Grabenzone zwischen Ost- und West-Antarktis" zu erforschen. "Wir wollen herausfinden, ob die Vulkane in dem sehr unzugänglichen Teil der West-Antarktis noch aktiv sind", erläutert Prof. Viereck-Götte. "Wenn dies der Fall ist, sind die Bruchstücke der Antarktischen Platte in Bewegung, was zur Folge hätte, dass der Zerfallsprozess der Antarktis weiter fortschreitet", so der Professor für Geochemie weiter.


Zu Voruntersuchungen werden die Jenaer Wissenschaftler bereits am 25. Oktober zum Südpol aufbrechen. Dort werden sie magmatische Gesteine und die mit ihnen auftretenden Sandsteine untersuchen, um Rückschlüsse auf den Beginn des Zerfalls des Superkontinents "Gondwana" in die heutigen Kontinente Süd-Amerika, Afrika, Indien, Australien und Antarktis zu ziehen. Prof. Viereck-Götte und sein Team interessiert vor allem, ob und wie sich dieser Zerfall in Veränderungen in den Gesteinen andeutete. In den ’Eiskontinenten’ steckt nämlich viel mehr als Eis - wurden doch in der Antarktis bereits Kohleschichten und Reptilskelette gefunden, die die Hypothese belegen, dass der sechste Kontinent vor mehr als 250 Millionen Jahren zum Superkontinent "Gondwana" gehört habe und in warmen Klimazonen der Erde gelegen hat. "Wir hoffen, aus der Zusammensetzung der gefundenen vulkanischen Gesteine sowie den Fluss- und Seeablagerungen und den darin enthaltenen Fossilien, wie Fischschuppen, Insektenflügeln und Pflanzensamen, Rückschlüsse auf jene geodynamischen Prozesse ziehen zu können, die sich vor dem Zerfall abgespielt haben, der vor etwa 180 Millionen Jahren begann."

Dass die Jenaer Wissenschaftler bereits jetzt mit den Untersuchungen im Rahmen des Internationalen Polarjahres anfangen, welches erst im März 2007 offiziell ausgerufen wird, hat vor allem einen praktischen Hintergrund. "Wir haben das Glück, dass gerade jetzt von Oktober bis Februar eine Expedition der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover zur deutschen Sommerstation Gondwana am Ross Meer stattfindet und im März das deutsche Polarforschungsschiff zum sehr unzugänglichen Ellsworth Land in der Westantarktis fährt. Diese seltenen Gelegenheiten müssen wir nutzen", erklärt Viereck-Götte.

So werden die Jenaer Geowissenschaftler vom Forschungsschiff aus mit Forschern der Technischen Universität Dresden zusammenarbeiten. Die Dresdner Wissenschaftler werden in der Antarktis GPS-Messstationen einrichten, an welchen die Positionen bestimmter Punkte in festgelegten Zeitabständen gemessen werden können. "Weichen die Messwerte mehrerer Punkte voneinander ab, so ist bewiesen, dass es auch heute noch geotektonische Bewegungen zwischen einzelnen Bruchstücken der Antarktis gibt und der Zerfall des Kontinents andauert," legt Prof. Viereck-Götte dar. "Und während die Dresdner Kollegen Messpunkte in die aus dem Eis ragenden Felsen betonieren, begeben wir uns auf die Suche nach magmatischen Gesteinen, um später in Jena deren Zusammensetzung und Alter zu bestimmen", fügt er hinzu.

Nicht nur der Südpol, sondern alle Kontinente unterliegen einem andauernden Zerfall. So brechen Teile ab und treffen - angetrieben durch die Ströme im Erdmantel - an anderer Stelle wieder auf einen anderen Kontinent. "Ein gutes Beispiel hierfür ist Indien, das vor mehr als 140 Millionen Jahren zu Afrika gehörte und nun seit etwa 50 Millionen Jahren in den Kontinent Asien gerammt wird", sagt Prof. Viereck-Götte.

Um dieses Potenzial an Wissen über die Entstehung der Erde, welches auch die Polargebiete in ihren vermeintlich kargen Eiswüsten verbergen, weiter zu erschließen, schlossen sich Forscher weltweit zusammen und organisieren das 3. Internationale Polarjahr als eine Einrichtung, die bereits 1882/83 zum ersten Mal stattfand.

Kontakt:
Prof. Dr. Lothar G. Viereck-Götte
Institut für Geowissenschaften der Universität Jena
Burgweg 11, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 948720
Fax: 03641 / 948662
E-Mail: lothar.viereck-goette@uni-jena.de

Friederike Enke | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Antarktis Gestein Kontinent Polarjahr Viereck-Götte Zerfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie