Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regenwald-Klima vom Meer bestimmt

13.10.2005


Unterschiede in der Temperatur des Südatlantik steuern Regenfall in Zentralafrika



Bei der ersten detaillierten Rekonstruktion der Klimageschichte Zentralafrikas für die letzten 20.000 Jahre kamen Bremer Meeresgeologen zu unerwarteten Ergebnissen: Je größer der Unterschied in den Meerestemperaturen des südlichen und des äquatorialen Atlantiks ist, umso weniger Regen bekommt der Regenwald des zentralen Afrika. Denn ein großer Temperatur-Unterschied lässt die Passatwinde stärker wehen, welche die Feuchtigkeit auf das Meer hinaus transportieren. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten Enno Schefuß, Ralph Schneider und Stefan Schouten jetzt in der Zeitschrift Nature.



Zurzeit gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Regenverteilung in Afrika von 15° Nord bis etwa 15° Süd überwiegend von der Lage der Intertropischen Konvergenzzone (ITKZ) abhängt. Sie bestimmt, wie weit nördlich bzw. südlich des Äquators die Regenfälle des Monsuns fallen. Ihre Lage ändert sich langfristig aufgrund von Schwankungen in der Sonneneinstrahlung. Kurzfristigere Schwankungen entstehen u.a. durch Veränderungen in der Oberflächentemperatur des Nordatlantiks. "Mit Hilfe einer neuen Analysemethode konnten wir jedoch zeigen, dass die Regenmengen im gesamten Zentralbereich Afrikas nicht durch die Lage der ITKZ bestimmt wird", erklärt Enno Schefuß vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder. "Denn dieser Bereich wird so oder so jedes Jahr zweimal vom Monsun bestrichen, unabhängig davon, wie weit nördlich oder südlich die ITKZ reicht." Im Gegensatz zu den Randbereichen des Monsungebietes ist hier nicht die Frage, ob es regnet, sondern wie viel es regnet. Als bestimmend dafür stellte sich der Unterschied zwischen den Meerestemperaturen des südlichen und des äquatorialen Atlantik heraus.

Schefuß und Kollegen untersuchten mit Hilfe eines neuen Verfahrens Meeressedimente, die in den letzten 20.000 Jahren direkt vor der Mündung des Kongo abgelagert wurden. Sie maßen den Anteil verschiedener Wasserstoff-Isotope in Pflanzenwachsen, die über den Kongo ins Meer gelangten und sich am Meeresgrund ablagerten. Das Verhältnis der verschiedenen Wasserstoff-Isotope in den Wachsen hängt von der Menge an Niederschlag ab, den die Pflanzen bekommen haben. Die Veränderung in der so rekonstruierten Niederschlagskurve für das Einzugsgebiet des Kongo über die letzten 20.000 Jahre verglichen die Wissenschaftler dann mit verschiedenen anderen Klimadaten aus dieser Zeit. Dabei zeigte sich, dass einzig der Unterschied in den oberflächlichen Meerestemperaturen des südlichen und des äquatorialen Atlantiks die Regenfall-Änderungen erklären kann. War dieser groß, so zeigten die Wachse Trockenheit an. Der Mechanismus dahinter ist recht einfach. Ein großer Unterschied in den Meerestemperaturen beeinflusst auch die Luft darüber. Dadurch entsteht ein Luftdruckgefälle, das die Passatwinde stärker wehen lässt. Und starke Passatwinde transportieren die Feuchtigkeit auf das Meer hinaus.

Schefuß freut sich über zwei Dinge: "Erstens konnten wir damit beweisen, dass Messungen des Wasserstoff-Isotopen-Verhältnisses in fossilen Pflanzenwachsen uns direkt Auskunft geben können über den Wasser-Kreislauf in der Vergangenheit. Und zweitens haben wir mit diesen Messungen im Meeresboden Informationen über das gesamte Einzugsgebiet des Kongo gewonnen. Dadurch bekommen wir ein klares Signal, bei dem kleinräumige Unterschiede schon herausgefiltert sind."

Die Ergebnisse machen auch deutlich, dass bei Klimaänderungen in den Tropen die ITKZ nicht als alleinige Ursache dienen kann. "Wir müssen unseren Blick über die übliche Verdächtigen hinaus ausdehnen und auch anderen Ideen Raum geben", fordert Schefuß.

Weitere Informationen:
Kirsten Achenbach
Öffentlichkeitsarbeit
DFG-Forschungszentrum Ozeanränder
Tel. 0421 - 218-65541
E-Mail: achenbach@rcom-bremen.de

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.rcom-bremen.de

Weitere Berichte zu: Atlantik ITKZ Kongo Meerestemperatur Passatwind

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Polarstern ab heute unterwegs nach Spitzbergen, um Rolle der Wolken bei Erwärmung der Arktis zu untersuchen
24.05.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (TROPOS)

nachricht Unterschiedliche Erwärmung von Arktis und Antarktis: Forscher sieht Höhenunterschied als Ursache
18.05.2017 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten