Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Polarstern-Expedition dokumentiert Veränderungen in der Arktis

16.09.2005


Am 18. September wird der Forschungseisbrecher Polarstern von einer achtwöchigen Arktisexpedition nach Bremerhaven zurückkehren.


Insgesamt 78 Teilnehmer aus elf Nationen waren an der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven koordinierten Expedition beteiligt.

Im Mittelpunkt der einundzwanzigsten Arktisexpedition von Polarstern stand die Fortsetzung mehrerer Langzeitstudien mit fest am Meeresboden installierten Messstationen, so genannten Verankerungen. Bestückt mit verschiedenen Messgeräten für Strömung, Temperatur und Salzgehalt tragen die Daten dieser Verankerungen dazu bei, den Wärme- und Süßwasserhaushalt der Grönlandsee zu bestimmen und seinen Einfluss auf die globalen Meeresströmungen abzuschätzen. Verankerungen spielen somit eine ähnliche Rolle wie die Wetterstationen auf den Kontinenten, mit dem Unterschied, dass die Daten der Verankerungen erst nach einem Jahr bei ihrem Austausch abgelesen werden können.


Auf zwei in Ost/West-Richtung verlaufenden hydrographischen Schnitten zwischen Grönland und der Bäreninsel (75°Nord) und zwischen Grönland und Spitzbergen (79°Nord) machten die Ozeanografen eine interessante Entdeckung: ein vollständiges Fehlen von Wasser, das aus dem Pazifik durch die Beringstraße in die Arktis strömt und in den 90er Jahren im Ostgrönlandstrom zu finden war. Dieser Umstand weist darauf hin, dass sich die Strömungsverhältnisse im Arktischen Ozean geändert haben und dieses Wasser nun durch den Kanadischen Archipel westlich von Grönland in den Nordatlantik strömt.

Im weiteren Verlauf wurden in der Grönlandsee an fünf Stationen autonom arbeitende Messgeräte aufgenommen und nach Auslesen der Daten direkt an Bord wieder mit neuer Energieversorgung ausgebracht. Eine bereits seit 1994 in Zusammenarbeit mit den Universitäten Cambridge und Bergen laufende Langzeitstudie kann somit weiter fortgesetzt werden. Weiter im Norden in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen wurden zwölf Verankerungen aufgenommen und wieder neu ausgelegt, um eine seit 1997 laufende Beobachtung des Wassermassenaustausches zwischen dem Arktischen Ozean und der Grönlandsee fortzusetzen.

Parallel dazu haben die Wissenschaftler Temperatur und Salzgehalt in der Framstraße in dichten Abständen in allen Meerestiefen mit Hilfe einer CTD-Sonde (Conductivity = Leitfähigkeit, Temperature = Temperatur, Depth = Tiefe) gemessen. Ein vorläufiger Vergleich der Meeresoberflächentemperaturen mit denen des letzten Jahres ergab eine Erwärmung im Osten und eine Abkühlung im mittleren und im westlichen Bereich der Framstraße. Daher wurde im Ostgrönlandstrom auch mehr Meereis angetroffen als im vergangenen Jahr. In Tiefen unter 50 Meter setzt sich die deutliche Erwärmung der Vorjahre in der gesamten Framstraße fort. Im mittleren Bereich reicht die Erwärmung bis in Tiefen unter 2000 Meter. Diese hydrographischen Beobachtungen wurden durch die Daten der Verankerungen bestätigt.

Meereschemiker untersuchten das im Meerwasser gelöste Treibhausgas Methan, das entweder aus dem Meeresboden austritt oder in der Wassersäule durch Bakterien erzeugt wird. Die Auswertung der zahlreichen Proben, die während der Reise genommen wurden, zeigt, dass mehr Methan in der Wassersäule entsteht als ursprünglich angenommen wurde und dass die Produktion in der Eisrandzone bei starker biologischer Aktivität besonders hoch ist.

Tiefseebiologen entdeckten in der Framstraße in 2000 Meter Tiefe eine große Anzahl unterschiedlichster Bodenorganismen. Nach Auswertung ihrer Proben wollen die Forscher genauere Aussagen über die Nahrungsnetze in der noch weitgehend unerforschten Tiefsee treffen.

Mit der Artenzusammensetzung vergangener Epochen beschäftigen sich die Geologen an Bord von Polarstern. Sedimente am Meeresboden bestehen zu einem wesentlichen Teil aus abgestorbenen Meeresorganismen, die sich im Laufe der Jahrtausende am Meeresboden schichtweise ablagern. Da unterschiedliche Organismen durchaus unterschiedliche Temperaturen bevorzugen, lassen sich aus der Zusammensetzung der Fossilien Rückschlüsse auf Wassertemperatur und andere Klimaparameter vergangener Zeiten ziehen. Bei geologischen Arbeiten am Yermak-Plateau nordwestlich von Spitzbergen wurden trotz schwerer Eisbedingungen zahlreiche Sedimentkerne gewonnen, die den Wissenschaftlern vermutlich Einblick in 100.000 Jahre Klimageschichte geben können. Wie weit sie tatsächlich in die Erdgeschichte zurückreichen, werden erst die abschließenden Untersuchungen der Proben im Labor ergeben.

Polarstern wird am 18. September gegen 2 Uhr morgens in Bremerhaven einlaufen und in einer vier Wochen andauernden Werftzeit auf die nächste Expedition in die Antarktis vorbereitet.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Framstraße Grönland Meeresboden Temperatur Verankerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Winzige Eisverluste an den Rändern der Antarktis können Eisverluste in weiter Ferne beschleunigen
11.12.2017 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

nachricht Was macht Korallen krank?
08.12.2017 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit