Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neubau für die Wattenmeerstation auf Sylt

19.05.2005


Entwurf des Neubaus. Die markante Keilform soll zwischen Küstenlandschaft und Hinterland vermitteln. Foto: Alfred-Wegener-Institut


Entwurf des Neubaus. Der Neubau integriert auch alte Institutsgebäude. Foto: Alfred-Wegener-Institut


Am 20. Mai 2005 wird der Grundstein für den Neubau der Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in List auf Sylt gelegt.


Mit über 1500 Quadratmetern Nutzfläche bietet der mit modernen Laboren und Arbeitsplätzen eingerichtete Neubau Platz für die notwendigen Untersuchungen zur Ökologie in der europäischen Küstenforschung. Durch das erweiterte Raumangebot können auch vermehrt Gastforscher aus dem In- und Ausland die Veränderungen in der biologischen Artenvielfalt direkt in der Nordsee sowie im Labor mit fließendem Meerwasser analysieren. Der Neubau wird zum Ende des kommenden Jahres fertig gestellt.

Da zunehmender Schiffsverkehr und maritimer Delikatessenbedarf immer mehr Meeresgetier und Algen weltweit verfrachten, müssen auch Küstenforscher über große Entfernungen eng zusammenarbeiten, um die ökologischen Folgen dieser ungewollten Globalisierung von Meeresflora und -fauna zu ergründen. In rasantem Tempo machen sich im Wattenmeer pazifische Austern auf Muschelbänken breit. Wie wirken diese neuen Filtrierer auf das Nordseeplankton? Warum fressen Nordsee-Strandkrabben weiterhin Miesmuscheln statt die pazifischen Austern? Gastforscher aus Korea gaben wertvolle Hinweise über "ihre Austern", während sie auf Sylt die Strandkrabben studierten, von denen die ersten unlängst an asiatischen Küsten auftauchten.


Während die Insel Sylt schützend vor Watt und Festland liegt, verliert sie selbst bei jedem Sturm von ihrer Substanz. Die geologische Forschergruppe der nördlichsten Forschungseinrichtung auf deutschem Boden fragt: "Wo bleibt der Sylter Sand?" Was verschwindet davon für immer im Meer, was driftet zu den Nachbarinseln oder füllt die Watten auf? Die Watten brauchen fortlaufend neuen Sand, um beim Anstieg des Meeresspiegels nicht für immer abzutauchen. Das System ist auf empfindliche Weise klimagesteuert. Die Verfrachtung der Sedimente mit den Strömungen wird von den Geologen mit Hilfe von hyperspektralen Luftbildern und vom Forschungskatamaran MYA aus mit einem Fächerlot gemessen.

Zusammen mit dänischen, holländischen und polnischen Gastforschern wird untersucht, wie der Meeressand als biologischer Filter funktioniert. Die Nordseewellen drücken mehrere hundert Liter Wasser pro Tag und Quadratmeter durch die oberen Sandschichten. Warum verstopft dieser Filter nie, trotz Überproduktion an Planktonalgen im überdüngten Nordseewasser? Mit einem Großexperiment im Sylter Watt sind die Forscher dem Wattwurm auf die Spur gekommen. Der lockert und durchlüftet die Sedimente so, dass dieser Biofilter stets optimal funktionieren kann.

Mit diesen Messungen und Experimenten liegen die Sylter an vorderster Front der internationalen Küstenforschung. Der Neubau des Laborgebäudes wird nicht nur dazu beitragen, dass dieser hohe Standard beibehalten werden kann. Gleichzeitig wird auch in die Nachwuchsförderung investiert und die Studenten an der Station erhalten den dringend benötigten modernen Kursraum.

Der Neubau überspannt eines der existierenden Laborgebäude und bildet eine Verbindung zum zweiten Gebäude der Station. Nord- und Südfassade sind leicht nach Süd geneigt, so, als hätte der vorherrschende Nordwestwind das Gebäude verzerrt. So entsteht eine markante Form, die sich aus der Dünenlandschaft zu einer turmartigen Südfassade erhebt und damit zwischen dem Ort List und der Küste vermittelt. Die traditionelle Fassade der alten Gebäude aus rotem Ziegelmauerwerk bleibt erhalten; die Neubaufassade besteht aus unbehandeltem Holz der kanadischen Zeder und wird in wenigen Jahren vergrauen.

Die Baukosten von fast sechs Millionen Euro für den vom dänischen Architekturbüro KHR arkitekter AS aus Virum/ Dänemark entworfenen Neubau teilen sich Bund und das Land Schleswig-Holstein im Verhältnis 9:1. Mit dem Neubau werden auch die noch aus militärischer Nutzung stammenden weitläufigen Betonflächen aufgenommen und als standorttypische Trockenrasen und Dünen renaturiert. Mit dem für Spaziergänger geplanten Uferweg zwischen Forschungsstation und Strand gewinnt auch der Ort List, der zur Zeit seine Seefront rundum erneuert: Hafen und Strandpromenade sind bereits fertig und ein großer Parkplatz für die Besucher des viel besuchten Hafens ist seit Pfingsten nutzbar. Aber die Pläne gehen noch weiter: Komplett wird das Ganze erst mit einem maritimen Erlebniszentrum "Naturgewalten" sein, das Forschungsstation und Lister Hafen verbinden soll.

Bei der feierlichen Grundsteinlegung am 20. Mai muss die Festgesellschaft keinen Mairegen fürchten. Im neu errichteten Gewächshaus wird ein zünftiges Buffet mit Meeresfrüchten ausgebreitet werden, bei dem auch die Pazifischen Austern und in der Wattenmeerstation gezüchtete Algen nicht fehlen werden.

Margarete Pauls | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi-bremerhaven.de

Weitere Berichte zu: Auster Forschungsstation Sylt Wattenmeerstation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen
26.04.2017 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

nachricht Flechten aus dem Bernsteinwald
25.04.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie