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Erleuchtende Einblicke in untergegangene Lebenswelten

07.04.2005


Campanile giganteum - eine Schnecke aus dem Tertiär (Eozän), gefunden im Pariser Becken. Ulrike Jacob


Während der 6. Leipziger Museumsnacht lädt die geologisch-paläontologische Sammlung der Universität zu erleuchtenden Einblicken in untergegangene Lebenswelten und geologische Perioden ein.


Unter dem Motto ’’Licht’’ öffnen dieses Jahr über 40 Museen und Sammlungen ihre Pforten dem interessierten ’’Nachtschicht’’-Publikum. Licht spielt bei den ausgestellten Fossilien der Geologisch-Paläontologischen Sammlung eine besondere Rolle. Die Abhängigkeit vom Licht hat sich bei Pflanzen und Tieren im Laufe der Zeit verändert. Anhand der Fossilien ist zu sehen, wie die Organismen sich dadurch weiterentwickelt haben. Um die Fundstücke dann zu untersuchen, braucht man das Licht des Mikroskops.

Die Geologisch-Paläontologische Sammlung gehört zu den großen deutschen Universitätssammlungen im Bereich Geologie und Paläontologie. Generationen von Leipziger Geowissenschaftlern trugen seither wertvolles Material zusammen, so dass die Sammlung heute über einen Fundus von über 400.000 Objekten verfügt.


Darunter befinden sich prachtvolle Großfossilien, seltene Originale und exotische Stücke aus allen Teilen der Welt. Zu den einträglichsten Fundorten der Leipziger Forscher gehören heute die Tagebaue der Region, wodurch die vollständigste Sammlung zum Tertiär Mitteldeutschlands entstanden ist. Die größten Kostbarkeiten der Sammlung sind zwei sehr gut erhaltene Großfossilien, ein Fischsaurier (Ichtyosaurier) und ein Meereskrokodil, die nach einer aufwendigen Restaurierung seit kurzem für das Publikum zugänglich sind. ’’Der Ichtyosaurier hält ein Wunder der Natur in versteinerter Form fest: Es handelt sich um ein Weibchen mit zwei Embryonen, von denen eines gerade den Geburtskanal verlässt. Giftiger Schwefelwasserstoff, durch Fäulnis entstanden, hat wahrscheinlich zum Tod des Fischsauriers geführt und eine Notgeburt ausgelöst’’, so Prof. A. Müller, Kustos der Sammlung. Die beiden heute unbezahlbaren Großfossilien sind etwa 200 Millionen Jahre alt und wurden in der Nähe von Stuttgart gefunden.

Einen großen und wertvollen Neuzugang stellt die Schenkung des Privatsammlers Siegfried Ruschel aus Hessen dar, die jetzt erstmalig zu sehen ist. In sechs Vitrinen kann der Besucher Ammoniten, fossile Schildkröten, Muscheln, Schnecken und Mineralien, vorrangig aus der Zeit des Tertiär, bestaunen. Höhepunkt des Neuzugangs ist der Schädel eines Meereskrokodils aus der Jurazeit.

Die zum Institut für Geophysik und Geologie gehörende Sammlung in der Talstraße ist während der Museumsnacht über die Sonderlinie ’’Sternenfunkeln’’ zu erreichen. Um 19:00 Uhr wird die Sonderausstellung ’’Licht ist Leben - 3,5 Milliarden Jahre Fotosynthese und ihre Folgen’’ eröffnet. In drei Vitrinen werden neue paläobotanische Kostbarkeiten, also pflanzliche Fossilien, zu sehen sein. Prof. A. Müller wird in einem Vortrag dazu um 20:30 Uhr erläutern, wie sich die Abhängigkeit der Pflanzen und Tiere vom Licht verändert hat und wie die Organismen sich dementsprechend weiterentwickelt haben. So kann an den pflanzlichen Fossilien die Optimierung der Fotosynthese beobachtet werden, z.B. durch Veränderungen der Spaltöffnungen im Lauf der Zeit (Evolution).

Interessierte können außerdem den ganzen Abend über in einer Mikroskopierstraße Kleinstfossilien untersuchen oder selbst das Präparieren von Fossilien üben. Auch Fragen zu eigenen Funden wie etwa im Urlaub gefundene Muscheln und Schnecken können gemeinsam mit den Wissenschaftlern geklärt werden. Wer kurz pausieren möchte, für den ist die Geologenbar mit ihren Cocktails sicherlich ein Lichtblick.

Weitere Sammlungen der Universität haben in der Museumsnacht geöffnet. An der Route ’’Sternschnuppen auf der Milchstraße’’ präsentieren sich das Ägyptische Museum, das Antikenmuseum, das Institut für Kunstpädagogik, das Musikinstrumentenmuseum, die Sammlung für Ur- und Frühgeschichte und die Studiensammlung der Universität. An der Sonderlinie ’’Abendglut’’ liegt die Mineralogisch-petrographische Sammlung und an der Route ’’Sternenfunkeln’’ das Institut für Anatomie der Universität. Die Universitätsbibliothek ist auf der Route ’’Dämmerung’’ zu entdecken.

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.geo.uni-leipzig.de

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