Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heidelberger Wissenschaftler messen globale Methanverteilung

18.03.2005


Studie des Instituts für Umweltphysik der Universität Heidelberg im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht - Satellitengestützte Methanmessungen erlauben erstmals global die Identifizierung regionaler Emissionen


Zum ersten Mal in der Geschichte der Satellitenmessungen kann die globale Verteilung atmosphärischen Methans mit hoher Sensitivität zu den bodennahen Luftschichten gemessen werden. Es stellt sich heraus, dass Methanemissionen aus den Tropen wahrscheinlich höher als bislang angenommen sind. Ein Vergleich von satellitengestützten Beobachtungen der globalen Methanverteilung mit simulierten Werten im Zeitraum August bis November 2003 führt zu dieser Vermutung. Generell gibt es sehr gute Übereinstimmungen zwischen den globalen Methanmessungen und simulierten Verteilungen. Als Beispiel seien stark erhöhte Methankonzentrationen aufgrund von Reisanbau und Viehhaltung im Ganges-Tal in Indien sowie Teilen Chinas erwähnt. Die Messungen in diesen Gebieten stimmen sehr gut mit modellierten Werten überein. In weiten Teilen der Tropen gibt es jedoch starke Unterschiede zwischen den Messungen und dem Modell. Die Messungen zeigen konsistent höhere Werte, wobei die genaue Ursache für diese Diskrepanz noch nicht genau geklärt werden kann. Potentielle Ursachen können erhöhte Emissionen aufgrund von Feuchtgebieten, Biomasseverbrennung, Termiten, Wiederkäuern oder einer bislang unbekannten Methanquelle sein.

Die gezeigten Ergebnisse basieren auf einer wissenschaftlichen Studie des Institutes für Umweltphysik der Universität Heidelberg in Kooperation mit dem Königlich Niederländischen Meterorologischen Institut. Die Arbeit, veröffentlicht in Science Express am 17. März 2005, interpretiert globale Methanmessungen des Spektrometers SCIAMACHY, welcher sich als Nutzlast auf dem europäischen Umweltsatelliten ENVISAT befindet. ENVISAT wurde im März 2002 erfolgreich von der Trägerrakete Ariane in die Umlaufbahn gebracht.

Die globalen atmosphärischen Methankonzentrationen wurden aus den Messdaten eines neuartigen Satellitensensors gewonnen. Der Spektrometer SCIAMACHY - SCanning Imaging Absorption SpectroMeter for Atmospheric CHartographY - erlaubt erstmals auch die Detektion von am Erdboden und in der Atmosphäre gestreuten Sonnenlicht im nahinfraroten Spektralbereich. Durch Anwendung der differentiellen optischen Absorptionspektroskopie (DOAS) kann das Vorkommen von atmosphärischem Methan global quantifiziert werden.

Satellitengestützte Fernerkundung dieser Art öffnet eine neue Welt für die globale Detektion von Treibhausgasen und deren Emissionen. Auf kurze Sicht mag dies nur von wissenschaftlichem Interesse sein, aber auf lange Sicht werden diese Art von Messungen auch hochgradig relevant für politische Entscheidungsträger sein. Dies ist besonders im Hinblick auf das Kyoto-Protokoll zu beachten, welches kürzlich in Kraft getreten ist und die Reduzierung von Treibhausgasen fordert.

Nach Kohlenstoffdioxid ist Methan das zweitwichtigste anthropogen produzierte Treibhausgas. Der Großteil heutiger Emissionen ist vom Menschen verursacht. Obwohl die Summe aller Methanquellen relativ genau bestimmt werden kann, verbleiben große Unsicherheiten bei der Bestimmung der Quellstärken individueller Emissionstypen. Sowohl die räumliche Verteilung als auch die Variationen über das Jahr sind nur unlänglich bekannt, und vor allem die natürlichen Quellen sind sehr unsicher bestimmt.

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.iup.uni-heidelberg.de
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Emission Methan Methanmessung Methanverteilung Treibhausgas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe
06.12.2016 | Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

nachricht Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie