Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geographen behalten Permafrost in Schweden im Auge

08.02.2005


In den Alpen und anderen Hochgebirgen schmelzen die Gletscher dahin. Die Wissenschaft wertet das als Anzeichen dafür, dass sich die Atmosphäre der Erde immer mehr aufheizt. Wenn das stimmt, dann sollte auch der Permanente Bodenfrost in den Gebirgen, kurz Permafrost genannt, zunehmend auftauen. Diese Problematik erforscht der Geograph Christof Kneisel von der Uni Würzburg.


Diplomand Marcus Friedlein misst in Nordschweden die Basis-Temperatur der Schneedecke. Im Hintergrund vom Gletscher abgelagertes Moränenmaterial. Foto: Kneisel


Gebirgspermafrost ist insbesondere an der Verbreitungsuntergrenze nicht einheitlich durchgefroren, sondern sehr variabel: Blaue Farben repräsentieren eisreichen Permafrost, Rottöne die Auftauschicht bzw. den ungefrorenen Untergrund. Zweidimensionales Widerstandstomogramm des oberflächennahen Untergrundes. Grafik: Kneisel



Der Wissenschaftler untersucht seit mehreren Jahren Permafrost in den Schweizer Alpen und in Nordschweden. Auch dort sind die Gletscher - wie in den Alpen - im Verlauf des 20. Jahrhunderts deutlich zurückgeschmolzen. Während man dieses Siechtum leicht auf Fotos dokumentieren kann, entzieht sich der Permafrost der direkten Beobachtung: Er steckt unter einer Auftauschicht, die einen halben bis fünf Meter dick sein kann. Also ist Kneisel auf Technik angewiesen. Bislang hat er in seinem Forschungsgebiet in Nordschweden über 20 zweidimensionale geoelektrische Sondierungen durchgeführt. "Damit lässt sich die markante Gliederung des Permafrostes in Auftauschicht, eisreichen Permafrost und ungefrorenen Untergrund erkennen", wie er sagt.

... mehr zu:
»Auftauschicht »Geograph »Permafrost


Außerdem hat der Forscher mit speziellen Sonden an 500 Messpunkten die Temperatur an der Grenze zwischen Bodenoberfläche und Schneedecke gemessen. Liegt der Schnee höher als einen Meter, wird die Temperatur in diesem Bereich nur noch durch den Wärmefluss aus den oberen Bodenschichten bestimmt - und der hängt wiederum von der An- oder Abwesenheit von Dauerfrost ab.

Mit Hilfe dieser Messdaten bekam der Würzburger Geograph einen ersten Eindruck von seinem Untersuchungsareal. Es wurde deutlich, dass Auftauschicht und Dauerfrostbereiche in ihrer Mächtigkeit sehr variabel sind. In weiten Teilen seines Arbeitsgebietes kann der Forscher von aktivem Permafrost ausgehen. Das heißt: Der gefrorene Boden taut im Sommer auf und gefriert im Winter dann wieder. Nun soll unter anderem beobachtet werden, wie sich dieser Prozess über Jahre hinweg abspielt. Ein denkbares Szenario: Im Sommer tauen immer größere Bereiche auf, im Winter gefrieren sie dann nicht mehr so stark wie zuvor - das könnte die Folge einer Erwärmung der Atmosphäre sein.

Diese Forschungen stehen noch am Anfang. Kneisel arbeitet in Schweden, weil er die Ergebnisse von dort mit seinen Ergebnissen aus den Schweizer Alpen vergleichen und Gemeinsamkeiten oder Unterschiede herausarbeiten möchte. Die Gebiete in Nordschweden kennt er von seiner Dissertation, die er an der Uni Trier angefertigt hat. Außerdem hat er sich für dieses Land entschieden, weil dort bislang nur wenig über Gebirgspermafrost geforscht wird. Starthilfe bekam der junge Wissenschaftler durch ein Stipendium aus der Jubiläumsstiftung zum 400jährigen Bestehen der Uni Würzburg - in Form eines Zuschusses zu den Reisekosten.

Weitere Informationen: Dr. Christof Kneisel, T (0931) 888-5441, Fax (0931) 888-5544, E-Mail: kneisel@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Auftauschicht Geograph Permafrost

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen
18.08.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Klimawandel: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff
17.08.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz