Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimawandel: Wie reagiert ein Ökosystem?

11.01.2005


Die globale Erwärmung ist nicht mehr wegzuleugnen. Sollte sie ungebremst fortschreiten, droht dem Menschen ein Schreckensszenarium. Schon jetzt häufen sich Meldungen über Klimakatastrophen, die vielfach mit der Erwärmung der Atmosphäre in Verbindung gebracht werden: Jahrhunderthitze, Überflutungen, Wirbelstürme. Sie haben schwerwiegende Folgen: die verheerende Sturmflut in Bangladesh im April 1991 kostete 140.000 Menschen das Leben. Angesichts dieser Entwicklung sind Klimavorhersagen für die Zukunft ungeheuer wichtig.


Ein Sedimentbohrkern, der mehrere 10.000 Jahre umspannt, wird freigelegt.
Autor: Tim Jennerjahn



Rekonstruktionen der Klima- und Vegetationsgeschichte liefern wertvolle Hinweise, um die Folgen plötzlicher Klimawechsel abzuschätzen. Dabei fürchtet man besonders um den tropischen Regenwald, genetische Schatzkammer und grüne Lunge unserer Erde. Wissenschaftler des Zentrums für Marine Tropenökologie und der Universität Bremen untersuchten an der Küste Nordost-Brasiliens ökologische Veränderungen der letzten 85.000 Jahre. In Abständen von ca. 10.000 Jahren ereigneten sich weltweit drastische Klimawandel, so genannte Heinrich-Ereignisse. Zeugen klimatischer Bedingungen, wie Pflanzenpollen und Verwitterungsprodukte, die von den Flüssen ins Meer geschwemmt werden, lagerten sich am Meeresgrund ab und ließen dort ein Klimaarchiv entstehen. An Bohrkernen aus den Meeressedimenten konnten die Forscher feststellen, dass zu Beginn eines solchen Klimawechsels Niederschläge deutlich zunahmen. In der Folge wandelte sich die kärgliche, steppenartige Pflanzendecke, wie sie auch heute im Nordosten Brasiliens vorherrscht, in üppigen Regenwald.



Ein Aspekt der Ergebnisse war besonders überraschend. Während man bisher meinte, Ökosysteme würden nur einige Jahrzehnte brauchen, um auf plötzliche Klimawechsel zu reagieren, erfolgte die ökologische Antwort im Norden Brasiliens erst um 1000 bis 2000 Jahre verzögert. Die Forscher erklärten dies Phänomen mit den besonderen Anforderungen, die tropischer Regenwald an das Klima stellt. Er benötigt eine Regenzeit von mindestens acht Monaten, um sich entwickeln zu können. Ein entsprechendes saisonales Niederschlagsmuster stellte sich jedoch erst allmählich im Laufe des Heinrich-Ereignisses ein.

Die Untersuchungen verdeutlichen, dass vor pauschalen Zukunftsszenarien gewarnt werden muss. Vorhersagen über ökologische Auswirkungen der globalen Erwärmung werden solche Schwelleneffekte berücksichtigen müssen.

Der Artikel, der dieser Pressemitteilung zugrunde liegt, ist im Dezember 2004 in Sciencexpress zusammen mit einem Kommentar erschienen und am 24.12. in der Printausgabe von Science.

Ansprechpartner für Fragen:

Dr. Tim Jennerjahn
Zentrum für Marine Tropenökologie
Fahrenheitstraße 6, 28359 Bremen
Tel: 0421 / 23800-44
Email: tim.jennerjahn@zmt-bremen.de

Dr. Susanne Eickhoff | idw
Weitere Informationen:
http://www.zmt-bremen.de

Weitere Berichte zu: Klimawandel Klimawechsel Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Neue Einblicke in das 2004 Sumatra-Erdbeben
14.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Folgen des Klimawandels: Oder warum wird das Wasser unter Borkum überwacht?
14.11.2017 | Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte