Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Atem des Meeres auf der Spur

19.11.2004


Kieler Meereswissenschaftler haben Messroboter erstmals mit Sauerstoffsensoren ausgestattet und in der Labradorsee ausgesetzt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Tiefsee im Winter große Mengen an atmosphärischem Sauerstoff "einatmet" und eröffnen damit neue Wege für die Erforschung des Klimawandels.


Eine Forschergruppe vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) hat Ozean-Tiefendrifter erstmals mit modernen Sauerstoffsensoren ausgestattet und im September 2003 in der Labradorsee ausgesetzt. In der aktuellen Ausgabe der Science* stellen Professor Arne Körtzinger und seine Kollegen erste Ergebnisse vor, die zeigen, dass auch der Ozean "atmet". Während des Winters nimmt der Ozean in der beobachteten Region enorme Mengen von Sauerstoff auf. Wie eine Lunge scheint die Labradorsee große Teile der atlantischen Tiefsee mit Sauerstoff zu versorgen. Die Messungen zeigen außerdem, dass der eingeatmete Sauerstoff durch die Meeresströmungen schnell im ganzen Ozean verteilt wird. Für die Klimaforschung könnte der Atem des Meeres folgenschwere Auswirkungen haben, denn der ozeanische Sauerstoffgehalt hängt eng mit dem Gehalt an Sauerstoff in der Atmosphäre zusammen.

Die Sauerstoffkonzentration in der Atmosphäre hat in den letzten 100 Jahren stetig abgenommen. Der Grund dafür ist der gleiche wie der für den kritischen Anstieg des Kohlendioxids: die Verbrennung von Öl, Gas und Kohle. Doch während der Treibhauseffekt als Ursache für die globale Erderwärmung immer wieder neue besorgniserregende Schlagzeilen bringt, droht uns bezüglich des Sauerstoffs noch lange keine Erstickungsgefahr. Die Abnahme des atmosphärischen Sauerstoffs könnte sogar nützlich sein. Denn sie lässt sich relativ einfach messen und vor allem lässt sich mit ihrer Hilfe gut abschätzen, wie viel Kohlendioxid in den Ozeanen gelöst und wie viel von Pflanzen und Bäumen an Land aufgenommen wird. Diese Schätzung funktioniert allerdings nur solange der Sauerstoffgehalt der Ozeane - wie bisher allgemein angenommen - konstant ist.


Aktuelle Modellrechnungen prophezeien jedoch eine Abnahme der Sauerstoffkonzentration durch Veränderungen der Meeresströmungen in der Tiefsee. Der Klimawandel könnte solche Veränderungen bewirken und damit die Prozesse verlangsamen, durch die der Sauerstoff in die Tiefen der Ozeane befördert wird. Bestätigen könnte das nur eine kontinuierliche Beobachtung des Sauerstoffgehalts, doch die war bisher nicht möglich. Die Ozeane sind riesig und der traditionelle Weg, Sauerstoffkonzentrationen zu messen, erforderte teure Forschungsexpeditionen. Die Methode der Kieler Meeresforscher zeigt eine günstigere und einfachere Alternative und würde gut in ein bereits laufendes internationales Forschungsprojekt passen. Das Projekt setzt weltweit tausende Tiefendrifter ein, die den Temperaturanstieg der Weltmeere beobachten sollen. Mit entsprechenden Sensoren ausgerüstet, könnten sie auch die Sauerstoffkonzentration messen.

Die von Professor Körtzinger und seinen Kollegen beobachteten ozeanischen Atemzüge deuten auf Sauerstoff als einen der Schlüsselparameter für die zukünftige Meeres- und Klimaforschung hin. Doch bisher sind erst circa zwölf Tiefendrifter mit der neuen Technologie im Einsatz, weitere Tests und vor allem flächendeckende Beobachtungen sind notwendig. Die in der Science veröffentlichten Ergebnisse sollen die internationale Fachwelt ermutigen, die neuen Messgeräte möglichst zahlreich zum Einsatz zu bringen.

* "The Ocean Takes a Deep Breath" von Arne Körtzinger, Jens Schimanski, Uwe Send, Douglas Wallace, erschienen in Science am 19.11.2004

Kontakt:

Prof. Arne Körtzinger, +49 (0)431 600-4205, akoertzinger@ifm-geomar.de
Uta Deinet: +49 (0)431 600-2501, udeinet@ifm-geomar.de

Uta Deinet | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de

Weitere Berichte zu: Atem Sauerstoff Sauerstoffgehalt Sauerstoffkonzentration Tiefsee

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der steile Aufstieg der Berner Alpen
24.03.2017 | Universität Bern

nachricht Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche
21.03.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise