Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wetterprognose mit nie da gewesener Präzision: Hohenheim vereint international führende Meteorologen

08.09.2004


Mit Laser-Technik, Satelliten und Radar: Für Wetterprognosen mit nie dagewesener Präzision und Verlässlichkeit kombinieren international führende Meteorologen ihr Wissen und neu entwickelte Messgeräte. Die Federführung des Forschungsprojektes liegt bei den Universitäten Hohenheim und Karlsruhe. Das Untersuchungsgebiet wird in Deutschland liegen. Erste Details diskutiert der Auftaktworkshop vom 13. bis 16. September an der Universität Hohenheim. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert das Experiment als Teil eines Schwerpunktprogrammes mit bislang 1,6 Millionen Euro.



Einen volkswirtschaftlichen Schaden von 15 Milliarden Euro verursachte das Elbehochwasser im August 2002. Nicht nur finanziell waren die Folgen für die Bewohner in den betroffenen Gebieten katastrophal. Auch von Hagelschäden bis hin zu umgeleiteten Langstreckenflügen verursacht Wetter volkswirtschaftliche Verluste.

... mehr zu:
»COPS »Lidar »Meteorologe


Ein großer Teil des Schadens ließe sich bereits im Vorfeld begrenzen - durch verlässlichere Wetterprognosen, die die Vorwarnzeiten erhöhen und Ereignisse kilometergenau vorhersagen. "Die Vorgänge in der Atmosphäre sind jedoch so komplex, dass sich oft nicht genau voraussagen lässt, ob sich ein Unwetter über Stuttgart oder Karlsruhe entlädt. Aufgrund der geringen Genauigkeit können Hydrologen die Niederschlagsvorhersagen kaum für Berechnungen von Hochwassern nutzen", erklärt der Hohenheimer Atmosphärenforscher Professor Volker Wulfmeyer. "Wünschenswert wäre es, solch ein Ereignis ortsgenau und Stunden vorher prognostizieren zu können."

Für eine Testregion in Deutschland wird dieses Problem nun in Angriff genommen. Mit Partnern aus zehn Ländern, darunter die US-Raumfahrtbehörde NASA, planen Hohenheimer Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen der Universität Karlsruhe das Experiment COPS. Das Kürzel steht für Convective and Orographically-induced Precipitation Study, kurz: Regenbildung durch Gebirgseinflüsse und Wärmekonvektion. Diese sind wichtige Effekte, die mit den Computer-Modellen bisher besonders schwer zu erfassen sind. Das Experiment wird als Teil des DFG-Schwerpunktprogramms "Quantitative Niederschlagsvorhersage" gefördert.

Verbesserungswürdig sind vor allem die Modelle, mit denen das Wetter vorausberechnet wird, aber auch die Daten, auf denen die Vorhersage fußt. "Bislang steigen die Radiosonden nur alle 12 Stunden über einer Station auf. Wettersatelliten lassen Lücken von mehreren 100 Kilometern und liefern oft nur ungenaue Messungen. Das ist mager", meint Dr. Andreas Behrendt, der Koordinator von COPS. Die Hohenheimer Wissenschaftler planen mehr. "Wir wollen nicht einzelne Punkte messen, sondern räumliche Strukturen und die Prozesse in der Atmosphäre besser verstehen. COPS wird erstmals Messgeräte bündeln, die es weltweit nur in wenigen Prototypen gibt."

Dabei beteiligt sich das Hohenheimer Institut für Physik und Meteorologie mit einer Eigenentwicklung. Schon jetzt fällt der smaragdgrüne Laserstrahl auf, der über dem Hochschulgelände in den Himmel ragt. Es handelt sich um ein Lidar, ein Messinstrument, das die Atmosphäre fächerartig mit Laserstrahlen abtasten kann. In der kommenden Ausbaustufe wird das System dreidimensionale Messungen der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur durchführen, was bisher nicht möglich war. Dabei sind es die räumlichen Strukturen, die bestimmen, wo Wolken entstehen und Niederschlag fällt.

Durch COPS wird das Hohenheimer Lidar als eines der zentralen Messgeräte mit weiterer Technik kombiniert. Dazu gehören Satellitentechnik, weitere Lidar- und Radar-Systeme, die teils am Boden fixiert, teils in Flugzeugen oder auf Lastwagen montiert sind. "Viele davon sind Neuentwicklungen, in die die spezielle Expertise eines ganzen Forschungsinstitutes geflossen ist", sagt Wulfmeyer. "Durch die Messkampagne werden wir die Wettervorhersagemodelle mit Datensätzen von bisher unerreichter Qualität antreiben können."

Kontaktadresse für Rückfragen:

Prof. Dr. Volker Wulfmeyer
Institut für Physik und Meteorologie
Universität Hohenheim, 70593 Stuttgart
Telefax: 0711/459-2461
email: wulfmeye@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/spp-iop/

Weitere Berichte zu: COPS Lidar Meteorologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Klimawandel schwächt tropische Windsysteme
20.10.2017 | MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

nachricht An der Wurzel des Amazonas: Bodentiefe bestimmt Vegetationstyp
20.10.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise